«Das gibt es nur in Stanford»

Das Genfer Ausnahmetalent Albane Valenzuela erklärt am Majorturnier in Evian, wieso die ehemalige US-Aussenministerin Condoleezza Rice ihre Beraterin ist.

Herausragend auf dem Golfplatz und auch als Studentin an der kalifornischen Elite-Universität Stanford: Albane Valenzuela (21) plant 2020 den Übertritt zu den Profis. Foto: Philippe Millereau/KMSP

Herausragend auf dem Golfplatz und auch als Studentin an der kalifornischen Elite-Universität Stanford: Albane Valenzuela (21) plant 2020 den Übertritt zu den Profis. Foto: Philippe Millereau/KMSP

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Albane Valenzuela ist schwer zu treffen. Der Plan, sie in der Eliteuniversität Stanford zu besuchen, scheitert an ihrem gedrängten Alltag und den rigorosen Hausregeln. Selbst ein Interviewtermin in ihrer Heimat am Genfersee, am Evian Open, gestaltet sich schwierig. Nach mehreren Anläufen klappt es doch noch, und sie unterbricht für das Gespräch sogar eine Trainingssession in der Golfakademie von Evian, wo gestern das mit 4,1 Millionen Dollar dotierte vierte Majorturnier der Saison begonnen hat.

Sie haben eben eine wichtige Auszeichnung erhalten, den Edith Cummings Munson Award, als erste Golferin von Stanford seit 20 Jahren. Was bedeutet Ihnen das?
Ich fühle mich sehr geehrt. Denn er wird von den Coaches jener Golferin vergeben, die sportlich und akademisch das Beste erreicht hat. Das bedeutet, dass sie die harte Arbeit anerkennen, die ich geleistet habe.

Zudem wurden Sie in Ihrer Division, der Pac-12, als Golferin des Jahres ausgezeichnet.
Ja, und auch dieser Award wurde von den Coaches vergeben. Er bedeutet, dass sie denken, dass ich die beste Spielerin unseres Landesteils in diesem Jahr war. Und Pac-12 ist wahrscheinlich die stärkste der USA. Auch das war sehr speziell.

Wie anspruchsvoll ist es, Studium und Golfkarriere zu verbinden?
Man muss seinen Weg schon finden. Das erste Jahr war schwierig, die Balance zu finden mit allen Reisen und der Schule. Inzwischen bin ich ein Profi, wenn es um die Schule geht. Ich musste zuerst verstehen lernen, dass man in der Schule nicht perfekt sein muss.

Was planen Sie mit Ihrem Studium, politische Wissenschaften, einmal anzufangen?
Das werden wir sehen. Es fasziniert mich sehr, und ich liebe meine Professoren. Meine Beraterin ist Condoleezza Rice, die frühere Aussenministerin. Das ist schon speziell und überwältigend. So etwas gibt es nur in Stanford.

Treffen Sie sie oft?
Ja. Sie unterschreibt alle meine Arbeiten und berät mich, welche Kurse ich belegen soll. Sie ist eine einzigartige Frau.

«Ich fühle mich sehr als Schweizerin. Die Schweiz ist meine Heimat.»

Sie stehen bereits vor dem vierten und letzten Jahr Ihres Studiums. Wie erleben Sie dieses?
Ja, die Zeit fliegt. Aber es war bisher eine grossartige Reise, ich bin sehr dankbar, dass ich die Erfahrung machen kann, eine derart fantastische Schule zu besuchen. Es gibt kaum eine bessere akademische Ausbildung. Und es ist aufregend, so viele hochbegabte Leute zu treffen, aus den verschiedensten Gebieten.

Stanford inmitten des Silicon Valley ist eine Welt für sich. Wie hat sich Ihre Beziehung zur Schweiz entwickelt?
(energisch) Ich bin Schweizerin! Nur weil man wegzieht und an einem anderen Ort studiert, verliert man die Beziehung zur Heimat nicht. Ich fühle mich sehr als Schweizerin, war an der WM und in Rio für die Schweiz und werde sie möglicherweise an weiteren Olympischen Spielen repräsentieren. Die Schweiz ist meine Heimat. Es ist einfach so, dass ich in die USA gehen musste, um zu studieren, und das ist die beste Art, mein Golf zu verbessern. Und ich denke, dass es das ist, was die Schweiz will: dass ich mein bestes Golf spiele.

Ist es schwierig, den Kontakt mit Ihrer Familie und Ihren Freunden aufrechtzuerhalten?
Überhaupt nicht. Gerade vergangene Woche traf ich in meinem Heimatclub (GC Genf-Cologny) ein halbes Dutzend meiner besten Freunde. Es hängt immer von dir ab, was du willst. Mein Sport bringt mich überallhin, an wunderbare Orte, aber das bedeutet nicht, dass das der Beziehung zur Schweiz schadet.

