Alphörner, Ehrensalven und Ballone

Den Besucher des Eidgenössischen erwartet grosse Festseligkeit – und eine gefährliche Hitze. Verschaffen Sie sich mit unserer interaktiven Grafik einen Überblick.


Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest vereint schon am Tag vor dem Start treffliche Komponenten, um dem Besucher den Atem zu nehmen. Es ist heiss, das Gelände gross und voll von schwitzenden Menschen. So sorgen strahlender Sonnenschein und 32 Grad für unübersehbare Körperreaktionen, Kleider kleben. Schattige Plätze auf einem Flugplatz zu finden, ist zudem eine Sache für sich. Selbst Festzelte verkommen zu Brutöfen, und die angebrachten Düsen, die Wasser in die Luft sprühen, kühlen nur in homöopathischen Dosen.

Das riesige Festgelände: Es lockt mit Public Viewing auf Grossleinwand, einer grossen Konzertbühne, zahlreichen Verpflegungs- und Souvenirständen sowie den Tempeln der Sach- und Lebendpreise. Die vielen kleinen Festhütten erinnern eher an ein kleines Dorf als an ein Schwingfest. Aus den sechs Festzelten dröhnt Musik, überall ist Festseligkeit. Angesichts des Promillewerts eines Grossteils der Anwesenden sind die Blutspendestände bestenfalls gut gemeint.

Die Party lockt

Knapp 250 000 Besucher werden übers Wochenende erwartet, die Arena de la Broye fasst 52 000 Zuschauer. «Ich bin vor allem wegen des Ambiente und der Party hier», sagt die 23-jährige Melanie, während sich der 51-jährige Heinz auf spannende Duelle im Sägemehl freut: «Ich glaube, Christian Stucki wird der neue König.»

Dann füllt sich die Arena ein erstes Mal – die Eröffnungsfeier. Eine in die Jahre gekommene Ehrengarde jagt eine Ehrensalve in die Luft, Kinder lassen Ballone steigen. Das Schauspiel zeigt: Ehrbekundungen sind immer auch eine Frage des Alters. Musikanten müssen sich in Uniform samt Hut durch die Hitze spielen. Isabelle Emmenegger, die Direktorin des Festes, lässt sich in einer Kutsche durch die Arena führen, eskortiert von 30 Pferden. Ein Theater in französischer Sprache sorgt dafür, dass sich irritierte Deutschschweizer abwenden, doch als die Freiburgerhymne erklingt und Kühe durch das Rund laufen, ist sie wieder da, die Festseligkeit.

Lieber Schwingen als Fussball

Rund um die Arena liegen sich Menschen in den Armen und singen. Vor dem Gabentempel lärmt ein Treichelkonzert. Einen Steinwurf davon entfernt zeigt der Verpflegungsstand den Wandel des Eidgenössischen. Er serviert den Gästen Churros, während schnulzenhafte Bachata-Musik aus den Lautsprechern rieselt. Ein Detail, das Heinz als erfahrenen Besucher von Eidgenössischen nicht weiter stört. Wie auch der grosse Effort von SRF: «Ist doch ganz okay, wenn auch dem Schwingen etwas Beachtung geschenkt wird, statt immer nur diesem leidigen Fussball.»

Erstellt: 27.08.2016, 06:52 Uhr

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