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Das ist der beste Schweizer Schwimmer

Jérémy Desplanches trainiert in einem kleinen Paradies. Für die Zukunft hat er grosse Pläne.

Vielseitig und schnell: Jérémy Desplanches beherrscht alle Lagen. Foto: Patrick B. Kraemer (Keystone)
Vielseitig und schnell: Jérémy Desplanches beherrscht alle Lagen. Foto: Patrick B. Kraemer (Keystone)

Jérémy Desplanches ist mit einem Dutzend Einsätzen an den Meisterschaften in der Genfer Vernets-Halle ein Vielstarter. Und er ist nicht nur ein Schnellschwimmer, sondern auch ein Schnellredner. Der Genfer, der von sich behauptet, er sei nicht sonderlich talentiert, ist international der Stärkste, den Swiss Swimming seit dem Rücktritt von Dominik Meichtry vor gut drei Jahren hat.

Meichtry qualifizierte sich regelmässig für Halbfinals an grossen Titelkämpfen und ab und zu auch für einen Final. Der 6. Platz an den Olympischen Spielen 2008 in Peking über 200 m Crawl war sein Karrierehöhepunkt. Desplanches, als Lagenspezialist in allen Disziplinen zu Hause, hat es bereits ähnlich weit ­gebracht: Als gerade 22-Jähriger schaffte er es bei seiner Olympiapremiere 2016 in Rio gleich in den Halbfinal über 200 m, an der letztjährigen WM in Budapest sogar in den Final (8.).

Und wenn er von diesem erzählt, ist nicht zu überhören, dass das der Wettkampf war, der ihn am tiefsten beeindruckt und an dem er am meisten gelernt hat für Kommendes. «Die Stimmung vor den drei Rennen war völlig unterschiedlich», erinnert er sich. Locker und noch zu Spässen aufgelegt seien alle vor der Qualifikation gewesen. Vor den Halb­finals hätte die Spannung dann zugenommen, man habe ein wenig gerechnet, wer es wohl nach vorne schafft, «und obwohl ich noch nicht ganz konzentriert schwamm, wurde ich Vierter». Um dann auf die (Schwimm-)Welt zu kommen. Er schüttelt noch heute den Kopf und sagt: «Als wir auf den Final warteten, war die Anspannung maximal. Kein Wort wurde gesprochen, keiner würdigte den anderen eines Blickes – nur ich liess mich von ­dieser speziellen Situation einnehmen.» Er gibt zu, dass ihn diese «gestresst» habe und er wohl deshalb rund eine ­Sekunde über seiner Bestzeit blieb.

Bäckerei, Bachelor und Pellerin

Desplanches ist in Genf aufgewachsen, aus einer Bäckerei und einer Confiserie hat sein Vater dort eine Verpflegungskette gemacht, in die seine Schwestern bereits eingestiegen sind und wo auch er seine fernere Zukunft sieht. Der Sohn entschied sich mit 16 aber, vorerst Schwimmer zu werden, «à cent pour cent», hundertprozentig, wie er sagt. Und weil ihm dies in der Schweiz nicht möglich schien, zog er 2014 nach Nizza und schloss den Bachelor in Wirtschaft im Fernstudium ab. An französischen Meisterschaften hatte er den renommierten Trainer Fabrice Pellerin kennen gelernt, «ich hörte, wie er mit seinen Schwimmern sprach und umging, das gefiel mir», begründet er den Wechsel.

Gefunden hat Desplanches an der Côte d’Azur ein kleines Paradies. Er kramt sein Handy hervor und zeigt das Trainingsbecken. «Acht Bahnen, 50 Meter, nicht öffentlich, nur für den Club, wir haben den Schlüssel, und wenn wir an Weihnachten schwimmen wollen, dann gehen wir», sagt er und schmunzelt. In Genf wie anderswo finden die Trainings in öffentlichen Bädern auf einer oder zwei, maximal vier abgesperrten Bahnen statt. Dass er in einer Testwoche in Nizza überfordert war, verschweigt er nicht. «Es waren Olympiasieger und Weltmeister da, sie schwammen total ruhig, während ich dauernd am ­Anschlag war», sagt er. Trotzdem habe er gespürt, dass er genau das brauche: starke Konkurrenz. Mittlerweile sind die Olympiasieger und Weltmeister zurückgetreten, der Leader ist heute: Desplanches. Pellerin richtet die Pläne der siebenköpfigen Gruppe auf ihn und die gleichaltrige Charlotte Bonnet aus, die Freundin des Schweizers, die 2012 in London mit der Staffel Bronze gewann.

Gefordert vom Nachwuchs

Nun hat der Arbeiter, wie er sich bezeichnet, bereits die Starts über 200 m Crawl und Delfin hinter sich. In Genf misst er sich bewusst mit den Spezialisten, «ich darf mir keine Blösse geben», sagte er vor den Finals. Ein bisschen hat er es dann doch getan, denn geschlagen wurde er jeweils von einem Youngster (siehe Box). Erst heute und morgen stehen mit den Lagenrennen seine Spezialeinsätze an, für die EM im August in Glasgow ist er längst qualifiziert. Welche Fortschritte er gemacht hat, verdeutlicht sein Schweizer Rekord über 200 m: Seit 2015 verbesserte er diesen um viereinhalb Sekunden auf 1:56,86.

«Als ich an die Spiele nach Rio reiste, wusste ich, dass ich noch Welten auf die Besten verliere. Wenn ich 2020 hoffentlich in Tokio starte, werden es noch Zehntelsekunden sein», sagt er und nennt seine Ziele: EM-Medaille, WM-Final, Top 5 an Olympia. Auf die Frage, ob diese mehr Druck oder Motivation auslösten, antwortet er blitzschnell: «Motivation, nein, ­Euphorie!» Es gehe zwar schnell bis ­Tokio, aber: «Noch habe ich zwei Jahre Zeit, mich zu steigern.» An seiner Einstellung dürfte Desplanches nicht scheitern.

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