Wie Schweizer Sportler bei über 30 Grad trainieren

Von Nicola Spirig bis Dominique Aegerter: Sechs Athleten verraten, wie sie mit der Hitze umgehen.

Die heissen Temperaturen sorgen auch bei Sportlern für veränderte Trainingsbedinungen. Eine stete Erfrischung ist unerlässlich.

Die heissen Temperaturen sorgen auch bei Sportlern für veränderte Trainingsbedinungen. Eine stete Erfrischung ist unerlässlich. Bild: Regina Kuehne/Keystone

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Dominique Aegerter28, Töff-Pilot, Moto2

«Ich mag es lieber, wenn Temperaturen über 25 oder gar über 30 Grad herrschen. Dann kann ich im Freien trainieren: egal ob Schwimmen, Laufen, Velofahren, Motocross oder Supermoto. Zudem erweisen sich die hohen Temperaturen auf der Rennmaschine als Vorteil, dann halten die Reifen besser. Je heisser es ist, desto weniger ziehe ich an. Es gibt keinen Rennoverall für den Hochsommer oder für den Winter. Wenn es kälter ist, wende ich das Schichtenprinzip an oder trage Thermokleidung. Im Sommer schwitzt man mehr. Während eines Rennens ragt ein Trinkschlauch mit Wasser aus dem Rennoverall, der unter dem Helm verschwindet.» (als)

Beat Forster36, Eishockeyspieler EHC Biel

«Ich hatte vor acht Wochen eine ­Knieoperation, bin daher zurzeit noch etwas eingeschränkt und befinde mich im Aufbautraining. Dieses absolviere ich jeweils am Vormittag während drei bis vier Stunden. Das ist natürlich auch wegen der Hitze viel angenehmer, vormittags sind die Temperaturen ja noch nicht so gigantisch hoch. Umso mehr, da ich die meisten Trainingseinheiten ohnehin in der Eishalle bestreite – abgesehen vom Inline-Skating. Aber nachmittags, wenn ich mit dem Training fertig bin, gehe ich derzeit jeweils nur noch im Schatten. Und für einmal begebe ich mich sogar frei­willig ins Einkaufszentrum, weil es wenigstens dort schön kühl ist.» (mal)

Jeannine Gmelin29, Ruder-Weltmeisterin

«Ich bin es mir gewohnt, mich der Hitze auszusetzen. Meine Rennen finden in der Regel zwischen 12 und 15 Uhr statt. Angenehm ist das Training nicht, aber es hat auch seine gute Seiten. Die Hitze ist ein zusätzlicher Stressfaktor, quasi ein natürlicher Leistungssteigerer. Wenn ich ein, zwei Stunden auf dem Wasser bin, habe ich zwei Trinkflaschen à 0,75 Liter dabei. Vor einem Rennen verbringe ich möglichst viel Zeit im Schatten. Ist es wirklich heiss – so wie jetzt – dann steige ich nach dem ‹Cool-down› (Auslaufen resp. Ausrudern, Red.) in ein Eisbad, bis und mit Oberschenkel. Nach dem Training kann es je nach Gelegenheit auch ein kühles Gewässer, zum Beispiel ein Bach, sein.» (als)

Remo Käser22, Schwinger

«Ich mag es lieber warm, denn ich bin gut trainiert, dann mag man die Hitze auch etwas besser vertragen. Perfektes Wetter für mich sind 30 Grad. Wir Schwinger haben bei dieser Hitze einen Vorteil: Wir schuften zum einen im Kraftraum, wo es stets kühl ist. Zum anderen trainieren wir im Schwingkeller – auch da herrschen angenehme Temperaturen. Ab Donnerstag werde ich die Sonne meiden, weil ich am Sonntag wieder an einem Wettkampf teilnehme. Dort ist es dann wichtig, wenn man aufgerufen wird für den Gang, dass man möglichst lange in der Garderobe bleibt, sich im Schatten aufwärmt und nicht zu früh an die Sonne geht. Bevor es ernst wird, gehe ich an den Brunnen, um mich runterkühlen, das ist auch zwischen den Gängen wichtig.» (hua)

Marco Schönbächler29, Fussballer, FC Zürich

«In dieser Hitze zu trainieren, ist extrem anstrengend. Ich freue mich darum jeweils umso mehr auf die kalte Dusche nach dem Training. Wichtig ist vor allem, dass man genügend trinkt und gut isst. Während des Trainings sollte man immer wieder kurze Trinkpausen einlegen und seinen Körper mit Eis oder kaltem Wasser abkühlen. Ich nehme auch isotonische Getränke und Elektro­lyte als Nahrungsergänzungsmittel zu mir, um meinen Körper mit ausreichend essenziellen Substanzen zu versorgen. Der Rasen ist hart und griffig, darum klebe ich meine Zehen mit Tape ab, damit sich keine Blasen bilden.» (kvo)

Nicola Spirig37, Triathletin, Olympiasiegerin 2012

«Ich trainiere zurzeit in St. Moritz, da sind die Temperaturen jetzt ideal. Hier oben ist es ja normalerweise eher kühl, bei einer solchen Hitze, wie sie derzeit im Unterland herrscht, ist es auf 1800 Metern über Meer einfach wunderbar. Die Faustregel ist, wenn ich richtig ­liege, dass die Temperatur pro 100 Höhenmeter um ein Grad abnimmt. Das Training muss ich deshalb überhaupt nicht anpassen, weder vom Umfang noch von der Intensität her. Bei härteren Bahntrainings trinke ich einfach ein bisschen mehr als üblich, weil es natürlich auch hier oben einige Grade wärmer ist als gewöhnlich.» (mos)

(red)

Erstellt: 26.06.2019, 06:26 Uhr

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