Woods gegen die Perückenträger

Ab Freitag kämpfen die besten Golfer aus Europa und den USA im walisischen Newport um den Ryder Cup. Tiger Woods und das Wetter sind die grössten Fragezeichen beim Traditionsanlass.

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Der Ryder Cup, bei dem Mann gegen Mann antritt, hat seit jeher seine eigenen Gesetze. Erst recht, wenn der Himmel seine Schleusen derart weit öffnet wie in diesem Jahr. Kampfgeist, Nervenstärke und psychologisches Geschick sind weit wichtiger als die Weltranglistenposition und die Meriten an Einzelturnieren. Tiger Woods und Phil Mickelson, die beiden erfolgreichsten Golfer der letzten 15 Jahre, weisen negative Ryder-Cup-Bilanzen auf. Woods hat neun Duelle gewonnen und 13 verloren, Mickelson zehn gewonnen und 14 verloren.

Die Amerikaner waren mit Woods und Mickelson im Team zwischen 1997 und 2006 immer favorisiert, zogen aber vier von fünf Mal als Verlierer von dannen, zweimal in Folge mit dem demütigenden Ergebnis von 9,5:18,5 Punkten. Vor zwei Jahren in Louisville war Woods wegen einer Knieverletzung erstmals in seiner Profikarriere nicht dabei. Auch deshalb traten die Europäer erstmals nicht als Underdogs an. Die Favoritenrolle behagte ihnen jedoch nicht, sie verloren 11,5:16,5.

Pavins Dilemma mit Woods

Woods hat seit 1997 24 von 25 möglichen Ryder-Cup-Partien bestritten. Welche Rolle er in dieser Woche spielen wird, ist jedoch völlig offen. In der vom Sex- und Eheskandal beeinträchtigten Saison war er nicht stark genug, um sich als einer der besten acht Amerikaner direkt ins US-Team zu spielen. Er war auf die Gnade von Teamcaptain Corey Pavin angewiesen, der ihm die nötige Wildcard dann auch gab. In jeder der vier Doppel-Sessions am Freitag und Samstag müssen jeweils vier Spieler pro Mannschaft zuschauen. Pavin sieht sich nun in einem Dilemma. Soll er den wankenden Superstar wie üblich von Beginn an forcieren und ihn Spielern vorziehen, die in diesem Jahr wesentlich besser abgeschnitten haben? Oder soll er ihm die Rolle eines Ersatzmanns und Jokers geben? Pavin will sich erst möglichst spät entscheiden.

Die Amerikaner treten mit fünf Neulingen an, zu denen auch der hochtalentierte 21-Jährige Rickie Fowler zählt. Nebst Woods und Mickelson bringt Jim Furyk mit bisher sechs Teilnahmen am meisten Erfahrung mit. Furyk ist in bestechender Form. Am vergangenen Wochenende krönte er sich mit dem Triumph an der Tour Championship zum einzigen Dreifach-Sieger der Saison auf der US PGA Tour.

Europa setzt auf sechs Neulinge

Sogar sechs Neulinge stehen im vom schottischen Captain Colin Montgomerie befehligten europäischen Team. Vier der Rookies – Martin Kaymer, Rory McIlroy, Francesco und Edoardo Molinari – sind zugleich die grössten Hoffnungsträger. Der 25-jährige Kaymer schaffte im August mit dem Sieg an der US PGA Championship als zweiter deutscher Major-Sieger der Geschichte nach Bernhard Langer den Durchbruch. Kaymers Potenzial ist riesig, ebenso wie das des noch vier Jahre jüngeren Rory McIlroy. McIlroy könnte mit Graeme McDowell, dem Sieger des US Open, ein schlagkräftiges nordirisches Doppel bilden. Die Molinaris aus Turin sind das erste Brüderpaar im Ryder Cup; sie haben sich in wenigen Jahren zu Europas (mit-)dominierenden Golfern entwickelt.

Lee Westwood (7. Teilnahme), Padraig Harrington (6.) und Crans-Montana-Sieger Miguel Angel Jimenez (4.) bringen am meisten Erfahrung mit. Europas Team hat aber einen Umbruch hinter sich. Die ehemaligen Ryder-Cup-Haudegen Sergio Garcia, Darren Clarke, Thomas Björn und Paul McGinley machen sich in dieser Woche als Montgomeries Assistenten und Vizecaptains nützlich.

Das schwierigste Rough, das ich jemals gesehen habe

Der 6820 Meter lange Kurs im Resort Celtic Manor ist der erste Platz, der eigens für den Ryder Cup gebaut wurde – mit viel Raum für die Zuschauer. Spektakel ist garantiert. Die Hälfte der Spielbahnen wird durch natürliche Wasserhindernisse erschwert. Die grössten Schwierigkeiten dürfte aber das Rough bieten, das hohe und dicke Gras entlang der Fairways. «Es ist das schwierigste Rough, das ich jemals gesehen habe», sagte Furyk nach dem ersten Augenschein.

Der alle zwei Jahre stattfindende Kontinentalwettkampf, 1927 vom englischen Samenhändler Samuel Ryder gegründet, hat sich zum grössten Sportanlass nach Olympischen Spielen, Fussball-WM und -EM entwickelt. Die Wahl der Austragungsorte ist ein Politikum. Bis 2020 ist alles schon vergeben und geplant, mit Ausnahme von 2018. Deutschland unternimmt alle möglichen Anstrengungen, um dann auf dem Golfplatz in Neuburg an der Donau erstmals Gastgeber zu sein. Das europäische Ryder-Cup-Komitee wird nächsten April über die diversen Bewerbungen entscheiden. (si)

Erstellt: 29.09.2010, 15:35 Uhr

16 Doppel und 12 Einzel

Alle 28 Partien an den drei Ryder-Cup-Tagen werden als Matchplay über eine Runde (Mann gegen Mann beziehungsweise Zweierteam gegen Zweierteam) ausgetragen. Für einen Sieg gibt es einen Punkt, für ein Unentschieden einen halben.

Am Freitag und am Samstag finden vormittags und nachmittags jeweils vier Fourball- respektive Foursome-Doppel statt. Im Fourball spielen beide Golfer im Zweierteam ihren eigenen Ball; das bessere Score pro Loch zählt. Im Foursome schlagen die Spieler im Zweierteam abwechslungsweise den gleichen Ball. Insgesamt werden demnach 16 Doppel ausgetragen. Am Sonntag schliessen 12 Einzel den Wettkampf ab.

Gewertet werden jeweils die gewonnenen beziehungsweise verlorenen Löcher. Eine Runde ist beendet, sobald der Gegner auf den verbleibenden Löchern nicht mehr aufholen kann. Die Schlusswertung einer Partie lautet dann beispielsweise 3&2: drei Löcher Vorsprung bei noch zwei zu spielenden Löchern.

In jedem Team entscheidet der Captain, welche acht Spieler er jeweils in den Doppeln einsetzt und welche vier pausieren müssen.

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