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«Der Laden ging total runter»

Der Obwaldner Viktor Röthlin musste beim prestigeträchtigen Marathon in New York kurz vor Rennhälfte aufhören. Der Äthiopier Gebre Gebremariam siegte in 2:08:16 Stunden.

Nicht nach Wunsch: Viktor Röthlin musste in New York früh aufgeben.
Nicht nach Wunsch: Viktor Röthlin musste in New York früh aufgeben.
Keystone

Der Schweizer verschwand früh von der Bildfläche. Als die zunächst bummelnde Spitzengruppe nach km 10 den 1000-m-Schnitt unter drei Minuten drückte, liess der Schweizer die Favoriten ziehen und lief sein eigenes Tempo. Gleichwohl stieg er beim Verpflegungsstand bei km 25 aus dem Rennen.

«Ab der Halbmarathon-Marke wurde das Ganze extrem schwierig. Ich merkte plötzlich, dass ich nicht mehr unter 2:12 laufen kann», sagte Röthlin. «Irgendwie hat sich in mir dann alles verschlossen, der Laden ging total runter, ich konnte mich gar nicht mehr aufraffen», fügte er hinzu. Letztlich liess er die Vernunft walten. «Ich wollte nichts kaputt laufen, es war einfach nur ein Geknorze, es ging nicht richtig.»

Auch Weltrekordhalter und Favorit Haile Gebrselassie (Äth) beendete das Rennen wegen Kniebeschwerden vorzeitig. Der für 400'000 Dollar engagierte Star kündigte danach seinen Rücktritt an: «Es ist an der Zeit, jüngeren Läufern Platz zu machen.» Röthlin war einer der Ersten, der von Gebreselassies Absichten erfuhr. «Ich traf Haile beim Verpflegungsposten. Er sagte mir, dass er seine Karriere hier beende.»

Röthlin braucht nun eine Pause

Röthlin musste bei seinem 20. Marathon zum dritten Mal vorzeitig die Segel streichen. Die Läufe 1999 in Berlin und 2004 bei den Olympischen Spiele in Athen hatte der Obwaldner ebenfalls nicht beendet. Das ernüchternde Resultat des 36-Jährigen im Big Apple ist erklärbar. Er konnte sich nach seinem Coup am 1. August in Barcelona nicht optimal auf den Lauf in New York vorbereiten. Die 14 Wochen waren eine zu kurze Zeitspanne.

«Ich hatte wirklich ein gutes Gefühl. Ich hatte mich riesig auf das Rennen gefreut. Vieles sprach dafür, dass es gut gehen könnte», meinte Röthlin. «Nun brauche ich etwas Ruhe, muss ein paar Mal ehrlich in den Spiegel schauen und dann geht es zurück ins Training.» Die Ernüchterung von New York habe keinen Einfluss auf seine weiteren Ziele. Im April will er seinen 21. Marathon bestreiten, voraussichtlich in London.

Ausgerechnet in New York, wo Röthlins Hausse vor fünf Jahren begonnen hatte, musste der Obwaldner auf dem sportlichen Parkett wieder einen Dämpfer einstecken. Nach seinem 7. Rang 2005 hatte er mit EM-Silber in Göteborg 2006, WM-Bronze 2007 in Osaka, dem Schweizer Rekord (2:07:23) im Februar 2008 in Tokio, dem Olympia-Diplom in Peking und dem Europameister-Titel diesen Sommer in Barcelona einen Erfolg an den anderen gereiht.

Gebremariam mit Solosieg

Der 26-jährige Gebremariam lancierte die entscheidende Attacke 3 km vor dem Ziel, als er sich leichtfüssig von Emmanuel Mutai (Ken) löste. Gebremariam, der Cross-Weltmeister 2009, bestritt seinen ersten Marathon und kassierte 130 000 Dollar Siegprämie. Er realisierte bei Sonne und kühlen Temperaturen die viertbeste Zeit auf dem anspruchsvollen Parcours durch die US-Metropole. Der WM-Zweite Mutai büsste noch eine Minute ein (2:09:18).

Bei den Frauen gewann in der 41. Auflage die Kenianerin Edna Kiplagat in 2:28:20, dahinter folgten die Marathon-Neulinge Shalane Flanagan (2:28:40) aus den USA und Mary Keitany (2:29:02) aus Kenia.

si

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