Weshalb der Ryder-Cup einer Fussball-WM gleicht

Paris ist ab heute Gastgeber des prestigeträchtigen Golf-Duells zwischen Europa und den USA. Der Aufwand für die drei Spieltage ist gigantisch.

Schauplatz der Superlative: Auf dem Albatros-Parcours südlich von Paris herrscht schon im Training Hochbetrieb – wie hier am 1. Loch. Foto: Franck Five (AFP)

Schauplatz der Superlative: Auf dem Albatros-Parcours südlich von Paris herrscht schon im Training Hochbetrieb – wie hier am 1. Loch. Foto: Franck Five (AFP)

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Yves Mittaz, der Turnierdirektor des European Masters in Crans-Montana, sagt es schonungslos: «Das Modell beim Ryder-Cup ist das gleiche wie bei der Fifa mit der Fussball-WM: Alle vier Jahre füllen sie sich damit die Kassen, um nachher davon zu zehren.» Sie, das sind die Rechteinhaber des Goldesels, die amerikanische Profigolfvereinigung PGA of America sowie Ryder Cup Europe. Dabei handelt es sich um ein Joint Venture, an dem die PGA-Europatour mit 60 Prozent den grössten Anteil hält.

Wie die Fussball-WM überstrahlt auch der Ryder-Cup die anderen Anlässe seiner Sportart in Grösse und Bedeutung klar – auch darum, weil er im Zweijahresrhythmus stattfindet und dadurch nur alle vier Jahre in die USA oder nach Europa kommt. Ab heute findet er zum 2. Mal in Kontinentaleuropa statt (nach 1997 in Valderrama). Bis 1979 hatten es nur Briten und Iren mit den USA aufgenommen, bevor Resteuropa mit Könnern wie dem Spanier Seve Ballesteros oder dem Deutschen Bernard Langer für Verstärkung sorgte und den Wettbewerb belebte.

Analysen des letzten europäischen Ryder-Cups im schottischen Gleneagles 2014 kamen auf 250 Millionen Euro Einnahmen. Dass die Golfcracks um viel Ehre und für ihre Heimat, aber nicht um Preisgeld spielen, erhöht den Gewinn der Veranstaltung noch. Allein jeder der vier einzigen am TV sichtbaren Hauptsponsoren des Events, zu denen die Schweizer Uhrenfirma Rolex gehört, soll jährlich vier bis fünf Millionen für dieses Privileg bezahlen, schätzt Frankreichs Sportzeitung «L’Equipe».

Der Motor des Profigolfs

Wie viel Geld der Ryder-Cup wirklich in die Kassen spült, weiss aber auch Yves Mittaz nicht – die Zahlen sind topsecret. Was der Walliser aber weiss: «Der Ryder-Cup hält die Europatour am Leben. Er finanziert den ganzen Betrieb und auch viele Turniere, die ihr gehören.» Das European Masters ist allerdings nicht dabei: «Im Gegenteil: Wir müssen noch Gebühren bezahlen.»

Wie den Olympischen Spielen geht dem Ryder-Cup eine Kandidaturphase voraus, die stets noch umkämpfter (und kostspieliger) wird. Für 2022 setzte sich Rom gegen Bewerbungen aus Deutschland, Österreich und Spanien durch – musste aber beispielsweise garantieren, dass das Preisgeld des Italian Open auf 7 Millionen Euro erhöht wird. Neben einer Lizenzgebühr in der Höhe von angeblich 25 Millionen Euro müssen die lokalen Organisatoren auch den Parcours bereitstellen und für die Sicherheit sorgen. An den Einnahmen aus den Ticketverkäufen, den TV-Rechten, dem Sponsoring und dem Merchandising sind sie aber nicht beteiligt.

Video: Tiger Woods spielt für Team USA am Ryder-Cup

Bei der allerletzten Gelegenheit hat Tiger Woods die Saison seines erstaunlichen Comebacks auf der PGA Tour gekrönt. (Video: AP)

Der französische Golfverband brauchte denn auch die Unterstützung der öffentlichen Hand (13,7 Millionen Euro), zusätzlicher Sponsoren (11 Millionen Euro) und sogar seiner eigenen Mitglieder, um sein Budget von 41,7 Millionen Euro zu decken. Jeder der über 400'000 lizenzierten Golfer in Frankreich bezahlt dafür von 2009 bis 2022 jährlich drei Euro zusätzlich an den Verband, so kommen allein 17 Millionen Euro zusammen.

Frankreichs Dividenden

Der Aufwand für die drei Spieltage ist gigantisch. In den Parcours nahe Versailles wurden in den vergangenen Jahren 7,5 Millionen Euro investiert, um ihn Ryder-Cup-tauglich zu machen. Die Anlage wird diese Woche rigoros abgeschirmt: Die 51'000 Zuschauer, 7000 Angestellten und etwa 2000 Journalisten und TV-Leute müssen alle in offiziellen Shuttlebussen anreisen. Parkplätze vor Ort gibt es nicht, Fussgänger haben keinen Zugang. Die Zuschauer, die für den Finaltag pro Ticket 199 Euro bezahlen, wurden angewiesen, für Bustransfer und Sicherheitskontrollen sehr viel Zeit einzuplanen.

Für die Veranstalter sollte sich der Aufwand dennoch lohnen. Der Anlass wird in der Region nach Hochrechnungen 226 Millionen Euro umsetzen. Vergangene Ryder-Cups haben zudem gezeigt, dass die Werbewirkung nachhaltig ist und den Golftourismus ankurbelt. Für den französischen Golfverband, den Besitzer der 45 Löcher umfassenden Anlage Le Golf National, könnten die Dividenden noch einige Jahre fliessen.

Der 1990 eröffnete Albatros-Kurs gilt als Prototyp eines Ryder-Cup-Schauplatzes. Viele Löcher werden von kleinen Hügeln gesäumt, wodurch sich eine Amphitheater-ähnliche Stimmung mit natürlichen Tribünen ergibt. Dort wird sich ein internationales Publikum versammeln. Von den 270'000 Fans, die über die Woche erwartet werden, stammen lediglich 43 Prozent aus Frankreich, der Rest verteilt sich auf 90 Nationen, davon etwa 7 Prozent aus den USA. Eine der Hauptattraktionen ist das Merchandising-Zelt, das allein 3800 Quadratmeter gross ist.

Die ganze Welt schaut zu

Der Ryder-Cup, der dieses Jahr mit allen Top-10- und 17 Top-20-Spielern besser besetzt ist als alle Austragungen zuvor, ist aber vor allem eine TV-Veranstaltung. So hat der britische Sender Sky Sports einen eigenen Ryder-Cup-Kanal eingerichtet, auf dem 190 Stunden lang über den Anlass berichtet wird, davon 40 Stunden live. Die US-Rechte gehören bis 2030 NBC. Insgesamt 140 Kameras und 30 Fernsehtürme sollen dafür sorgen, dass jeder einzelne Schlag den Weg in die 620 Millionen Haushalte findet, die in gegen 200 Ländern täglich zugeschaltet sein sollen.

Das Spektakel beginnt schlagartig: Schon am ersten Abschlag werden Tausende für eine Stimmung sorgen, die selbst Stars wie Rory McIlroy und Tiger Woods den Puls hochjagt. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 27.09.2018, 23:41 Uhr

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