Die Dompteuse der «Bösen»

Isabelle Emmenegger ist Direktorin des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Estavayer-le-Lac.

Die 39-Jährige hat die Schwingwelt überrascht: Isabelle Emmenegger in Estavayer-le-Lac. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Die 39-Jährige hat die Schwingwelt überrascht: Isabelle Emmenegger in Estavayer-le-Lac. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

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Die Luzernerin Isabelle Emmenegger nimmt in diesen Tagen Anrufe auf Französisch und kurz angebunden entgegen: «Können wir später telefonieren, ich bin im Schuss.» Emmenegger hat anderes zu tun. Sie ist Direktorin des Eidgenössischen Schwingfests in Estavayer. 250'000 Menschen, eine Viertelmillion Schweizer, werden am Wochenende in die Romandie reisen, um Schwinger und Steinstösser zu sehen.

2012 hat die 39-Jährige ihr Dossier zur Bewerbung eingereicht, wenig später wurde sie zur Direktorin ernannt – zur grossen Überraschung der Schwingwelt. Eine Nichtschwingerin, eine Deutschschweizerin, eine Frau organisiert in der Westschweiz das Schwingfest aller Schwingfeste: das alle drei Jahre stattfindende Eidgenössische. «Die Diskussion hat sich bald gelegt. Sie ist übrigens klischeehaft. Dass ich eine Frau bin, war bei meiner Arbeit nie ein Thema», sagt sie. Sie sagt das mit Verve. Und auf die Frage, ob sie sich als selbstbewusst beschreiben würde, antwortet sie mit einem lang gezogenen «Jaaaa».

Bauerntochter, Juristin

Eine von aussen organisiert das Schwingfest. Das kann so nicht stehen gelassen werden, also wird in jedem Porträt über Emmenegger betont, dass sie eine Bauerntochter aus dem luzernischen Entlebuch sei. Als wäre Juristin keine aus­reichende Qualifikation dafür.

Die Bauerntochter Emmenegger hat eine Lehrerausbildung gemacht, dann Jura studiert und später für das Bundesamt für Sport Rechtsfragen geklärt. Der Bund sandte sie 2008 als Delegierte an die Fussball-EM in der Schweiz. Dort lernte sie, was es heisst, Grossanlässe zu organisieren. Für die zwei Tage des Eidgenössischen arbeitete sie vier Jahre lang in ihrem Büro in der Autobahnraststätte Rose de la Broye. Sie ist die Chefin über ein 29-Millionen-Budget und 5000 freiwillige Helfer. Emmenegger und ihre Assistentin bekommen als Einzige einen Lohn, alle anderen arbeiten unentgeltlich.

So war auch die Arbeit mit einem Heer von Freiwilligen eine der grössten Herausforderungen. «Das war nicht immer einfach – nur schon, um die Sitzungen zu koordinieren.» Also traf sich Emmenegger mit ihren Leuten meist am Abend oder an den Wochenenden.

Den Röstigraben zugeschüttet

Weiter musste sie Romandie (schwingmuffelig) und Deutschschweiz (schwingbegeistert) an der Sprachgrenze zusammenführen. Zu Beginn war das harzig, die Leidenschaft für den Schwingsport wollte in der Westschweiz nicht so recht überschwappen, doch nun, zwei Tage vor dem Start, fühlt sie, wie langsam auch die Romands Feuer fangen: «Es wird ein Fest.»

Für sie wird es in erster Linie Arbeit, ihr Terminkalender sagt ihr, sie wird Samstag und Sonntag von morgens um 4 Uhr bis 22 Uhr Programm haben. Und wenn alles fertig ist? «Dann machen wir die Schlussrechnung, und ich gehe seit langem wieder einmal zwei Wochen in die Ferien.»

Erstellt: 25.08.2016, 20:48 Uhr

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