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Coronavirus hält Hobbysportler nicht vom Training ab

Der grösste Bewerber im Zürcher Fitnessmarkt spürt noch keinen Kundenrückgang. Erste Massnahmen wurden dennoch ergriffen.

Ein letztes Stück Normalität in dieser verrückten Zeit: Der Gang ins Fitnessstudio. (Bild: Keystone)
Ein letztes Stück Normalität in dieser verrückten Zeit: Der Gang ins Fitnessstudio. (Bild: Keystone)

Ihre Körper wollen Herr und Frau Zürcher auch in Zeiten von Covid-19 stählen. Dieser Schluss lässt eine Umfrage unter einigen Fitness-Anbietern der Stadt am Donnerstag zu. Die Erwähnung des Wochentages ist von Bedeutung, wurden doch am selben Tag im Tessin neben vielen öffentlichen Institutionen auch alle Fitnesscenter geschlossen.

So weit ist man in Zürich noch nicht, bei weitem nicht. Am deutlichsten wird dies auf Nachfrage bei der Migros-Genossenschaft Zürich. Diese teilt mit, dass in diesen Tagen bei ihren Studios kein ungewohnter Rückgang der Eintrittszahlen festgestellt wurde. Das heisst etwas: Die Migros Zürich betreibt neben ihren Fitnessparks (27’000 Mitglieder an acht Standorten) auch die Activ-Fitness-Studios (schweizweit 140’000 Mitglieder) und ist damit in Zürich der klare Platzhirsch.

«Wir kriegen von den Kunden eher zu hören, dass sie froh seien, dieses Stückchen Alltag noch zu haben», sagt Gabriela Ursprung von der Migros. Derweil spielt der Konzern im Hintergrund verschiedene Szenarien durch. Dazu sagt Ursprung: «Wir hoffen, dass es nicht zu Schliessungen kommt.»

«Wir sind etwas überrascht»

Auch die Schwimmer der Stadt geben sich bislang vom Coronavirus unbeeindruckt. Jedenfalls sind laut Manuela Schläpfer vom Sportamt die Gästezahlen in den Hallenbädern vergleichbar mit jenen im Vorjahr.

Die grössten Yogastudios der Stadt liessen Anfragen unbeantwortet. Bei einem dieser Anbieter lässt das Online-Buchungstool aber nicht auf einen deutlichen Kundenrückgang schliessen, wurden am Donnerstag doch mehrere Lektionen als ausgebucht geführt. So sieht es auch bei Opencycle aus, dem Anbieter von Indoor-Velotrainings. Die Einheiten am Freitagabend und Samstagmorgen sind ausgebucht. Opencycle meldet in einem Mail an seine Kunden, man habe das Team angehalten, auf Abklatschen, Umarmungen und generell physischen Kontakt zu verzichten.

Bei Balboa Move, einen der trendigsten Fitnessanbieter, hat der Coronavirus bislang kaum Einfluss auf die Besucherzahlen. «Wir sind etwas überrascht. Weil ja doch eine Verunsicherung in der Bevölkerung da ist. Es sind höchstens fünf bis zehn Prozent weniger», sagt Balboa-Gründer Erich Züger. Er fügt aber an, mit Blick auf die generelle Gym-Schliessung im Tessin: «Vielleicht kommt das noch.»

Innovative Lösungen sind gefragt

Entsprechend weit denken er und sein Team voraus, gerade für den Sonderfall einer generellen Schliessung. «Das ist dann paradox: Man will sich gesund halten, zugleich wird einem die Möglichkeit genommen. In so einem Fall werden wir versuchen, den Leuten die Möglichkeit zu geben, weiter zu trainieren, mit innovativen Lösungen.»

Es gibt sie aber sehr wohl, die Fitness-Anbieter, die den Respekt Virus bereits spüren. «Der März, ein sonst starker Monat, hat sich jetzt als schwächer entpuppt. Gemäss unseren Check-In-Zahlen haben wir mindestens 20 Prozent weniger Leute», sagt Lorenz Stäheli, der Club Manager von Indigo Fitness. Finanziell trifft das sein Gym nicht unmittelbar, da die Kunden Jahresabonnements besitzen. «Prüfen müssten wir das aber neu, wenn wir mehrere Monate schliessen müssten.» Den deutlichen Rückgang erklärt er sich vor allem mit den vielen Kunden, die in Grossfirmen tätig sind, jetzt Zuhause arbeiten und darum gar nicht mehr in die Stadt kommen.

Kein Judo, kein Tango

Am weitesten gegangen in seinen Massnahmen ist bisher ein halböffentlicher Fitnessanbieter, der akademische Sportverband Zürich, bei dem die Mehrheit aller Studenten trainiert. Nirgendwo sind ähnlich ausführliche Richtlinien zu finden wie auf der Website des ASVZ. So wurden in den Gruppenlektionen die Teilnehmerzahlen so weit verringert, dass alle Sportler mindestens sechs Quadratmeter zur Verfügung haben. Eine Spinninglektion wird beispielsweise mit nur 15 statt wie üblich 40 Bikes durchgeführt.

Die Dreifachturnhalle auf der Polyterrasse darf nur von 150 Personen gleichzeitig benutzt werden – bislang gab es da keine Beschränkung. Und Kontaktsportarten von Judo bis Tango wurden ganz eingestellt. Insgesamt gingen die Besucherzahlen um rund einen Drittel zurück, teilt Silvana Ulber vom ASVZ mit.

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