Der Sieg als logische Konsequenz

Daniela Ryf dominiert den Ironman Hawaii und gewinnt das Rennen mit 13 Minuten Vorsprung. Zehn Jahre nach Natascha Badmann ist sie die zweite Schweizerin, der das gelingt.

Einige Tage Erholung müssen reichen: Daniela Ryf bei der Siegerehrung. Foto: Marco Garcia (Keystone)

Einige Tage Erholung müssen reichen: Daniela Ryf bei der Siegerehrung. Foto: Marco Garcia (Keystone)

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Der kleine Hüpfer auf der Ziellinie sagte alles. Am Ort, wo sich wenige Minuten zuvor Männersieger Jan Frodeno hingelegt, der Dritte Tim O’Donnell gar bedenklich geschwankt hatte, fand Daniela Ryf noch die Kraft und die Leichtigkeit für einen kecken Hüpfer. Während sich die Männer bis zum Limit gefordert hatten, schien die 28-Jährige noch Reserven zu haben, und das nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen.

Nach 8:57:57 Stunden Wettkampf – nur drei Siegerinnen waren schon schneller gewesen. Dass es mit Mirinda Carfrae (3 Siege und Streckenrekordhalterin), Chrissie Wellington (4) und Paula Newby-Fraser (7) drei der dominantesten Figuren in der Geschichte des Rennens waren, macht die Güteklasse von Ryfs Leistung deutlich. Und auch mit der letzten noch nicht erwähnten Hawaii-Dominatorin lässt sich eine Gemeinsamkeit finden: Mit der sechsfachen Siegerin Natascha Badmann teilt Ryf die Nationalität. Genauso wie die Herangehensweise: Beide pflegten und pflegen auf der Radstrecke die Differenz zu machen.

120 000 Dollar Prämie

So schien ab dem Moment, als Ryf auf der Radstrecke das Tempo forcierte, kein Szenario mehr denkbar, an dessen Ende nicht die Solothurnerin als Siegerin dagestanden wäre. Bis sie vom Rad stieg, war der Vorsprung auf fast 10 Minuten angewachsen, da konnte selbst ein auf den letzten Kilometern leckendes Hinterrad Ryf nicht wirklich beunruhigen. Die Marathonstrecke bewältigte sie, als wäre dies nicht die Ironman-WM, bei der sie um eine Siegprämie von 120 000 Dollar lief, sondern ein zügiger Trainingslauf. Im Ziel wartete sie dann 13 Minuten auf die erste Konkurrentin. Auch Titelverteidigerin Carfrae, die furiose Läuferin, konnte Ryf nicht fordern – sie musste mit Rückenproblemen schon auf der Radstrecke aufgeben.

Dass Ryf beim Laufen einen einfachen Baumwollhut trug, war ein weiteres Indiz für ihre Unbeschwertheit, wie der simple Einteiler, der an ihre Zeit auf der Kurzdistanz erinnerte. Bis vor einem Jahr war sie auf dieser gestartet, war Nachwuchsweltmeisterin geworden, hatte ein Rennen der WM-Serie gewonnen und zweimal an Olympia teilgenommen (7. Peking 2008, 40. London 2012).

Diffuse Verdauungsprobleme hinderten sie aber daran, ihr Topniveau wiederzuerlangen. Ryf stand kurz davor, die Karriere zu beenden, ehe sie unter Brett Sutton, dem Trainer von Olympiasiegerin Nicola Spirig, quasi ihre zweite Karriere startete. In dieser hat sie nur ein wichtiges Rennen nicht als Siegerin beendet: den Ironman Hawaii vor einem Jahr, als sie als Neuling Zweite geworden war.

Und nun zur Millionärin?

Jene unerfahrene Athletin war beim zweiten Besuch der Pazifikinsel weit, weit weg. Da gelang einer Spitzenkraft ein bemerkenswert konstanter Arbeitstag. Für ihre «totale, vollkommene Dominanz» wurde sie auch von Wellington gelobt, die einst für genau diese Art von Rennen bekannt war – und ebenfalls unter Sutton in die Weltspitze aufgestiegen war.

Das galt auch für Caroline Steffen, die andere starke Schweizer Langdistanztriathletin, die auf Hawaii zweimal Zweite geworden war, heuer aber mit Rang 9 zufrieden sein musste. Sie wie Wellington hatten sich nach erfolgreichen Jahren vom umstrittenen Australier abgewandt, zermürbt von der physisch und vor allem psychisch sehr fordernden Art.

Entsprechend gespannt darf man auf die Fortsetzung dieser Zusammenarbeit mit Ryf sein. In ihr könnte er nach Spirig eine zweite Athletin gefunden haben, die sich auch längerfristig mit seiner ­Arbeitsweise verträgt.

So oder so gibt es bei Ryf keine An­zeichen, dass ihre Dominanz so schnell zu Ende sein könnte. Da passt es auch, dass sie nicht daran denkt, nach dem grössten Erfolg ­ihrer Karriere kürzer­zutreten. Einige Tage Erholung müssen reichen, danach geht das Training weiter – im Sutton-Camp in Thailand. Noch ein Sieg fehlt ihr zum letzten grossen Coup in diesem Jahr. Gewinnt die Athletin des Teams Bahrain Mitte November den Halb­ironman in der Heimat ihres Sponsors, würde sie zur Millionärin. Scheich Nasser Bin Hamad Al Khalifa hat für die Sieger einer Dreier-Serie eine ­siebenstellige Prämie ausgesetzt.

Erstellt: 12.10.2015, 00:01 Uhr

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