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Alle werden ruhig, wenn er oben abspringt

Als einziger Schweizer geniesst Klippenspringer Matthias Appenzeller sein Debüt auf der ganz grossen Bühne in Sisikon – und reisst die Zuschauer mit.

«Es ist das grösste aller Gefühle», sagt Matthias Appenzeller. Video: Tim Ehrensperger und Marcel Rohner, mit Material von Red Bull.

Nie wird es in Sisikon am Samstag lauter, als wenn Matthias Appenzeller die 27 Meter hohe Plattform betritt. Wenn der Schweizer auf dieser 10 Meter nach vorne schreitet und kurz vor dem Abgrund stoppt. Wenn er selbst am lautesten brüllt. Und so die Zuschauer mitreisst.

«Ich probierte, es mit dem Publikum zusammen anzupacken», sagt Appenzeller dann auch am frühen Abend. Er wirkt erleichtert, dass er seine zwei Sprünge am ersten von zwei Tagen des Red Bull Cliff Divings am Vierwaldstättersee «gerade reinbrachte», wie er sagt.

«Die völlig neue Situation» souverän gemeistert

Denn alles war so neu: Zum ersten Mal auf der grössten Serie weltweit. Zum ersten Mal ein Wettkampf von den magischen 27 Metern, der «Champions League» der Klippenspringer, dem «grössten aller Gefühle».

«Ich war ein bisschen nervös», sagt Appenzeller. «Das Warten war nicht ganz einfach. Ich musste mich lange bereithalten. Als ich vorne stand, war es eine völlig neue Situation. Aber ich habe jede Sekunde genossen.»

Hunderte Zuschauer beobachten die weltbesten Klippenspringer in Sisikon vom Wasser aus: Der Schweizer Matthias Appenzeller kurz nach dem Absprung.
Hunderte Zuschauer beobachten die weltbesten Klippenspringer in Sisikon vom Wasser aus: Der Schweizer Matthias Appenzeller kurz nach dem Absprung.
Romina Amato, Red Bull
Der Wettkampf am Urnersee bietet eine grossartige Kulisse. Die Männer springen von der oberen Plattform (27 Meter), die Frauen von der unteren (21 Meter).
Der Wettkampf am Urnersee bietet eine grossartige Kulisse. Die Männer springen von der oberen Plattform (27 Meter), die Frauen von der unteren (21 Meter).
Romina Amato, Red Bull
Völlig schwerelos: Mit bis zu 85 km/h fliegen die Springer dem Vierwaldstättersee entgegen.
Völlig schwerelos: Mit bis zu 85 km/h fliegen die Springer dem Vierwaldstättersee entgegen.
Romina Amato, Red Bull
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Seinen grossen Auftritt hat Appenzeller, der einzige Schweizer, einer Wildcard zu verdanken. So darf er zum ersten Mal sein Können zeigen – inmitten von Profis. Einer von ihnen ist Orlando Duque, ein 43-jähriger Kolumbianer, seit 2009 und der Gründung des Red Bull Cliff Divings dabei und als «Legende und Kultfigur dieses Sports» angepriesen.

Das Lob der Legende

Er kuriert eine Verletzung aus und ist am Urnersee nur Zuschauer. Dafür hat er umso mehr Zeit, Appenzeller zu beobachten: «Matthias ist sehr gut. Er ist sehr stark, was wichtig ist, um von dieser Höhe mit dem harten Aufprall umgehen zu können.»

Duque erinnert sich auch an das erste Jahr der Wettkampfserie, als Sisikon bereits Austragungsort war. «2009 nahm Matthias hier noch an einem Workshop teil, nun springt er mit. Technisch macht er noch einige kleine Fehler, aber das ist normal, er wird sich daran gewöhnen. Er ist motiviert, sich zu verbessern. Ich bin sicher, er hat eine grosse Zukunft vor sich.»

Auf Instagram schaut Matthias Appenzeller (in der Luft) zurück auf seine erste Begegnung mit Orlando Duque.

Das zeigt Appenzeller bereits in seiner Heimat, wo er sich für weitere Auftritte empfehlen will. Mit 24 Jahren ist er der Jüngste im Feld. Beim Eintauchen spritzt das Wasser zwar noch etwas höher als bei den meisten Profis. Dennoch ist er im Zwischenklassement bei 14 Springern auf dem guten 9. Rang platziert, als zweitbester von sechs Wildcard-Athleten.

Die Teilnahme des Zürchers ist auch für Sisikon ein Glücksfall. Die Fans in den Gummibooten, auf den schwimmenden Einhörnern und Flamingos, sie werden ganz ruhig, wenn Appenzeller 27 Meter weiter oben bereit ist für seinen grossen Sprung. Und sie jubeln laut, als er nach drei Saltos im Vierwaldstättersee verschwindet. Nur einer jubelt lauter als alle anderen: Matthias Appenzeller selbst.

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