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Der Goalie ist kein Trottel

Ob Doping bei Olympia oder zu jung im Veteranenfussball: Bschiss gibt es überall im Sport.

Auch die einfachsten Bälle sind nicht immer ein Kinderspiel.
Auch die einfachsten Bälle sind nicht immer ein Kinderspiel.

Am liebsten hätte ich ein Loch in die braune Erde gegraben oder wäre hinter das nächste Gebüsch verschwunden, einfach weg, unsichtbar, es war kalt an diesem Abend, es war tiefer November, der Nebel schlich über die Felder. Der Schuss, ehrlich gesagt war es ein laues Schüsschen, er hat ja den Ball gar nicht richtig getroffen, und er war, mindestens, 30 Meter entfernt, aus solcher Distanz kann es nur ein Schüsschen sein, ein Ball, der kaum mehr vorwärtsfliegt.

Aber ja, irgendwie rutschte er trotzdem zwüsched de Händsche dure, und er war drin, knapp hinter der Linie blieb er liegen. Und ich stehen. Wie angewurzelt. Sah meine Mitspieler, die den Kopf schüttelten, ich hörte, wie einer sagte, den hätte doch seine Grossmutter noch gehalten, was auch eine Beleidigung für diese Grossmutter, die ich nicht kannte, sein muss. Und ein anderer rief, sehr deutlich: Öises Sieb dahine, und seine Bewegung dazu mit der Hand war abschätzig.

Ab in die Knochenbrecher-Liga

Es war das entscheidende Tor, das dritte, die anderen zwei – gut, ein wirklich guter Torhüter hätte die Schüsse vielleicht, an einem guten Tag und nicht an einem nebligen Abend, gehalten – waren nicht so schlimm. Aber dieses dritte! Wenig später pfiff der Schiedsrichter ab, und weil wir verloren, stiegen wir ab, in die Knochenbrecher-Liga, wie wir sagten, die unterste Stufe im Veteranen-Fussball. Wo sie alle mehr hinken als laufen. Hätte es damals, es war vor vielen Jahren, schon den Film und den Musiktitel dazu gegeben, «Der Goalie bin ig», der Song von Züri West hätte gepasst, die Geschichte vom Goalie und der Trost, im nächsten Film oder nächsten Leben erwische er ihn auf jeden Fall, diesen Ball, chumm Goalie, e chly meh Glück für ds nächschte Mal.

Jahre später, durch einen Zufall, kam heraus, dass unser Gegner damals, an diesem kalten Novemberabend, gleich fünf Spieler eingesetzt hatte, die eigentlich reglementarisch zu jung waren, einiges unter 40, viel zu jung für diese Liga der alten Männer, und sicher war der mit diesem Schüsschen auch viel zu jung und das Tor also ein Bschiss, wir wären nicht abgestiegen.

Bschiss wie vieles, Gold auf der Toilette

Diese Geschichte ging mir durch den Kopf, als ich kürzlich die NZZ las, eine Seite mit den Schweizer Olympiasiegern von 2014 in Sotschi, und unten rechts war auch das Bild von Bobfahrer Beat Hefti. Dabei hatte er gar nicht Gold geholt, war mit dem Zweier nur Zweiter geworden, aber Jahre später kam heraus, dass die Sieger gedopt waren, wie viele Russen. Und so war also die damalige Rangliste ein Bschiss, wie andere Ranglisten und Siegerpodeste inzwischen, die Zweiten oder Dritten sind eigentlich die Ersten. Für Hefti hätte es damals in seinem Heimatort Schwellbrunn im Appenzellerland einen goldigen Empfang geben müssen.

Aber jetzt – stellen Sie es sich vielleicht nicht exakt vor, aber es ist so –, auf der Toilette in einem Restaurant in Kanada hat er es erfahren, als er auf sein Handy schaute. 1376 Tage später. Hefti Olympiasieger! Und auch der Goalie ist eigentlich, wie wir inzwischen wissen, kein Trottel gewesen.

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