«Die beste Aussicht, die ich im Golf kenne»

Spaniens Top-10-Spieler Sergio Garcia kehrt nach neun Jahren ans Turnier in Crans zurück. Er glaubt nicht, dass Tiger Woods je wieder sein früheres Niveau erreicht.

Aufwärmen für den heutigen Turnierstart: Garcia (35) in Crans. Foto: Valeriano Di Domenico

Aufwärmen für den heutigen Turnierstart: Garcia (35) in Crans. Foto: Valeriano Di Domenico

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Am Montag beendete er das British Open in St. Andrews auf Rang 6, gestern ging er mit Hobbyspielern in Crans auf die Proberunde und hatte Auftritte für Sponsoren. Beim Omega European Masters, das dieses Jahr vom September in den Juli vorverlegt wurde, ist der 35-jährige Spanier der Favorit auf die Siegerbörse von 450'000 Euro. Die Nummer 10 der Weltrangliste hat bereits 26 wichtige Turniere gewonnen.

Was führt Sie nach neun Jahren zurück an dieses Turnier? Der Datumswechsel? Ihre Rolle als Botschafter des Titelsponsors?
Das neue Datum. Ich spiele gerne hier und habe ein Haus, nur hundert Meter vom 18. Grün entfernt. Aber weil das Turnier zuletzt immer zeitgleich mit dem Fed­ex-Cup stattfand, war es für mich schwierig, hier anzutreten.

Wie kommt es, dass Sie in Crans ein Haus besitzen?
Ich habe hier einige Freunde, und damals war ich mit Martina Hingis zusammen (2002, die Red.), das schien zu passen. Crans ist ein wunderbarer kleiner Ort, sehr entspannt, das gefällt mir. Und die Aussicht ist toll. Jene vom 7. Loch ist die beste, die ich im Golf kenne.

Fühlen Sie sich mit der Schweiz stark verbunden?
(lacht) Mein Französisch könnte besser sein, mein Schweizerdeutsch viel besser... Ich bin Spanier, aber geniesse es, möglichst oft hierherzukommen, die Umgebung und das Essen zu geniessen. Ich war auch vor drei Wochen hier.

Um Golf zu spielen?
Um mich zu erholen. Gelegentlich spiele ich eine Runde. Ich komme auch oft im Winter, dann mache ich Langlauf oder gehe mit meinem Neffen schlitteln.

Bei ihren letzten drei Teilnahmen belegten Sie von 2004 bis 2006 die Ränge 3, 1 und 4. Warum liegt Ihnen der Ballesteros-Platz so gut?
Er ist nicht sehr lang, zumal die Bälle wegen der Höhenlage und der Wärme ­kilometerweit fliegen. Wenn man das ­Eisenspiel beherrscht und die Grüns richtig anspielt, bieten sich einem viele Chancen für Birdies. Allerdings ist die Umstellung vom British Open schon eine sehr grosse Herausforderung. Dort war es kalt und nass, und wir spielten auf Meereshöhe. Im Moment fühle ich mich auch noch etwas müde.

Sie sind älter als Roger Federer...
(unterbricht) ... aber nicht viel!

Schon, aber im Tennis wären Sie mit 35 trotzdem schon alt. Wo stehen Sie damit in Ihrer Golfkarriere? Was sind Ihre weiteren Ziele?
Zum Glück ist Golf nicht wie Tennis, dort nähert man sich mit 32, 33 dem Ende der Karriere. Golf spielen kannst du, wenn du nicht verletzt bist, bis Mitte 40 oder fast 50. Ich geniesse mein Leben auf der Tour weiterhin sehr. Ich versuche, ­immer besser zu werden und so viele Turniere zu gewinnen, wie ich kann. Aber ich setze mir keine Zahl zum Ziel. Ich will einfach überall mein Bestes geben. Wenn mir das gelingt, habe ich an keinem Turnier etwas zu bedauern.