Golf im Blut: Alexis, Albane und Alberto Valenzuela. Foto: René Stauffer

Hat sich Ihr Golfspiel wunschgemäss entwickelt?
Ja. Es geht ziemlich konstant vorwärts. Aber ich freue mich darauf, dass ich mich voll auf Golf fokussieren kann, wenn ich einmal abgeschlossen habe.

Wann genau wird das sein?
Eigentlich im Juni. Aber ich plane, das Studium vorzeitig abzuschliessen. Deshalb belege ich auch einen Sommerkurs.

Wie stellen Sie sich den Einstieg bei den Profis vor?
Ich werde Ende Jahr die Qualifikation (für die LPGA-Tour) bestreiten und sehen, wie es läuft. Wenn es schlecht läuft, bleibe ich in Stanford und versuche es nächstes Jahr wieder.

Gibt es keinen Plan B? Sie könnten ja auch auf einer kleineren Tour beginnen?
Ja, vielleicht auf der Symetra-Tour (Einsteiger-Circuit der USA). Sicher nicht in Europa.

Sind Sie sehr motiviert, endlich Profi zu werden?
Ja. Aber mein Motto ist es, Schritt für Schritt zu nehmen, alles zu seiner Zeit. Zuerst das College, meine Ausbildung, dann Profigolf… Und dann sehen wir, wie es läuft. Eine Profikarriere kann ein Jahr dauern und plötzlich stoppen. Ich bin realistisch und zugleich optimistisch für meine Karriere. Wie werden sehen, wohin sie mich führt.

Im Moment wären Sie knapp nicht für Tokio 2020 qualifiziert. Ist Olympia für Sie ein grosses Ziel?
Schon. Aber dass ich mich 2016 für Rio qualifizieren konnte, nimmt mir viel Druck. Das letzte Mal hatte niemand erwartet, dass ich mich qualifizieren würde. Damals hatte ich auf 2020 gehofft, und vielleicht kommt es jetzt gerade umgekehrt. Aber ich bin jetzt im College und muss einige Sachen berücksichtigen. Entweder kann ich noch einige Profiturniere spielen und schaffe es oder dann halt nicht. Aber ich könnte mich immer noch für 2024 qualifizieren.

Sie spielen dieses Jahr dank einer Einladung schon zum 5. Mal das Majoturnier von Evian, aber bisher haben Sie immer den Cut verpasst. Liegt Ihnen der Platz nicht?
Doch, doch. Er ist zwar sehr anspruchsvoll, aber ich habe schon bewiesen, dass ich auch an Majors bestehen kann. In Evian war bisher aber immer etwas: In den letzten Jahren war ich entweder verletzt oder kam gerade von den Maturaprüfungen, und letztes Jahr hatte ich zwischen zwei Runden ein Problem mit einer Erdnussallergie und musste um zwei Uhr morgens ins Spital. Es ist gut, dass das Turnier wieder im Juli stattfindet und nicht mehr im September. Der Platz spielt sich ganz anders.

Ihr Caddie ist Ihr Bruder Alexis. Wie wichtig ist er für Sie?
Er war schon immer sehr wichtig und ist einer meiner grössten Supporter. Er ist sehr inspirierend. Was er überstanden hat, ist eigentlich ein Wunder (sie spricht von seinem Autismus in der Kindheit). Er ist auch ein sehr guter Golfer, und ich war auch schon Caddie für ihn. Es ist schön, solche Momente zu teilen, das geniesst die ganze Familie.

Wohnen Ihre Eltern immer noch in Genf?
Nein, sie sind letztes Jahr auf die Bahamas gezogen.

Was ist eigentlich das Geheimnis eines guten Schwungs? Alles sieht bei Ihnen so einfach und locker aus...
(lacht) Da steckt sehr viel Arbeit dahinter. Sogar vor einem Turnier trainiere ich Stunden um Stunden um Stunden. Ich glaube, alle Spielerinnen hier auf dieser Driving Range tun das. Es gibt kein Geheimnis. Er gibt nur harte Arbeit.

Erstellt: 26.07.2019, 14:02 Uhr

Golffamilie mit multikulturellem Hintergrund

Albane Valenzuela kam am 17. Dezember 1997 in New York zur Welt. Sie lebte erst in Mexiko, dem Heimatland ihres Vaters Alberto, der selber zu den weltbesten Golfamateuren zählte. Der Banker hatte seine Frau Dianne, eine Französin, in Evian auf dem Golfplatz kennen gelernt. 2003 zog die Familie nach Genf, wo sich Albane einbürgern liess. Sie gehört seit fünf Jahren zu den Top 5 der Amateurinnen und studiert seit Rio 2016 (21. Rang) Politische Wissenschaften in Stanford. Dort avancierte sie zur Leaderin ihres Golfteams. Bruder Alexis (17) litt früher an Autismus. Jetzt spricht er drei Sprachen und steuert selber auf eine Profikarriere hin. (rst)

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