Der olympische Königsmacher muss vor Gericht

Scheich Ahmad al-Sabah wird in Genf Fälschung vorgeworfen. Er zieht sich vorerst aus dem Internationalen Olympischen Komitee zurück.

Jahrelang zog er im Hintergrund die Fäden in der internationalen Sportwelt. Jetzt holt Ahmad al-Sabah ein alter Gerichtsfall ein.

Jahrelang zog er im Hintergrund die Fäden in der internationalen Sportwelt. Jetzt holt Ahmad al-Sabah ein alter Gerichtsfall ein. Bild: Keystone

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Dort, wo im weltweiten Sport die Strippen gezogen werden, nennen sie ihn nur «den Scheich». Das mag auch am ausgedehnten Namen Scheich Ahmad Fahd Al-Fahad al-Ahmad al-Sabahs liegen. Es ist aber wohl vor allem Ausdruck davon, wie viel Ehrfurcht dem Kuwaiti in den einflussreichen Kreisen der Sportpolitik entgegen gebracht wird.

al-Sabah gilt als Königsmacher. Er war massgeblich daran beteiligt, dass der Deutsche Thomas Bach zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) gewählt wurde. Er ist Präsident jenes IOK-Fonds, der die Entwicklungsgelder verteilt. Er brachte die Sommerspiele 2020 nach Tokio.

Und als er im Juni 2015 in den Garten seiner Residenz in Lausanne zu seinem 52. Geburtstag lud, da standen sich die möglichen Kandidaten für den Posten des Fifa-Präsidenten auf den Füssen herum. Was sicher nicht nur daran lag, dass al-Sabahs Partys legendären Status besitzen.

Ein merkwürdiger Fall von Fälschung

Aber jetzt muss der Scheich kürzer treten. Am Montag hat er sich entschieden, vorerst all seine Ämter beim IOK ruhen zu lassen. Der Grund ist, dass ihm im kommenden Frühling in Genf der Prozess gemacht wird. Es ist eine merkwürdige Form von Fälschung, die ihm vorgeworfen wird.

2014 sollen er und vier Mitangeklagte ein Urteil eines Schweizer Gerichts vorgetäuscht haben. Dieses wiederum sollte bei einem Gerichtsprozess in Kuwait die Glaubwürdigkeit eines vermutlich gefälschten Videos untermauern. Mit diesem wollte al-Sabah zwei ehemaligen Staatsbeamten einen Staatsstreich, Bestechung und Geldwäsche nachweisen.

Der Prozess in Kuwait endete damals gegen al-Sabahs Bestrebungen mit einem Freispruch. Er musste sich förmlich entschuldigen, um nicht beim Emir in Ungnade zu fallen. Jetzt hat ihn die Geschichte in der Schweiz wieder eingeholt.

Immer wieder Probleme mit der Justiz

Es ist nicht das erste Mal, dass Justizbehörden der glänzenden Sportpolitiker-Karriere al-Sabahs einen Knüppel zwischen die Beine werfen. 2017 ist er bereits aus dem Fifa-Rat zurück getreten, weil er in einen Korruptionsskandal verwickelt war: In den Fall von Richard Lai, dem Vorsitzenden des Fussballverbandes von Guam, der in den USA zugab, bestochen worden zu sein.

al-Sabah wurde in jenem Prozess nicht namentlich genannt. Die Beschreibung des «Mitverschwörers Nummer 2», wie ihn die US-Staatsanwälte nannten, deckte sich aber verblüffend mit dem Lebenslauf des Scheichs. Damals bestritt al-Sabah vehement jede Schuld, trat aber von seinen Fifa-Ämtern zurück, um «keine Ablenkung» für den Weltfussballverband zu sein.

«Politisch motivierte Anschuldigungen»

Auch jetzt, da er in Genf angeklagt wird, erklärt al-Sabah via seine Pressestelle seine Unschuld. Und wieder möchte er, dass «diese politisch motivierten Anschuldigungen nicht die Aufmerksamkeit von der hervorragenden Arbeit der Olympischen Bewegung ablenken».

In seiner Pressemitteilung steht zudem: «Scheich Ahmad ist bereit bei Bedarf an den Anhörungen zugegen zu sein. Scheich Ahmad vertraut voll in die Schweizer Gerichte und in die unvoreingenommene Arbeit des Ethik-Komitees des IOK und darauf, dass er von allen Vorwürfen frei gesprochen wird.»

Erstellt: 20.11.2018, 08:08 Uhr

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