Sie haben seit Anfang 2014 keinen wichtigen Anlass mehr gewonnen. ­Beunruhigt Sie das?
Solange ich gut spiele, sorge ich mich nicht darum. Gewinnen ist zwar immer grossartig, aber wichtig für mich ist, dass ich konstant spiele und mir Chancen verschaffe. Irgendwann wird es schon wieder für mich laufen.

Sie haben 67 Majorturniere ­bestritten und 20 in den Top 10 beendet. Damit sind Sie einer der Besten ohne Majortitel. Stört Sie das?
(entschieden) Nein! Immerhin werde ich irgendwo als gut betrachtet. Dass ich zu dieser Kategorie gehöre, zeigt, dass ich etwas richtig gemacht habe. Das ist mir lieber, als gar nicht beachtet zu werden.

Fehlt Ihrer Karriere ohne Majortitel nicht die Erfüllung?
Ich denke nicht. Klar, eine oder zwei dieser Trophäen wären die Kirsche auf der Torte. Aber falls das nicht geschehen sollte, werde ich nicht sagen, dass meine Karriere schlecht war. Ich gewann viele Turniere, rund um die Welt. Die meisten wären froh über eine solche Karriere.

Golf wird 2016 wieder olympisch. Ist Rio für Sie ein grosses Ziel?
Ich war immer ein grosser Olympiafan, schon als Junge schaute ich alles: Leichtathletik, Basketball, Schwimmen... Ich finde es aufregend, selber ein Olympionike zu sein und zu versuchen, für mein Land eine Medaille zu holen. Das wäre ein sehr prestigeträchtiger Erfolg.

Im Golf findet zurzeit eine Ablösung statt, junge Spieler dominieren, Woods steckt in der Krise. Ist ­definitiv eine neuen Ära ­angebrochen?
Das hat sich seit drei, vier Jahren abgezeichnet. Einige starke Junge tauchten auf, wie McIlroy, Spieth und andere. Ich erwarte, dass auch junge Asiaten nachdrängen, inklusive Chinesen. Tiger ist jetzt fast 40, Mickelson 45. Die spielen nicht mehr so konstant, und die Jungen werden besser. So ist das Leben, so ist der Sport. Das musste mal geschehen.

Wird Woods zurückkommen?
Alle wissen, dass er viel Talent hat. Doch seine Lage ist schwierig. Er hat sogar auf Plätzen, die ihm liegen, momentan Mühe, gute Runden zu spielen. Ich denke nicht, dass er das Niveau seiner besten Zeiten nochmals erreichen wird.

Der Golfsport hat es momentan schwer, verliert vor allem in den USA an Spielern. Was muss geschehen, um den Trend zu wenden?
Man muss versuchen, das Spiel so amüsant und zugänglich wie möglich zu machen für die Amateure. Denn sie sind es, die den Sport verkörpern, nicht wir Profis. Es muss etwas geschehen, denn in den letzten sieben, acht Jahren sind viele Leute abgesprungen, wegen der wirtschaftlichen Entwicklung. Vor 2008 waren viele Mitglied in verschiedenen Clubs, nun müssen sie sich entscheiden, weil sie sich nicht mehr alles leisten können. Jene, die Golf lieben, sind ihm treu geblieben, aber vielen dauert eine Runde zu lange, oder der Sport ist ihnen zu teuer. Golf muss erschwinglicher ­werden, billiger. Vielleicht bringt auch Olympia der Sportart neuen Schwung.

Momentan wird mit Löchern ­experimentiert, die 38 statt 10,8 cm gross sind. Begrüssen Sie das?
Das ist zwar nett für Anfänger, Kinder oder ältere Spieler. Der wahre Golfer wird aber die bisherige Grösse der ­Löcher bevorzugen. Das ist die wahre Herausforderung, die er liebt.

Erstellt: 22.07.2015, 22:52 Uhr

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