Die wichtigsten Antworten vor dem Showdown

Carlsen oder Caruana? Heute muss an der Schach-WM ein Weltmeister her, notfalls im Armageddon.

Das müssen Sie zum Schach-Showdown wissen: Kulturredaktor Linus Schöpfer erklärt. (Video: Fabian Sanginés)

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Warum hat Magnus Carlsen trotz vorteilhafter Stellung am Montag remis angeboten?

Das wurde er auch in London gefragt, denn viele waren erstaunt oder gar verärgert über die frühe Punkteteilung. Der Weltmeister erklärte, er habe sich in der letzten Phase an seine Strategie gehalten, keine Risiken einzugehen. Diese Begründung kann man nachvollziehen, sie wirkt aber auch befremdend. Denn der Norweger ist berüchtigt für Versuche, «Wasser aus einem Stein zu pressen», wie er es ausdrückt.

Weshalb ist die WM auf zwölf klassische Partien beschränkt?

Weil beim Weltschachbund Fide das kommerzielle Denken die Agenda bestimmt. Die russische Firma Agon, die alle offiziellen Anlässe vermarktet, will schlicht ihre Kosten minimieren. Fabiano Caruana würde es vorziehen, über 16 oder 18 Runden zu spielen. Auch Carlsen fände eine solche Lösung besser.

Ist Carlsen heute im Stechen vielleicht doch nicht so favorisiert wie anfangs gedacht?

Die bisherigen Direktbegegnungen sprechen klar für ihn. In der Weltrangliste im Schnellschach liegt er mit 2835 Punkten, im Blitzschach mit 2939 Punkten klar an der Spitze. Caruana hat im Rapid fast 100, im Blitz über 150 Punkte weniger aufzuweisen. Zudem spielt der Norweger im Internet oft stundenlang und leidenschaftlich Partien mit nur einer Minute Bedenkzeit. In der letzten Pressekonferenz sagte er allerdings, dass Caruana ein «sehr, sehr starker Spieler» sei. So ausdrücklich hat er das bis anhin kaum betont. Und weil er ein äusserst aufrichtiger Sportler ist, wirft das ein Licht auf seine Anspannung.

Kann sich Carlsens Müdigkeit auf sein Spiel auswirken?

Sehr müde sind beide, obwohl man es dem Herausforderer weniger ansieht. Viel wichtiger dürften psychologische Komponenten sein. Caruana wirkt wie immer äusserst fokussiert. Bei Carlsen ist seit Monaten ein Hadern mit der Form festzustellen.

Wie ist heute der Ablauf?

Um 16 Uhr beginnt das erste Stechen. Es geht über vier Partien mit maximal 25 Minuten Bedenkzeit pro Spieler und zehn Sekunden Bonus pro Zug. Endet es 2:2, folgen maximal fünf Minimatches über je zwei Partien mit jeweils fünf Minuten Bedenkzeit und drei Sekunden Bonus pro Zug. Sollten auch diese fünf Stechen alle 1:1 ausgehen, wird eine Armageddon-Partie notwendig – benannt nach dem Ort der Entscheidungsschlacht in der Offenbarung des Johannes. Wer die Wahl gewinnt, kann hier Weiss oder Schwarz wählen. Weiss erhält fünf Minuten, Schwarz eine Minute weniger. Dafür muss Weiss gewinnen, sonst ist Schwarz Weltmeister.

Wie schwierig ist es, jetzt auf Schnellschach umzustellen?

Die Profis sind sich das gewohnt, denn in manchen Turnieren werden heute bei Punktgleichheit solche Minimatches angesetzt. Zudem finden international einige Wettkämpfe mit verkürzter Bedenkzeit statt.

Spielt man Schnellschach ganz anders als das normale?

In der Regel versuchen Carlsen und Caruana, die objektiv besten Züge zu spielen, insbesondere, wenn sie auf sehr versierte Konkurrenten treffen. Der Unterschied zum klassischen Schach besteht darin, dass die Varianten nur in wenigen Phasen ausreichend tief durchdacht werden können, weil zum genauen Rechnen schlicht die Zeit fehlt. Dann muss man sich auf die Intuition verlassen oder in der Not Tricks zur Rettung suchen.

Ist der Vorteil von Weiss jetzt noch grösser?

Nicht unbedingt, zumal sich an dieser WM wieder bestätigt hat, dass der Anzugsvorteil weniger Bedeutung hat als früher. Das liegt an den heutigen Möglichkeiten, mithilfe starker Computerprogramme Varianten für beide Farben bis auf zehn, zwanzig oder mehr Züge zu evaluieren. Viel wichtiger wird es im Tiebreak sein, ob einer während der Eröffnungsphase eine Stellung erhält, die er und sein Team tiefer analysiert hat.

Ab 16 Uhr im Liveticker: Der Showdown in London zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana.

Erstellt: 28.11.2018, 13:19 Uhr

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