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Der letzte Wurf, das erste Glas

Dirk Nowitzki spielte 21 Jahre lang in der NBA. Der Deutsche drehte Ehrenrunden, weil auch er wusste: Kein Weg führt zurück, wenn man einmal endgültig aufgehört hat.

Die Leere nach dem Abschied: Für Basketballstar Dirk Nowitzki – aber auch für uns Normalsportlichen.
Die Leere nach dem Abschied: Für Basketballstar Dirk Nowitzki – aber auch für uns Normalsportlichen.
Darren Abate, Keystone

Das letzte Spiel. Das letzte ­Rennen. Der letzte Schuss. Das letzte Tor. Die letzte ­Parade. Der letzte Wurf.

Der Augenblick kommt für jeden, der Sport treibt, vor einem Millionenpublikum oder ganz anonym irgendwo. Zum letzten Mal. Viele tun sich schwer mit dem Gedanken, sie zögern ihn hinaus, und manche verpassen den richtigen Moment. Sie hätten längst aufhören müssen, hören sie dann von jenen, die ihnen zugejubelt haben und jetzt glauben, auch darüber urteilen zu dürfen, ob der Moment nun richtig oder falsch war.

Jene auf der grossen Bühne wählen, zwingt sie nicht ein verletzter Körper dazu, ihr letztes Mal meistens bewusst, ihr Abschied wird zelebriert, bei uns Normalsportlichen ist es oft zufällig. Im Herbst trainieren und spielen wir noch, nach einem langen Winter haben wir aber keine Lust mehr – und irgendwann später fragen wir uns: Wann war es, das letzte Mal, das letzte ­Training, das letzte Spiel? Wir würden uns gerne erinnern und bedauern es, den Moment nicht mehr im Kopf zu haben.

Wann soll der letzte Wurf sein? Diese Frage stellte sich auch der Basketballer Dirk Nowitzki, einer der Allerbesten in seiner Sportart, ein Weltstar, nicht nur sehr gross, 2,13 m, sondern wirklich ein Grosser, in jeder Beziehung. Er war schon lange auf einer Ehrenrunde, überall, ob Los Angeles oder Boston, kamen sie, um ihn nochmals zu sehen und zu feiern, und fragten sich dann doch und hofften es insgeheim: Ist es vielleicht nicht das letzte Mal? Er ist bald 41, 21 Jahre spielte er in der NBA für den gleichen Club, die Dallas Mavericks, er spielte noch, weil er es wie nur wenige kann, weil er aber vor allem das Spiel liebt. Weil er auch wusste, dass kein Weg zurückführt, wenn man einmal endgültig aufgehört hat.

Vor kurzem war es aber so weit, und er hat sich bei einem Heimspiel in Dallas unter Tränen verabschiedet, und während er sprach, sangen die Fans mit aufgesetzten Nowitzki-Masken: «Thank you, Dirk». Auf die Frage, ob ihm die Aufmerksamkeit fehlen werde, gab er in einem langen «Zeit»-Interview die Antwort: «Ich war ja nie derjenige, der gerne im Rampenlicht stand, war froh, wenn jemand anders beachtet wurde. Aber wenn du das zwei Jahrzehnte lang gehabt hast, dann gewöhnst du dich doch daran, und wahrscheinlich wird es mir auch fehlen.»

Langsam sickere die Leere durch, sagte Nowitzki, und er habe zum ersten Mal Kuchen gegessen und das erste Glas Wein getrunken nach zehn Jahren Abstinenz. Es habe sich gut angefühlt. Schön, wenn er sich auch daran gewöhnt.

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