Capela will Kids träumen lassen

Der Schweizer NBA-Spieler wird erstmals seit 2014 wieder für das Nationalteam spielen und folgt den Spuren seines grossen Vorbilds LeBron James.

Von der Sozialhilfe in die NBA: Clint Capela unterstützt Jugendliche, die in ähnlichen Verhältnissen leben wie er einst selbst. Foto: Isabella (USA Today)

Von der Sozialhilfe in die NBA: Clint Capela unterstützt Jugendliche, die in ähnlichen Verhältnissen leben wie er einst selbst. Foto: Isabella (USA Today)

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Mit einer in Gold feingerahmten Brille erscheint Clint Capela in Meyrin zur Medienkonferenz. Der 2,08 Meter grosse Genfer hat gerufen, um über sein Basketballcamp zu sprechen, über das Capela Geneva Game am Samstag, für das er ehemalige Clubkameraden aus seiner Zeit in Frankreich eingeladen hat, und über sein Comeback mit der Schweizer Nationalmannschaft.

Was hat ihn motiviert, ein Basketball-Camp für Kids zu organisieren und wieder für die Schweiz zu spielen? «LeBron James», antwortet Capela. «Er hat in seiner Heimatstadt eine Schule gegründet, er bietet seit Jahren den Kids ein Basketballcamp und er spielte einst auch für das Team USA. Mich beeindruckt, was er alles abseits des Spielfeldes für den Basketball und für das soziale Umfeld tut, aus dem er stammt.»

Dort, wo alles begann

Den Superstar der NBA hatte Clint einst als Bub bewundert, jetzt spielt er selbst gegen ihn. Und ­Capela gehört bei den Houston Rockets zu einem Team, das mit James Harden selbst einen Ausnahmekönner hat und nun mit Russell Westbrook von ­Oklahoma City Thunder einen weiteren dazu bekommen hat.

80 vom Basketball begeisterte Kids zwischen 13 und 18 Jahren sind zurzeit in Capelas Camp dabei. «Ich bin begeistert von ihrem Enthusiasmus, ihrem Einsatzwillen und ihrer Bereitschaft, hart zu arbeiten», schwärmt der 25-jährige Center.

Und das am selben Ort, wo er einst begonnen hat zu spielen und zu träumen. «Wenn ich höre und erlebe, was alles durch die Köpfe der Kids geht, welche Gedanken sie haben, welche Träume, kommt mir meine Jugend hier in den Sinn», lacht Capela.

«Ich will dem Basketball etwas zurückgeben.»Clint Capela

Und das ist noch nicht einmal so lange her. Das Leben von Clint Capela, der als lang aufgeschossener, scheuer Junge in einer ­Familie aufwuchs, die zeitweise Sozialhilfe in Anspruch nehmen musste, bis zum Basketballstar mit Multimillionenvertrag ist in den letzten Jahren in vielen ­Facetten beschrieben worden.

Nun sagt Capela: «Ich will dem Basketball etwas zurückgeben. Ich will dazu beitragen, dass hier in Genf die Jungen von der NBA träumen und dass es in Zukunft weitere geben wird, die den Sprung schaffen.»

Capela steht, sofern er gesund bleibt, noch nicht einmal in der Mitte seiner Basketballkarriere. Ihm stehen in der NBA noch ­viele Möglichkeiten offen. Auch wenn er weiss, dass das Business unberechenbar ist.

Kids prüfen Capela

Nach dem Playoff-Aus gegen das durch Verletzungen geschwächte ­Golden State geriet auch er in die Kritik, und es gab Medienberichte über einen allfälligen Trade. Aber noch ist er bei den Rockets, und seinen hoch dotierten Vertrag kann ihm ohnehin niemand nehmen. Ist er sich nun sicher, dass er bei Houston bleiben kann? ­«Sicher kann man nie sein, so läuft dieses Geschäft», sagt er.

Video: Die Grossverdiener der Schweizer Teamsportler

Von Clint Capela über Xherdan Shaqiri bis zu Roman Josi. (Video: Wibbitz/Tamedia)

Die Kids im Camp kümmert das nicht. Sie wollten wissen, ob er tatsächlich ein guter Kumpel von Teamkollege James Harden sei. Er solle ihn anrufen. Er habe also sein Handy genommen, erzählt Capela, und Harden angerufen. Aber dieser habe nicht geantwortet. Erst später, als die Kids schon nicht mehr anwesend waren, sei der Rückruf von Harden gekommen, lacht Capela.

Zurück in der Nationalmannschaft

Als bezeichnend für das schnelllebige Geschäft sieht er den Umstand, dass Harden und er bereits die dienstältesten Spieler im Team sind. «Harden kam 2012 zu den ­Rockets, ich 2014. Wir kennen uns gut. Das ist logisch. Wir ­haben schon viel Zeit miteinander verbracht.»

Und jetzt spielt Capela wieder für die Schweiz. In der Vorqualifikation für die EM 2021, die in Italien und Deutschland stattfinden wird, trifft die Schweiz im August innert 18 Tagen zweimal auf Portugal und Island. «Ich bin sehr stolz, für die Schweiz zu spielen», sagt Capela, «und freue mich sehr darauf.»

Das letzte Spiel mit der Schweiz bestritt ­Capela am 10. August 2014, beim sensationellen 79:77-Sieg gegen Russland. Danach sei es ihm mit dem Rookie-Vertrag vor allem darum gegangen, sich in der NBA durchzusetzen. Es gebe viele Spieler, die nach drei Jahren keinen neuen NBA-Vertrag erhielten. In dieser Zeit habe er um seinen Platz bei den Rockets kämpfen müssen. Er habe sich nicht leisten können, für das Nationalteam zu spielen.

Das Hoffen auf Sefolosha

Capela hofft, dass auch Thabo Sefolosha noch zum Nationalteam stossen wird. Der 35-jährige Waadtländer ist zurzeit mit seinem Camp in Blonay beschäftigt und ohne Vertrag, da der auslaufende bei Utah Jazz nicht verlängert wird. «Die Ankündigung, dass Clint für die Schweiz spielt, ist durchaus eine Motivation, auch mitzumachen», sagt Sefolosha in Blonay. «Aber bevor ich weiss, wo ich nächste Saison spiele, geht das nicht.» Es habe nach Saisonende Gespräche gegeben, so mit den LA Lakers. Aber das sei bereits eine Weile her und zurzeit alles offen.

Die Nationalmannschaft befindet sich noch bis heute im Trainingslager in Bormio. Danach geht es nach Zypern zu zwei Testspielen. Clint Capela wird um den 26. Juli zum Team stossen. Bis dann müsste sich auch Sefolosha entschieden haben. Die Schweiz testet dann noch zweimal in Trient.

Für Capela bleibt also nur eine kurze Zeit für das Einüben der Spielzüge. «Das ist kein Problem», sagt er, «mittlerweile bin ich routiniert genug und kann mich schnell in ein Team einfügen.» Das erste EM-Qualifikationsspiel gegen Portugal findet dann am 3. August in Fribourg gegen Portugal statt. Und für ­Nationalcoach Gianluca Barilari und Swiss Basketball bleibt noch ein bisschen die Hoffnung, dass die Schweiz erstmals mit beiden NBA-Spielern zu sehen ist.

Erstellt: 19.07.2019, 11:01 Uhr

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