US-Schwimmer Lochte entschuldigt sich

In der Affäre um den vermeintlichen Raubüberfall äussert sich nun Ryan Lochte auf Twitter zu Wort. Obwohl er der Lüge entlarvt wurde, macht er kein Schuldeingeständnis.

Ihm steht das Wasser bis zum Hals: US-Schwimmprofi Ryan Lochte im olympischen Männerfinal über 200 m Lagen in Rio de Janeiro. (11. August 2016)

Ihm steht das Wasser bis zum Hals: US-Schwimmprofi Ryan Lochte im olympischen Männerfinal über 200 m Lagen in Rio de Janeiro. (11. August 2016) Bild: Epa/Patrick B. Krämer/Keystone

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Der US-Schwimmstar Ryan Lochte hat sich wegen seines Verhaltens in der Affäre um einen vermeintlichen Raubüberfall in Rio de Janeiro entschuldigt. Der Goldmedaillengewinner zeigte sich am Freitag zerknirscht über sein Auftreten am Sonntagmorgen, als er auf der Rückfahrt von einer Party in Streit mit dem Wachmann einer Tankstelle geraten war. Zusammen mit seinem Teamkollegen James Feigen wird er nun der Vortäuschung einer Straftat beschuldigt.

«Ich möchte mich für mein Verhalten vergangene Woche entschuldigen, dass ich nicht mehr aufgepasst habe und klarer in der Art und Weise war, wie ich die Ereignisse dieses Morgens geschildert habe», schrieb Lochte in einer Erklärung, die auf seinem Twitter-Konto veröffentlicht wurde. Der 32-Jährige bedauerte auch, die Aufmerksamkeit auf sich gezogen zu haben, wo sich gerade für viele Athleten ihr Traum von Olympia erfülle.

Eine Entschuldigung, aber kein Schuldeingeständnis veröffentlicht Ryan Lochte auf Twitter.

Betrunken, nicht ausgeraubt

Lochte und drei Teamkameraden hatten angegeben, als Polizisten verkleidete Räuber hätten sie am Sonntagmorgen in Rio de Janeiro auf der Rückfahrt von einer Party ins olympische Dorf angehalten und ausgeraubt. Ermittlungen ergaben jedoch, dass die betrunkenen Sportler bei einer Toilettenpause an einer Tankstelle mit Sicherheitsleuten in Streit geraten waren, nachdem sie dort die Toilette beschädigt hatten.

Vor Lochte hatte bereits der Chef des Olympischen Komitees der USA, Scott Blackmun, das Gastgeberland um Entschuldigung gebeten. «Wir bitten die Gastgeber in Rio und das brasilianische Volk um Verzeihung für die störende Quälerei», sagte Blackmun. Er bestätigte, dass die Schwimmer nicht ausgeraubt wurden, sondern lediglich nach einem «Akt des Vandalismus» an der Tankstelle für den Schaden aufkommen mussten.

Lochte will nicht gelogen haben

Lochtes Anwalt Jeffrey Ostrow betonte jedoch, Lochte habe keinesfalls seine Schuld oder eine Lüge eingestanden. Sein Mandant bleibe dabei, dass er von dem Sicherheitsmann «erpresst» worden sei, sagte er der Zeitung «USA Today». Das Internationale Olympische Komitee (IOK) leitete unterdessen ein Disziplinarverfahren gegen die vier US-Schwimmer ein.

Die US-Schwimmer Gunnar Bentz und Jack Conger konnten Brasilien verlassen, nachdem sie bei einer Vernehmung durch die Polizei am Donnerstag ihre Lüge gestanden hatten. Ihre Kollegen Feigen und Lochte wurden der Vortäuschung einer Straftat beschuldigt, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Da Lochte bereits ausgereist war, erschien allein Feigen am Donnerstagabend vor dem zuständigen Richter.

«Inakzeptables» Verhalten

Laut der Polizei willigte Feigen vor Gericht in die Zahlung einer Geldbusse von 35'000 Real (9600 Euro) an eine karitative Organisation ein. Rios Polizeichef Fernando Veloso hatte zuvor die Schwimmer aufgefordert, auch persönlich Reue zu zeigen. «Es wäre nobel und ehrenvoll, wenn sie sich entschuldigen würden», sagte er. «Das Einzige, worüber sie die Wahrheit gesagt haben, war, dass sie betrunken waren.»

Es sei keine Gewalt gegen die Schwimmer angewendet worden, und es habe auch keinen Raub gegeben, stellte Polizeichef Veloso klar. Aufnahmen einer Überwachungskamera an der Tankstelle zeigten lediglich, wie ein Sicherheitsmann seine Waffe zog, als der betrunkene und wütende Lochte und seine Teamkameraden die Tankstelle verlassen wollten, ohne für den von ihnen angerichteten Schaden zu zahlen.

Der Leiter des US-Schwimmverbands, Chuck Wielgus, kritisierte das Verhalten der Schwimmer, das nicht dem entspreche, «was von ihnen als Olympioniken, als Amerikaner, als Schwimmer und als Individuen erwartet wurde». Auch Blackmun bezeichnete ihr Verhalten als «inakzeptabel» und kündigte an, bei ihrer Rückkehr in die USA weitere Konsequenzen zu prüfen. (foa/AFP)

Erstellt: 20.08.2016, 05:03 Uhr

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