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Der neue Bad Boy des Darts stänkert und jubelt

Gerwyn Price liebt es, Gegner und Publikum zu provozieren – und feiert nun seinen ersten grossen Erfolg.

Im Final des Grand Slam of Darts 2018 in Wolverhampton standen sich der zweimalige Darts-Weltmeister Gary Anderson und der ehemalige Rugby-Spieler Gerwyn Price gegenüber. Die Favoritenrolle war Anderson gewiss. Doch Gegner Price war schon vor diesem denkwürdigen Final als unbequemer Gegner bekannt.

Gerwyn Prices Übername ist The Iceman. Sportfans kommt sofort Noch-Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen in den Sinn. Doch gegensätzlicher könnten die beiden Sportler kaum sein. Während der finnische Formel-1-Fahrer nur wenig redet und noch seltener Emotionen zeigt, ist der Waliser Dartsspieler als Grossmaul bekannt. Er verzögert das Spiel, jubelt überschwänglich und provoziert Gegner sowie Publikum. «Wenn sie (das Publikum, Red.) gegen mich sind, spiele ich besser. Buht das nächste Mal doch noch mehr», wird der Waliser nach dem Duell sagen.

Beim Stand von 7:7, es wird Best-of-31 gespielt, begann Prices Psychokrieg gegen den Favoriten aus Schottland. Anderson liess sich prompt provozieren und verwarf die nächsten drei Pfeile. Price grinste anschliessend seinen Gegner an und trank gemütlich einen Schluck Wasser, bevor er an die Scheibe trat. Er wusste, er bringt Anderson irgendwann aus der Fassung. Dieser komme «mit Typen wie mir nicht zurecht», erklärte Price später. «Er jammert immer, dass ich dieses oder jenes tue.»

Die Buhrufe stacheln ihn an

Zwar konnte der zweimalige Weltmeister nochmals 11:8 in Front gehen, doch Price provozierte weiter, legte sich mit dem Publikum an und feierte durchschnittliche Würfe überschwänglich. All diese Mätzchen hinterliessen bei Anderson Spuren. Das Publikum hatte der Schotte zwar hinter sich, doch all die Buhrufe machten Price nur noch stärker und liess ihn sein bestes Spiel auspacken – der Ausgleich zum 13:13 war die Folge.

Die Crunchtime, die entscheidende Phase des Finals, war eingeläutet. Im folgenden Leg bejubelte der vermeintliche Iceman 174 Punkte mit viel Getue. Beim Jubel berührte er Anderson. In der Folge kam es zu einer kleinen Rempelei auf der Bühne inklusive Wortgefecht. «Ich war mir sicher, dass Anderson unter dem Druck zusammenbricht», sagte der Waliser nach der Partie im Siegerinterview.

Anderson konnte kein Leg mehr gewinnen und so kam Gerwyn Price zu seinem bisher grössten Triumph auf der Darts-Tour. Price, der Mann mit den imposanten Muskeln, wurde nach dem Sieg gefragt, wie er sich fühle. «Ich liebe es, auf der Bühne zu spielen. Vor fünf, sechs Jahren war ich noch Rugby-Spieler und nun klaue ich den Dartsspielern das Geld aus der Tasche. Glückliche Tage für mich.» 124’000 britische Pfund konnte er mit nach Hause nehmen.

Er will sich keine Freunde machen

Er gefällt sich in der Rolle des Bad Boy. Dass er an seiner Art auch in Zukunft nichts ändern wird, lässt folgende Aussage vermuten: «Die Trophäe kann mir keiner mehr wegnehmen. Wenn ich der erste Typ sein muss, der diesen Weg geht, um zu gewinnen, dann bin ich das.» In den sozialen Netzwerken wurde Prices Psychokrieg rege kommentiert. Die Meinungen zu den Mätzchen des Walisers gehen von «traurig» bis zu «Betrug».

Der ehemalige Bad Boy der Darts-Tour, Kim Huybrechts, freut sich über seinen Nachfolger. Auf Twitter kommentiert der Belgier die Partie: «Ich bin glücklich, nicht mehr der meistgehasste Spieler zu sein.»

Ab dem 13. Dezember wird Price an der Darts-WM in Londons legendärem Alexandra Palace Pfeile werfen. Dort sind nochmals mehr Zuschauer als in Wolverhampton in der Halle. Es gilt gespannt abzuwarten, ob er sich auch dort mit den Fans anlegen wird. Viele Dartsfans werden sein Gehabe im Dezember noch in bester Erinnerung haben und den Waliser dementsprechend empfangen.

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