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Cancellara: Ruhe bewahrt statt aufgeschrien

Fabian Cancellara hat die Medien- berichte genau verfolgt und sieht sogar Positives im Dopinggerücht. Zum Thema Doping sagt er: «Ich klettere nicht aufs Matterhorn, um mich dann hinunterzustürzen.»

Er hat in Peking Gold und Bronze gewonnen, er war Sieger von Mailand-Sanremo, Zweiter bei Paris-Roubaix, und wenn der gedopte Stefan Schumacher aus den Ranglisten der Tour de France gestrichen wird, darf er sich nachträglich auch noch als Sieger des zweiten Zeitfahrens der von seinem Teamkollegen Carlos Sastre gewonnenen Rundfahrt feiern lassen. Das sind viele Gründe, um zum Abschluss einer erfolgreichen Saison mit den Medien, denen er so viel bot, lustvoll Bilanz zu ziehen.

Doch all die Erfolge waren nur am Rand ein Thema, als sich Fabian Cancellara gestern Morgen im Haus seiner Managementfirma IMG (die auch die Tour de Suisse veranstaltet) mit den Medien traf. Im Mittelpunkt stand ein Ereignis der etwas anderen Art. Ein zwei Wochen dauerndes «Etappenrennen», wie er es nannte, «mit vielen Aufstiegen und Abfahrten», bei dem er wider Willen und ohne Verschulden zum wichtigsten Teilnehmer wurde. Das ihn stresste und wütend machte, obwohl er stets gewusst habe, «dass ich am Schluss als Sieger hervorgehen würde».

Eine Meldung, die zum Sturm wurde

Es begann mit einem Gerücht, das von der belgischen Tageszeitung «Le Soir» verbreitet wurde. Cancellara, so wurde dort behauptet, gehöre wie seine Teamkollegen Carlos Sastre, Stuart O'Grady und Fränk Schleck zu den Fahrern, deren Blut noch einmal nach Spuren des Dopingmittels Cera untersucht würde. Diese Namen stünden auf einer Liste verdächtiger Fahrer.

Daraus, so stellt Cancellara fest, «wurde ein Tsunami oder zumindest ein Lothar». Er habe in Zeitungen und im Internet den Sturm genau verfolgt und gestaunt, wo und wie darüber berichtet wurde. Wie sich das Gerücht bis nach Australien verbreitet habe, wo O'Grady mit einer Woche Verzögerung erfasst worden sei.

Aus dem Gerücht wurde sehr schnell ein Verdacht. Und was das im Radsport bedeutet, musste Cancellara aus zahlreichen Reaktionen erfahren. Für eine Mehrheit war es ein Schuldspruch. Als Mensch, der seine Emotionen auslebt, hätte er gerne aufgeschrien, sich gegen das Unrecht gewehrt. Doch auf Anraten seiner Familie und von Manager Rolf Huser hielt er sich zurück. Er begnügte sich mit einer schriftlichen Erklärung, dass er zu hundert Prozent nichts mit dieser Affäre zu tun habe. Und verwies auf eine Medienrunde, zu der er nach seinen Ferien einladen werde. Gestern war es so weit.

Weil sich das Gerücht mit dem Abschluss der Kontrollen in den Labors von Châtenay-Malabry und Lausanne verflüchtigt hat, musste sich Cancellara nicht mehr verteidigen. Er konnte das tun, was er am liebsten tut: positiv denken. Er habe viel gelernt in diesen Wochen, sagt er, er wisse jetzt, wer seine wahren Freunde und wer die wahren Fans sind. Und vor allem habe er gelernt, die Ruhe zu bewahren. «Das wird mich auch in den richtigen Rennen weiterbringen.»

Er benützte die Plattform im engen, überfüllten Raum, um allen seine Einstellung zum Thema Doping in Erinnerung zu rufen. «Ich will das Wahre», sagt er, «das habe ich von Mama und Papa gelernt, als ich klein war, und daran werde ich mich immer halten.» Oder: «Ich will doch nicht alles kaputt machen, was ich erreicht habe. Ich klettere doch nicht aufs Matterhorn, um mich dann hinunterzustürzen. Ich habe Verantwortung gegenüber meiner Familie, meinen Fans, meiner Mannschaft und dem ganzen Radsport.» Er könne nicht begreifen, dass heute noch einer zu Dopingmitteln greife. «Wir werden so oft kontrolliert, dass sich alles nachweisen lässt. Wenn man weiss, dass alle Proben eingefroren werden und während acht Jahren aufbewahrt bleiben, kann man doch gar nichts mehr nehmen.»

Der Beweis, «dass es funktioniert»

Für Cancellara sind die positiven Proben der Tour der Beweis dafür, «dass es funktioniert». Und dass der Radsport auf dem Weg ist, seine wahren Werte zu zeigen: Emotionen, Leiden, Passion. Die will er mit den Leuten, die ihn als Fans begleiten, teilen. Zwei Rendezvous stellt er für 2009 in den Mittelpunkt: die Flandern-Rundfahrt und die Strassen-WM in Mendrisio.

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