Die Familie der Hünen

Bei einem Spiel von Rugbymeister GC zeigt sich, wie entspannt es bei einem Randsport zu- und hergeht.

Wenn 900 Kilo auf 900 Kilo treffen: Die Spieler von GC (rechts) im Scrum gegen Stade Lausanne. Foto: Sabina Bobst

Wenn 900 Kilo auf 900 Kilo treffen: Die Spieler von GC (rechts) im Scrum gegen Stade Lausanne. Foto: Sabina Bobst

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Wer an diesem Sonntag auf der Allmend Brunau vorbeischaut, lernt etwas über englische Enten. Über China. Über Vaterliebe, Respekt und ein Bier mit dem ­besiegten Gegner.

Die Wolken hängen tief über dem Platz, der mehr wie ein Acker aussieht. Die Furchen sind tief. Der Rasen daneben ist im Vergleich dazu piekfein. Da trainieren jeweils die Spieler des FCZ.

Auf dem Acker machen sich die Rugby-Spieler von GC für ihr Meisterschaftsspiel gegen Stade Lausanne warm. Mittendrin: Josh Bjornson, auch schon 45 und der Präsident des Clubs, aber noch immer wild entschlossen, selbst zu spielen. Oder: Tim Vögtli, ein Hüne von Mann, zwei Meter gross, 107 Kilo schwer, kein Gramm Fett. Oder: Andri Koeferli, fast doppelt so breit wie sein Vater, der am Spielfeldrand steht, um zu fotografieren, wie er das so oft tut. Stephan Koeferli, der Vater von Andri, ist ein Spezialist für Venenoperationen und früherer Arzt der GC-Fussballer.

Prost und guten Appetit: Verpflegung auf der Allmend Brunau. Foto: Sabina Bobst

Bevor der Match beginnt, ­besammeln sich die Spieler von GC im Kreis, und sie stacheln sich in kurzen Reden an. Deren Inhalt heisst ungefähr: Hauen wir die verdammten Kids weg!

Vögtli ist 2 Meter gross, 107 Kilo schwer und hat kein Gramm Fett. Er sagt: «Wir sind wie Kinder.»

Und sie hauen sie schliesslich weg. «Aber erst, als ich ein­gewechselt worden bin», sagt James Pickering. Ganz genau so ist es nicht, GC liegt zu dem Zeitpunkt schon längst klar in Führung, aber bei einem Bier lässt sich später grosszügig sein. Pickering ist der Mann aus Aylesbury, die Kleinstadt neben Oxford ist bekannt für ihre Enten.

Pickering hat Zeit zum Erzählen, am Anfang ist er nur Ersatz. 35 ist er, Familienvater, und er sagt: «Die Rugby-Mannschaft ist die zweite Familie.» Wenn er spielt, tut er das als Prop, das ist einer dieser stämmigen Kerle, die sich im Scrum, dem Gedränge, so wohl fühlen. Da prallen jeweils acht Spieler aufeinander, «900 Kilo gegen 900 Kilo», sagt James, «dafür ist man trainiert, das macht Spass».

Alles im Griff: GC gewinnt gegen Stade Lausanne 52:13. Foto: Sabina Bobst

Die richtig guten Rugby-Spieler sind derzeit bei der WM in Japan. Am Samstag um 9 Uhr treffen sich ein paar von GC im Pub des Leibchensponsors an der Sihlporte, um die Spiele der Grossen anzuschauen. England - Argentinien, Japan - Samoa.

Tim Vögtli gehört zur Delegation, die im Paddy Reilly’s sitzt. Er war diesen Spätsommer auch im Wallis, wo sich die Waliser auf die WM vorbereiteten. Er war tief beeindruckt von dem, was er sah. «Das ist nun Profi-Rugby», sagte er sich beim Anblick von Weltklassespielern. Er wünscht sich, dass Wales den Titel gewinnt.

Der Glatzkopf kümmert sich um seine Frisur

Vögtli, in Basel geboren, lernte in Shanghai das Rugby kennen. Dahin war sein Vater aus beruflichen Gründen umgezogen. Der Lehrer an der englischen Schule sagte eines Tages: «Kommt, wir spielen Rugby.» Und Vögtli blieb bei dem Sport, er betrieb ihn als Maschinenbaustudent in England, und als er schliesslich in Zürich landete, googelte er als Erstes, wo er ­Rugby spielen kann. Er fand GC, fühlte sich hier vom ersten Tag an wunderbar aufgehoben, und wenn er als Club-Captain auf dem Platz steht, empfindet er Freude und Glück: «Wir sind wie Kinder auf dem Spielplatz.» Er spielt auch für die Schweiz.

26:10 führt GC zur Pause. GC ist ein Phänomen, weil es die Dominanz der welschen Clubs gebrochen und im Juni zum zweiten Mal nach 2014 die Meisterschaft gewonnen hat. Nach dem ersten Titel war Josh Bjornson Präsident geworden, Josh ist ein Kanadier aus Vancouver, trotzdem 14-facher Nationalspieler für die Schweiz. Als er für ein Foto posieren soll, fragt er: «Sitzt die Frisur?» Er ist ein Glatzkopf.

«Rugby ist Respekt»

Einfach ist es nicht, in Zürich das Rugby zu pflegen. Die 80 Spieler, Spielerinnen und Junioren von GC teilen sich fürs Training einen Platz, an Herbsttagen wie diesen auch einmal ohne Licht. 40'000 Franken beträgt das Budget des Clubs, 400 Franken zahlt ein Spieler als Mitgliederbeitrag. Dafür kriegt er ein Trikot fürs Spiel, das er danach wieder zurückgeben muss.

Am Ende steht es 52:13 für GC. Die Meisterspieler bilden eine Gasse für Gegner und Schiedsrichter, um ihnen zu applaudieren. Später trinken Sieger und Verlierer zusammen ein Bier, oder zwei. Die Atmosphäre ist entspannt und leicht. «Rugby ist Respekt», sagt Josh Bjornson.

Erstellt: 07.10.2019, 13:59 Uhr

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