«Das hier ist nicht Fussball!»

Nigel Owens wird heute den Final der Rugby-WM leiten. Der Waliser zählt zu den Besten – und Unterhaltsamsten – seines Fachs. Dabei hat er eine bewegte Vergangenheit.

Ob über den Haufen gerannt oder ermahnend: Rugby-Schiedsrichter Nigel Owens sorgt immer wieder für witzige Momente. (Video: Youtube)


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Nach Nigel Owens Pfeife tanzen heute die wohl imposantesten Athleten in der Welt des Sports. Er wird nämlich als Schiedsrichter den Final der Rugby-WM zwischen Neuseeland und Australien leiten, der um 17 Uhr im Londoner Twickenham-Stadion angepfiffen wird.

Hat die starken Männer im Griff: Nigel Owens in Aktion. Bild: Reuters.

Obwohl der Sport durch seine knallharten Athleten für den Laien brutal erscheinen mag, zählen Rugbyspieler oft zu den fairsten Sportlern überhaupt. So hörte man vom 2,05 Meter grossen und 125 Kilogramm schweren Südafrikaner Lood de Jager an dieser WM ein «Sorry, Sir», als Owens ihn ermahnte, bei einem Freistoss für Gegner Schottland auch ja auf seiner Seite zu bleiben.

Das Outing als Erlösung

Dass Owens es so weit geschafft hat, ist keineswegs selbstverständlich. Den heute 44-Jährigen plagten lange Selbstmordgedanken, einmal beförderte er sich angeblich sogar mit Pillen und Alkohol ins Koma. Grund dafür war, dass Owens lange nicht mit seiner Sexualität klar kam. Der Waliser ist homosexuell – und hielt das lange Zeit unter Verschluss, erst 2007 outete er sich. «Mein Leben ist phantastisch, seit ich die Entscheidung getroffen habe, mich zu outen», kommentiert Owens seine Entscheidung heute. «Ohne die Last des ständigen Versteckens bin ich viel ausgeglichener geworden, und meine Leistungen wurden viel besser.»

Der Chef auf dem Feld: Owens ermahnt Frankreichs Mathieu Bastareaud. Bild: Reuters.

Wie gut – und teilweise auch amüsant – diese Leistungen sind, hat sich in den letzten Jahren tatsächlich gezeigt. Wenn Owens zwei Kolosse zu sich zitiert und ihnen vorwirft, sie benähmen sich unreif, dann lachen selbst die BBC-Kommentatoren. Natürlich kann der Schiedsrichter auch ernst sein, beispielsweise wenn er Spieler ermahnt: «Wenn du noch einmal so mit mir redest, dann wirst du nicht mehr Teil dieses Spiels sein.»

Das Lieblingsziel von Owen bleiben aber die Fussballer. Wenn einer der Spieler auf dem Feld zu theatralisch davonhinkt, dann hat der Waliser auch schon gerufen: «Das Fussball-Stadion ist 500 Yards weiter unten.» Und wenn sich die Spieler lautstark beklagen, dann kontert Owens: «Ich denke nicht, dass wir uns schon einmal getroffen haben. Deshalb: Ich bin der Schiedsrichter und nicht du. Belib bei deinem Job, und ich mache meinen. Das hier ist nicht Fussball!»

Erstellt: 31.10.2015, 10:32 Uhr

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