«Wir brauchen 30 Millionen, sonst geht es abwärts»

Swiss-Olympic-­Präsident Jörg Schild fordert mehr Geld, um das Schweizer Erfolgsniveau zu halten. Neu ist das Modell, nach dem die Sportverbände gefördert werden.

Rosige Zukunft: Auch wegen Giulia Steingruber erhalten die Turner viel Geld. Foto: Keystone

Rosige Zukunft: Auch wegen Giulia Steingruber erhalten die Turner viel Geld. Foto: Keystone

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50 Jahre ist es her, aber die Schmach der medaillenlosen Olympischen Spiele von Innsbruck 1964 sitzt noch immer tief bei den Schweizer Sportführern. Das Wintersportland ohne Wintersportmedaille! Nie wieder soll sich dies wiederholen, nicht im Winter, aber auch nicht im Sommer. Nach der Präsentation des neuen Verbandsfördermodells sagte Jörg Schild, der Präsident von Swiss Olympic, gestern in Zürich: «Niemand soll in 20 Jahren kommen und sagen, wieso hat damals keiner gewarnt? Deshalb gehört es zu unseren Aufgaben, darauf hinzuweisen, dass wir mehr Geld benötigen, damit sich Innsbruck nicht wiederholt.»

Swiss Olympic, der Dachverband des Schweizer Sports, hat die nicht ganz einfache Aufgabe, seine 84 Mitgliedsverbände mit rund 20 000 Vereinen und Clubs einigermassen gerecht nach verschiedenen Kriterien zu alimentieren. Die beiden grössten, der Turn- und der Fussballverband, haben je 300 000 Mitglieder, die 30 grössten Verbände repräsentieren 90 Prozent der 1,6 Millionen Aktiven in der Schweiz. Gemäss Budget 2014 gelangen 22,3 Millionen Franken zur Verteilung, finanziert durch die Sport-Toto-Gesellschaft (15,3 Millionen) und das Bundesamt für Sport (7).

Neue Planungssicherheit

In der Vergangenheit richteten sich die Beiträge nach Verbandsgrösse, primär aber nach dem Erfolg ihrer Athleten an Olympischen Spielen, Welt- und ­Europameisterschaften. Diese retrospektive Beurteilung wurde nun ersetzt durch eine prospektive: Welches Potenzial hat ein Verband, haben seine Athleten, wie sehen die Strukturen, wie sieht die Förderung aus? Diese Strategie wurde 2013 verabschiedet. In der Folge wurde mit jedem der Sommersportverbände ein Dreijahresvertrag bis nach den Spielen in Rio Ende 2016 und mit den Wintersportverbänden ein Vierjahresvertrag bis Sommer 2018 nach Olympia in Südkorea abgeschlossen.

Die neuen Vereinbarungen erfordern eine Verbandsstrategie, einen Geschäftsbericht, ein Ethik- und ein Leistungssport-Förderkonzept. «Das neue System ist nachvollziehbar, fair und von den Verbänden breit abgestützt», erklärte Roger Schnegg, Direktor von Swiss Olympic. Auf Widerstände seien sie mit ihren Vorstellungen kaum gestossen. Das erstaunt nicht, denn die Beiträge werden neu über vier Jahre (im Übergang für die Sommersportarten für drei) gesprochen, was den Verbänden einige Planungssicherheit bietet. Und: Im ersten Zyklus gibt es keine Verlierer, alle Verbände erhalten mindestens so viel Geld wie bis anhin. Besonders stolz sind die Swiss-Olympic-Vertreter auf die Transparenz, die sie schafften: «Es ist schon fast historisch, dass die Beiträge auf unserer Website einsehbar sind», sagte Schnegg.

Grösserer Aufwand

Gewinner ist vorerst Swiss Ski, der Verband erhält jährlich rund 4,9 Millionen Franken und damit eine Million mehr als bis anhin. Die Leistungen setzen sich zusammen aus einem Basisbeitrag, einer Gesamtsumme gemäss Leistungsvereinbarung und einem Anteil, falls in den kommenden Jahren Titelkämpfe in der Schweiz stattfinden. In der zusätzlichen Million für die Skifahrer ist deshalb ein Betrag für die WM 2017 in St. Moritz enthalten, durch den Aufstieg der Langläufer und Freestyler im Sportarten­ranking in die höchste Kategorie fliesst ebenfalls mehr Geld. In ähnlicher Dimension bewegen sich Fussball- und Eishockeyverband, wobei diese direkte ­Zuwendungen der Sport-Toto-Gesellschaft in Millionenhöhe erhalten.

Gleichzeitig mit der Präsentation der neuen Wege forderte Schild jedoch wiederholt mehr Geld. «Die meisten Länder haben in den vergangenen Jahren ihre Investitionen in den Leistungssport massiv ausgebaut, tun wir das nicht auch, verlieren wir den Anschluss», sagte er. Welche Entwicklung stattgefunden hat, demonstrierte er am Beispiel des Sport-Toto-Beitrages, der seit 2008 praktisch gleich geblieben ist, «der Aufwand von Swiss Ski hat sich seither aber um rund 30 Prozent erhöht».

Zusätzliche 30 Millionen Franken seien künftig für günstige Rahmenbedingungen nötig, glaubt Schild, «sonst geht es abwärts». Treffen nicht schon in nächster Zukunft zusätzliche Gelder ein, trifft es in den kommenden Jahren gleich mehrere Verbände hart: Neben den Fechtern profitieren beispielsweise auch die Turner derzeit von Geldern, die hinsichtlich einer Heim-EM (Fechten 2015, Turnen 2016) gesprochen wurden. Ob die Leichtathleten nach der EM in Zürich den Schwung Richtung Rio mitnehmen können, scheint fraglich. Auch sie lebten von einem Bonus.

Erstellt: 18.09.2014, 06:55 Uhr

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