Alle jagen die Warriors

Zum NBA-Auftakt fordert Clint Capela die Titelverteidiger, in Oklahoma City entsteht ein neues Superteam und LeBron James kriegt einen alten Freund zurück.

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Wenn sie in der Nacht auf morgen ihre Titelverteidigung gegen die Houston Rockets und den Schweizer Clint Capela beginnen, werden die Golden State Warriors einmal mehr die Gejagten sein. Im letzten Playoff traten sie nahezu makellos auf und sicherten sich mit 16:1 Siegen den zweiten Titel in drei Jahren. Doch die Konkurrenz ist stärker denn je.

Der übermächtige Titelverteidiger

Der Beste verzichtet auf Geld

Coach Steve Kerr sagte kürzlich, was ­keines der anderen 29 Teams hören wollte. Sie hätten das beste Kader, welches die Warriors je hatten. Er hat nicht unrecht. Es gelang ihnen, alle Spieler der Vorsaison zu halten. Kevin Durant verzichtete sogar auf 11 Millionen Dollar und unterschrieb einen Zweijahresvertrag für «nur» 25 Millionen pro Jahr. Auch dank seinem Verzicht konnte das Team aus Oakland Stephen Curry einen neuen Mega-Vertrag offerieren, der ihm über die nächsten fünf Jahre 201 Millionen einbringt.

Dass ausgerechnet Durant auf Geld verzichtet, ist bemerkenswert. Der 29-Jährige war letzte Saison der wichtigste Akteur der Warriors und wurde im Playoff-Final zum wertvollsten Spieler ausgezeichnet. Der Superstar sagt, für ihn zählen nur Titel. «Ich wollte, dass die Mannschaft zusammenbleibt. Und am Schluss ist es mein Geld, ich ­mache damit, was ich will.»

Das nächste Superteam

Drei Stars – jetzt in Oklahoma

Die Oklahoma City Thunder haben sich durch namhafte Zuzüge im Sommer zu den ersten Herausforderern der Warriors in der Western Conference gemacht. ­Zuerst verpflichteten sie Paul George von den Indiana Pacers. Der viermalige AllStar ist einer der besten Spieler auf seiner Flügelposition und erzielte letzte Saison im Schnitt 23,7 Punkte pro Partie. Dass der 27-Jährige wieder so erfolgreich spielt, hatte kaum jemand erwartet. 2014 hatte er in einem Testspiel der US-Nationalmannschaft das Bein gebrochen und war acht Monate ausgefallen. Doch George kehrte stärker von seiner Ver­letzung zurück und führte die Pacers ins Playoff.

Wenig später holte Oklahoma City auch den dreimaligen Olympia Goldmedaillengewinner Carmelo Anthony, der bei den New York Knicks keine Zukunft sah. Auch er soll Russell Westbrook, den Star des Teams, unterstützen. Westbrook unterschrieb einen neuen Fünfjahresvertrag für 205 Millionen Dollar – das macht ihn zum bestbezahlten Spieler der NBA-Geschichte.

Die Schweizer in Lauerstellung

Noch mehr Dunks für Capela

Clint Capela startet gegen Golden State in die dritte NBA-Saison. Es wird ein erster Gradmesser für seine Houston Rockets, um zu sehen, wie gut sich das neue Team gegen den Titelverteidiger schlägt. Von den Los Angeles Clippers verpflichteten sie Chris Paul. Der Spielmacher soll James Harden, ihrem bärtigen Anführer, helfen, den ersten Titel seit 1995 zu holen.

Das Duo Harden/Paul ist auch für den Genfer Capela eine Chance, seinen Punkteschnitt von 12,6 von letzter Saison zu verbessern. Schon bei seinem letzten Team war Paul dafür bekannt, seine Center mit Pässen direkt neben den Korb spektakulär in Szene zu setzen. Er ist einer der besten Assist-Geber der NBA und wird dem 2,07-m-Riesen viele ein­fache Körbe ermöglichen. Capela wird auch in dieser Saison in der Startaufstellung stehen und als gefürchteter Blocker nicht nur in der Offensive eine wichtige Rolle übernehmen. Der 23-Jährige befindet sich im zweitletzten Jahr seines ­Rookievertrags – gut möglich, dass er sich mit starken Auftritten schon in diesem Jahr für einen besseren Kontrakt empfiehlt.

