Der wahre Männersport

Den ultimativen Härtetest für Körper und Geist gibts nicht im Eishockeyrink oder auf dem Fussballplatz, sondern im Glaskäfig.

«Eine emotionale Achterbahnfahrt»: Schweizer Meister Nicolas Müller nach seinem heroischen Sieg am GC-Cup.
Video: Sebastian Rieder

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Dem gut genährten Bürotiger wird schon beim Zuschauen schwindlig, wenn sich zwei Weltklasse-Squashspieler duellieren. Im Fall des Matchs zwischen Schweizer Meister Nicolas Müller und dem Australier Ryan Cuskelly dauert der Abnutzungskampf mit Racket und Gummiball 95 Minuten.

Es sind 95 Minuten, in denen der Puls regelmässig über die Zweihundertermarke schnellt. 95 Minuten in denen die beiden Profis ihre Ungeduld und die immer wieder aufflammende Wut genauso unterdrücken müssen wie das Gefühl der Erschöpfung.

Müller, der schliesslich im fünften Satz mit 11:7 die Oberhand behält und am Freitag gegen Weltmeister Gregory Gaultier um einen Platz in den Halbfinals des Grasshopper Cup 2016 spielt, fasst die Begegnung mit seinem guten Freund Cuskelly in einem Satz zusammen: «Es war brutal.»

An die 2000 Kalorien verbrennt ein Athlet während einer Partie auf dem von vier Glaswänden umgebenen, 9,75 mal 6,4 Meter grossen Court. Manche Ballwechsel dauern bis zu vier Minuten – ohne Verschnaufpausen, dafür mit Sprints und Ausfallschritten.

Squash auf Weltklasse-Niveau ist die Verbindung von Kraft, Beweglichkeit und Virtuosität. Topspieler können den Ball dem Namen ihrer Sportarten entsprechend quasi an der Wand zerquetschen, ihn aber auch mit einem minimalen Impuls des Handgelenks sanft über die untere Begrenzung der Frontwand, das sogenannte Tin, schubsen.

Schauspieleinlagen und Flegeleien: Fehlanzeige. Wer beim Squash die Beherrschung verliert, verliert auch die Partie. Vielleicht müsste man Patent-Ochsner-Sänger Büne Huber, der über den Fussball so sehr schimpfte und das Eishockey in den Himmel hob, mal an ein Squashmatch einladen und ihn dann noch einmal nach dem wahren Männersport fragen.

Der Grasshopper Cup im Zürcher Puls 5 läuft noch bis Sonntag.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.04.2016, 01:35 Uhr

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