Der Schummel-Präsident

Auf dem Golfplatz ist Donald Trump ein Fanatiker, der schamlos betrügt. Ein Sportautor hat akribisch recherchiert.

Gemäss eigenen Angaben soll der US-Präsident bereits 18 Clubmeisterschaften gewonnen haben. Foto: Keystone

Gemäss eigenen Angaben soll der US-Präsident bereits 18 Clubmeisterschaften gewonnen haben. Foto: Keystone

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Schon die ersten Seiten bringen ein ernüchterndes Fazit über Donald Trump als Golfspieler: «Er betrügt schamlos, lügt, klagt Leute ein, blufft und profitiert.» Verfasst hat das Buch der preisgekrönte Sportautor Rick Reilly, der für ESPN und ABC Sports arbeitet, früher für «Sports Illustrated» schrieb und sich des brisanten Themas akribisch annahm. Dabei kam der Golfkenner zum Schluss: «Trump betrügt so schamlos, dass du es fast bewunderst.» Die Motivation für sein Buch erklärt Reilly damit, dass er sich als Amateurgolfer durch Trumps Verhalten auf dem Golfplatz persönlich beleidigt fühlt.

Brisant ist das Thema, weil Schummeln dort kein Kavaliersdelikt ist. Golf gilt als Gentleman-Sport, in dem jeder sein eigener Schiedsrichter ist, sogar eigene Regelverstösse meldet. Gegenüber Betrügern herrscht weitgehend eine Nulltoleranzpolitik. Diese werden, auch in der Schweiz, gebüsst, gesperrt, schlimmstenfalls sogar aus dem Club geworfen und – für viele die grösste Strafe – sozial geächtet. Solche Moralansprüche hat Trump nicht.

«Er betreibt Golf ungefähr wie seine Präsidentschaft – als ob die Regeln nur für die anderen gälten», schreibt Reilly. Der 72-jährige Milliardär, dem einige weltbekannte Golfresorts gehören, wurde vom Autor flugs vom «commander-in-chief» (oberster Befehlshaber) in «Commander in Cheat» umgetauft, was Oberbetrüger bedeutet und dem Buch den Titel gibt.

Der Fuss spielt mit

Beispiele trumpscher Regelbrüche weiss Reilly, der Trump seit über 30 Jahren kennt, dutzendfach zu nennen. Er zitiert Spieler, die bezeugen, wie Trump, dessen Caddie oder Agenten des Geheimdienstes seinen Ball immer wieder aus schwierigen Lagen befreien, um ihm den Schlag zu erleichtern. Im Golf Club Winged Foot in New York, der nicht Trump gehört, hätten ihm die Caddies den Übernamen «Pelé» verpasst, weil er seinen Ball regelmässig zurück auf das Fairway kicke, wo er einfacher zu schlagen ist. Ein klarer Regelverstoss.

Der mächtigste Mann der Welt hat keine Skrupel, auf noch billigere Tricks zurückzugreifen, etwa falsch zu zählen oder falsche Resultate einzutragen – er hat sich daran gewöhnt, dass er damit durchkommt. Noch profaner: Er schmückt sich mit falschen Lorbeeren. So behauptete Trump in seiner Wahlkampagne wiederholt, 18 Clubmeisterschaften gewonnen zu haben. Reilly recherchierte – und kann keine einzige bestätigen. An einigen Turnieren hatte Trump nicht einmal mitgespielt, andere waren Seniorenanlässe oder Einweihungsrunden neuer Plätze.

Sogar wenn er mit Weltklassegolfern unterwegs ist, kann er es nicht lassen. Nach einer Runde mit Tiger Woods und Dustin Johnson vor zwei Jahren berichtete sein Mitspieler, der frühere Profi Brad Faxon, Trump habe unter anderem zwei Schläge ins Wasser nicht gezählt. Im Jahr davor hatte Boxstar Oscar De La Hoya erzählt, er habe Trump innerhalb von zwei Löchern gleich zweimal beim Schummeln ertappt. «Es war unglaublich, aber es war ja sein Parcours, deshalb bestimmte er wohl die Regeln.»

Ein Verantwortlicher des US Open 2020, Bryan Marsal, schildert, wie Trump ihn als Partner zu Beginn einer Golfrunde warnte: «Siehst du diese zwei Kerle? Die betrügen. Siehst du mich? Ich betrüge. Und ich erwarte, dass du auch betrügst, weil wir die beiden bezwingen werden.»

150 präsidiale Runden

Die Relevanz des Buchs liegt darin, dass Golf mit einigem Recht nachgesagt wird, die wahren Seiten einer Persönlichkeit offenzulegen. Deshalb auch der Untertitel: «Wie Golf Trump erklärt». Dabei kommt der US-Präsident so schlecht weg wie noch selten jemand, abgesehen vom früheren nordkoreanischen Diktator Kim Jong-il. Dieser hatte behauptet, 1994 auf seiner ersten Golfrunde elf hole-in-one erzielt, also direkt eingelocht zu haben. Von den vielen US-Präsidenten, die golften, habe auch Bill Clinton das Regelwerk nicht allzu genau genommen. Der talentierteste sei Franklin Roosevelt gewesen.

Trump ist ein fanatischer Golfer, zwar kein schlechter, aber nie so gut, wie er sich darstellt. Obwohl er Barack Obama für seine gelegentlichen Golfrunden angegriffen und erklärt hatte, als US-Präsident bleibe dafür keine Zeit, hat er in diesem Amt schon über 150 Runden geschafft. Für Reilly, der auch schon mit dem früheren Unternehmer spielte, ist sonnenklar, dass Trumps Handicap von 2,8 manipuliert ist.

Offiziell habe er als Präsident aber nur eine einzige Scorekarte abgegeben, wobei er 96 Schläge benötigt (oder aufgeschrieben) hatte. Das wäre ein etwa zehnmal höheres Handicap. Trumps Hintergrund als Golfer entspricht allerdings nicht dem eines ehrwürdigen Country-Club-Spielers: Gemäss Reilly schliff er sein Spiel auf einem öffentlichen Platz namens Cobbs Creek bei Philadelphia, einem Ort, wo jeder den andern zu betrügen versuche.

Reilly, ein Handicap-5-Spieler, gibt Trump nun aber die Chance, seine Ehre zu verteidigen, in einem direkten Duell gegen ihn, das mit offiziellen Schiedsrichtern und auf einem Platz ausgetragen würde, der nicht Trump gehört. Er ist überzeugt, dass der Schummel-Präsident sein Handicap nicht annähernd erreichen könnte und setzt 100'000 Dollar für wohltätige Zwecke. Trump dürfte danklos ablehnen.

Golf-Experte Frank Baumann erklärt in einem Interview, welche Betrug-Tricks besonders beliebt sind – und weshalb so wenige Frauen golfen.

Erstellt: 04.04.2019, 22:06 Uhr

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