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Dabeisein ist fast alles

Weltmeisterschaften werden für Schweizer Leichtathleten zu gross. Swiss Athletics trägt dazu bei.

Christian Brüngger

Die Leichtathletikwelt dreht sich immer schneller, und die Schweizer können kaum mehr folgen. Wie schon an den vorangegangenen beiden Weltmeisterschaften vermochte sich auch in Moskau niemand des 18-köpfigen Teams für einen Final zu qualifizieren. 58 Ländern gelang ein Top-8-Rang. Darunter sind viele Nationen, die weitaus weniger Einwohner als die Schweiz aufweisen: Djibouti, Norwegen, Irland oder Grenada. Swiss Athletics hingegen muss sich mit einem 13. Platz von Siebenkämpferin Ellen Sprunger als bestem Einzelergebnis begnügen.

Das ist dürftig und entspricht nicht einmal den Verbandszielen, welche ohnehin bescheiden waren. Im Rückblick aber klingen sie schon fast horrend hoch. «Die WM-Qualifikation darf nicht der Höhepunkt sein», sagte Präsident Hansruedi Müller im Vorfeld. Peter Haas, der Leistungssportchef, erklärte: «Die WM ist kein Erfahrungstummelfeld.» Und gemeinsam waren sie überzeugt: «Moskau soll nicht ein Zwischenschritt hin zur EM 2014 sein.»

An diesen Worten gemessen, ist das Team gescheitert - von Ausnahmen wie Linda Züblin (7-Kampf) oder den Polli-Schwestern (Gehen) abgesehen, gar deutlich. Darum war die starke Vorstellung der Frauenstaffel über 4x100 m gestern am letzten WM-Tag nur mehr Kosmetik. In 43,21 Sekunden verbesserten Mujinga Kambundji, Marisa Lavanchy, Ellen und Lea Sprunger den Schweizer Rekord um fast 3 Zehntelsekunden. Dabei war das Quartett in dieser Formation erst einmal gelaufen. Zu mehr als dem 12. Rang aber reichte auch diese erfreuliche Leistungssteigerung zum Saisonhöhepunkt hin nicht. Weltmeisterschaften sind eine zu grosse Bühne für Schweizer Athleten geworden.

Minimale Anforderungen

Swiss Athletics trägt dazu bei, indem der Verband zweifelhafte Anreize setzt. Um an der Heim-EM vom nächsten Jahr mit einem möglichst breiten Kader antreten zu können, hat er 2009 ein Förderprojekt initiiert. Swiss Starters heisst es und soll in fast allen Disziplinen zu EM-Startern führen. Als Motivationshilfe für die Athleten, für eine bestimmte Zeit den Sport in den Lebensmittelpunkt zu rücken, verlangte Swiss Athletics in der Folge für die Grossanlässe oft nur Minimalvorgaben. Daran ist im Prinzip nichts auszusetzen. Es muss das Recht eines jeden Athleten sein, schon in der Qualifikation für einen solchen Anlass sein Ziel zu sehen. Zumal vor allem die Vorgaben an Welttitelkämpfen stetig strenger werden.

Doch aus einer soliden Breite, wie sie zurzeit vorhanden ist, generiert sich noch keine Klasse. Es wird in einzelnen Disziplinen gar eine Bescheidenheit gefördert, welche mit Spitzensport kaum mehr Berührungspunkte besitzt. Marathonläufer Michael Ott sprach an dieser WM nach seinen 2:26 Stunden von einer soliden Leistung. Dass er damit im Frauenrennen nicht einmal Gold oder Silber gewonnen hätte, verdeutlicht nur, wie bescheiden die Schweizer Ansprüche in dieser superkompetitiven Disziplin mittlerweile geworden sind. Platzierungen maximal im Mittelfeld aber lassen sich der Öffentlichkeit und den Sponsoren auf die Dauer nicht verkaufen. Ansonsten droht das Interesse an der Schweizer Leichtathletik weiter zu schwinden – und eine Heim-EM ist bloss noch dazu da, den Beweis zu erbringen, dass die Akteure nur mehr in der Veranstaltung eines solchen Grossanlasses Weltklasse sind.

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