Unschweizerisch an die Weltspitze

Der Schwimmsport verliert mit Dominik Meichtry den Vorzeigeathleten.

Dominik Meichtry und seine typische Geste. Foto: Keystone

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Wie Dominik Meichtry an den Olympischen Spielen 2008 in Peking den Vorlauf über 200 m Crawl dominierte, die in den Jahren zuvor zur umkämpften Königsdisziplin im internationalen Schwimmsport geworden waren, bleibt unvergessen. Ein Schweizer, nicht eben ein Hüne von Gestalt, gab unmissverständlich zu verstehen, dass auch mit ihm zu rechnen ist. Der Final wurde zum Highlight, das Michael Phelps gewann und Meichtry mitten in der Weltelite Rang 6 bescherte.

Gestern gab der Rorschacher, der seit 2005 in Kalifornien lebt, seinen Rücktritt bekannt, sieben Tage vor seinem 30. Geburtstag. Und Meichtry betonte, dass dieser Olympiafinal einer der grössten Momente in seiner langen Karriere gewesen sei, dass es daneben aber auch viele andere schöne und wichtige Augenblicke gegeben habe. «Meine Halbfinalqualifikation von 2004 an den Spielen in Athen bewirkte etwa, dass ich ein Stipendium der Universität von Berkeley angeboten bekam – was für mein weiteres Leben und meine Karriere entscheidend war.»

Hüftoperation als Hürde

Meichtry, Mitglied des in den vergangenen Jahren erfolgreichsten Schweizer Schwimmclubs von Uster-Wallisellen, gehörte zwölf Jahre dem Nationalkader an. Anfang der Nullerjahre löste er bei den Männern Remo Lütolf und Karel Novy als Leader und Vorbild ab. Zusammen mit Flavia Rigamonti, Yves Platel und Flori Lang führte er an internationalen Meisterschaften fortan die Schweizer Delegation an. Vor fünf Jahren wählten ihn die Kolleginnen und Kollegen erstmals zum Captain. Aus gutem Grund. Meichtry gehört zu jenen Menschen, die sich nie scheuen, Verantwortung zu übernehmen. So sah er es als seine Aufgabe an, den Jungen etwas von seiner immensen Erfahrung weiterzugeben.

Er hat sie vor allem im Ausland gesammelt, seine ersten Züge als Schwimmer machte er in Südafrika. Dass Meichtry den Durchbruch im Sport überhaupt schaffte, hat er dem unbändigen Willen und seinem positiven Denken zu verdanken. Als er sich 1999 nach einem Skiunfall an der Hüfte operieren lassen musste, beschieden ihm die Ärzte, dass es wohl vorbei sei mit Sport. Meichtry sah das anders, er interpretierte es als Herausforderung. Und gewann. Als dreifacher Olympia- und vielfacher WM- und EM-Teilnehmer hält er noch immer die nationalen Rekorde in fünf Disziplinen, über 30-mal wurde er Schweizer Meister.

An der letztjährigen WM in Barcelona verpasste Meichtry erstmals nach 10 Jahren an Grossanlässen den Halbfinal der besten 16. Er legte eine Pause ein, heiratete mit Jessica Hardy seine langjährige Freundin, ein Star im US-Team. «Danach kam die Frage auf, was ich eigentlich noch möchte im Leben», sagt er. Er habe in dieser Zeit gemerkt, dass es noch anderes als Sport gebe im Leben und dass es Zeit sei für Neues. Nach einem längeren Praktikum im Medizinalbereich hat Meichtry nun eine Festanstellung als Berater von Ärzten. Sein Fachgebiet: Hüftgelenksoperationen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2014, 23:13 Uhr

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