Der andere Schweizer in der NBA, Thabo Sefolosha, startet in seine 13. Saison – mit den Utah Jazz. Und er wird in Salt Lake City schon vor dem ersten Spiel von den Fans gefeiert. Erst kürzlich wurde bekannt, dass er im Sommer eine Frau aus einem Fluss zog und ihr so das Leben rettete. Sie war beim River Rafting aus dem Boot gefallen und von der Strömung mitgerissen worden. Will Sefolosha diese Saison auch auf dem Platz Akzente setzen, muss sich der Defensivspezialist vermehrt in die Offensive einbringen. Bei den Atlanta Hawks liess ihn Coach Mike Budenholzer im letztjährigen Playoff nur gerade einmal acht Minuten spielen. Deshalb unterschrieb der 33-Jährige für 2 Jahre und 10,5 Millionen Dollar in Utah – die Mannschaft befindet sich im Umbruch, nachdem sie ihren ­Topskorer Gordon Hayward an Boston abgegeben haben.

Die Rückkehr zum König

Wade und James wieder vereint

Um gegen die scheinbar übermächtigen Warriors zu bestehen, suchte auch LeBron James in Cleveland Verstärkung. Als Dwyane Wades Vertrag bei den Chicago Bulls aufgelöst wurde, zögerte «King James» nicht lange und holte Wade nach Cleveland. Damit kommt es in Ohio zur Wiedervereinigung der beiden Superstars. Wade war es, der LeBron James 2010 nach Miami lotste, um bei den Heat die erste Supermannschaft der NBA zu bilden. Während der nächsten vier Jahre gewannen sie zwei Titel und wurden auch neben dem Court gute Freunde.

Wade ist mittlerweile 35, doch trotz seines Alters erzielte er letzte Saison immer noch rund 20 Punkte pro Spiel. Er hat in seiner Karriere alles erreicht, was man sich als NBA-Spieler wünschen kann: drei Titel, zwölfmaliger All-Star und Olympia-Gold in Peking. Doch anstatt dem bestmöglichen Vertrag nachzurennen, unterschrieb er für 2,3 Millionen Dollar, um gemeinsam mit James nochmals Jagd auf einen Titel zu machen.

Der neue Shooting-Star

Bryants grosse Fussstapfen

Als die Los Angeles Lakers Lonzo Ball beim Draft als Nummer 2 zogen, waren die Erwartungen an ihn bereits riesig. Zum einen behauptet sein Vater LaVar, Lonzo sei schon jetzt besser als Warriors-Spielmacher Stephen Curry. Zum anderen wartet der 16-fache Meister seit 2010 auf einen Titel. Mit Magic Johnson, dem Lakers-Star der 80er-Jahre, der im Februar zum Präsidenten ernannt wurde, soll alles besser werden. Das Team aus Los Angeles war eines der schlechtesten der Liga und beendete die Saison mit nur 26 Siegen. Mit Ball und weiteren jungen und talentierten Spielern sollen die Lakers zurück ins Playoff.

Von Ball wird erwartet, dass er in die Fussstapfen von Kobe Bryant tritt und der Leader wird. Die Lakers-Legende selbst sorgt momentan abseits des Courts für Schlagzeilen. Er äusserte sich erst kürzlich zur Polemik um den Protest während der amerikanischen Nationalhymne. Der 39-Jährige sagte, er würde sich während der Hymne hinknien, wenn er noch spielen würde.

Zu kontroversen Szenen wie im American Football dürfte es im Basketball nicht kommen. Die NBA verfolgt eine klare Linie, und die Liga verpflichtet alle Spieler, während der Hymne zu stehen. Auch Aushängeschild Curry sagt: «Solche Proteste wären kontraproduktiv.» Was passiert, falls sich doch ein Athlet hinkniet, ist noch nicht bekannt.

Erstellt: 17.10.2017, 20:22 Uhr

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