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«Sport ist Teil eines Phänomens, das Leute wie Trump hochspült»

Zwischen Politik, Sport und Philosophie: Wolfram Eilenberger. Foto: Felix Brüggemann

Usain Bolt rennt allen davon. 2017 startet er einen Wettkampf unter seinem Namen, der neue Disziplinen in die Leichtathletik bringt. Ergibt das Sinn, wenn sich Sport nur noch über eine Einzelperson definiert?

Welche?

Ein Klumpenrisiko.

Sie sagen, Bolt entwickle den Sport weiter. Ist dies nicht nur die nächste Stufe der Kommerzialisierung?

Usain Bolt – der schnellste Mann der Welt: Er ist grösser als seine Gegner, er ist grösser als sein Sport, er ist längst grösser als er selbst. Usain Bolt, dreifacher Triple-Goldmedaillen-Gewinner an Olympischen Spielen, ist spätestens dieses Jahr während der Spiele von Rio de Janeiro zur globalen Figur geworden. Bolt trägt die Leichtathletik und verändert sie. Im Februar wird er an einem neuartigen Dreikampf teilnehmen, der um ihn herum konzipiert wurde. Das Bild aus dem Halbfinal über 100 m in Rio de Janeiro ist Zeuge der Bedeutung des Sprinters aus Jamaika. Bolt ist derart dominant, dass er während des Rennens Zeit für einen Blick – und ein Lächeln hat. In der Schärfe liegt nur das boltsche Grinsen. Alles um ihn herum, die Gegner, die Bahn, das Publikum, verschwimmt in der Unschärfe. Bolt zählt. Und nur Bolt. (TA) Foto: Kai Pfaffenbach (Reuters)

Ein Symbol dafür ist Red Bull, über dessen Fussballvereine man gerne schimpft. Wenn Schalke 04 von einem russischen Gaskonzern ­unterstützt wird, scheint das niemanden zu stören. Warum?

Auf der Strecke bleibt die Romantik.

Der Grat zwischen Populist und Fussballromantiker ist ein schmaler.

Würden Sie sich denn als Fussballromantiker bezeichnen?

Zum Beispiel in England, wo der jetzt überall beschworene Graben zwischen Elite und Basis im Fussball schon lange existiert. Wie lange kann das dort noch gut gehen, bevor sich die Leute definitiv abwenden?

Müssen sie ja auch nicht, solange das Geld fliesst.

Wie magisch Fussball sein kann, zeigte doch der Titelgewinn des Aussenseiters Leicester City!

Nicht sehr begeisternd war auch die Europameisterschaft in Frankreich, von der zuerst die rechtsextremen Fanhorden aus Russland oder Ungarn in Erinnerung bleiben.

War das die schlechteste EM aller Zeiten?

Der Fussball habe ein Sensorium für politische Entwicklungen, sagen Sie. Hat er auch eine Verantwortung dafür?

Wie passt in diese Verantwortung hinein, dass die Fifa die nächste WM nach Russland vergeben hat?

Sie halten also auch nichts von einem Boykott der WM 2018?

Sie finden ja schon heute fast nur noch in autoritären Staaten statt.

Dafür müssten die Verbände aber auch die Sponsoren zurückbinden, die entscheiden können, in welchem Stadtteil eines Austragungsorts welches Bier ausgeschenkt wird.

Das männliche Sportideal sei mitschuldig an Trumps Wahl, schrieben Sie neulich. Das müssen Sie erklären.

Und welche Rolle spielt jetzt hier der Sport?

Womit könnte uns der Sport 2017 denn positiv überraschen?