«Du weisst, dieser Stein muss halten, sonst bist du tot»

Dani Arnolds Ziel ist, dass einmal von ihm und nicht mehr von Ueli Steck gesprochen wird. Er ist auf gutem Weg dazu.

Dani Arnold blickt beim Einstieg hoch zum Matterhorn. Foto: Christian Gisi (Photopress)

Dani Arnold blickt beim Einstieg hoch zum Matterhorn. Foto: Christian Gisi (Photopress)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wann kletterten Sie erstmals ungesichert in eine Höhe, in der ein Absturz tödlich gewesen wäre?
Ich hatte meine Free-Solo-Premiere beim Eisklettern. Das war im Brunnital, unweit von meinem Wohnort Bürglen – ein sehr lässiger Tag. Ich war verdammt nervös und nicht sicher, ob es eine gute Idee war.

In welchem Alter war das?
Relativ spät, wohl mit 20.

Sie gingen ganz alleine los?
Ja.

Und informierten jemanden?
Nein.

Damals wohnten Sie noch bei den Eltern. Was spürten Sie danach: ein schlechtes Gewissen oder Stolz?
Ich weiss nicht, ob meine Eltern je erfahren haben, was ich damals gemacht habe. (denkt nach) Einmal durchstieg ich auch die Clariden-Nordwand solo. Heute kann ich darüber lachen. Damals sagte ich einfach, ich ginge mit einem Kollegen. Das war die «Strategie». Danach sagte ich es ihnen. Sie rühmten mich nicht.

Damals war Free Solo noch kein bekannter Begriff.
Der Begriff Free Solo nicht. Aber dass man Routen alleine machte, das hatte es schon gegeben.

Wie viele Free-Solo-Koryphäen leben heute noch?
Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Free Solo ist enorm faszinierend und verdammt gefährlich. Aber ich hatte in meiner Karriere erst zweimal richtig, richtig Glück – und das war nicht beim Free Solo. Beim Free Solo ist man so parat und konzentriert, dass die Wahrscheinlichkeit, dass etwas schiefgeht, recht klein ist. Klar gibt es Todesfälle. Aber die gibt es auch bei der konventionellen Bergsteigerei – und da sind es nicht wenige.

Beschreiben Sie Ihre Gefühle vor, während und nach einem Free Solo.
Die Zeit davor ist fast am schlimmsten, mit ganz viel Nervosität verbunden. Sie erreicht den höchsten Punkt, wenn ich einen Fotografen oder Filmer frage, ob er Zeit hätte: Dann muss ich mich outen. Davor war es nur ein innerer Prozess. ­Jemanden anzurufen und das Projekt zu schildern, das fällt mir immer noch sehr schwer. Danach werde ich langsam lockerer. Beim Losklettern gibt es dann so etwas wie einen Knall, die ganze Nervosität ist weg. Dann geht es nur noch um die Leistung, wo stehe ich hin, wo gehe ich weiter, brutal konzentriert. Wenn der Finger ein Millimeter zu weit rechts oder links ist, es sich ein wenig anders anfühlt, als ich ­erwartet habe – ich merke alles. Die Rezeptoren sind auf Höchstleistung. Und dann bist du oben – und erwartest die grosse ­Euphorie. Die gibt es aber nicht. Du bist zufrieden, weil du oben bist, dich etwas umsehen kannst. Aber die Euphorie kommt erst Tage oder Wochen später. Dann kommt die Riesen-Zufriedenheit, die enorm lange andauert.

«Das Meer ist mir sehr suspekt, gruselig: Wenn wir da sind, gehe ich höchstens zehn Meter raus.»

Unser Körper stösst in Extremsituationen Adrenalin aus. Das wäre beim Free Solo hinderlich.
Das ist tatsächlich so.

Sie schütten kein Adrenalin aus, weil Sie tief drin überzeugt sind, dass die Situation nicht gefährlich ist?
Ja, die Zweifel sind weg. Das machen wir nun, Punkt.

In welcher Lebenssituation kommt Dani Arnold ans Limit?
Das Meer ist mir sehr suspekt, gruselig: Wenn wir da sind, gehe ich höchstens zehn Meter raus – und schwimme dort parallel zum Strand. Ich könnte mir vorstellen, dass es mir im Urwald ähnlich erginge. Und ich werde auch nie mit dem Velo in die Antarktis fahren oder so.

Zurück zum Free Solo: Wie oft haben Sie schon einen Versuch abgebrochen?
Noch nie.

Ist dieses Klettern fast schon meditativ? Nehmen Sie etwas wahr?
Das schon. Ich bin einfach sehr stark im Jetzt. In der Grandes ­Jorasses, meinem letzten grossen Free-Solo-Projekt, musste ich unterwegs andere Kletterer überholen und im Moment ­reagieren. Ich bin extrem konzentriert, nehme alles um mich wahr. Und bin mir auch sehr ­bewusst: Wenn dieser Stein jetzt nicht hält, dann ist es nicht gut.

Solche Situationen gibt es?
Ja. In der Jorasses gab es viele solche, wo du weisst: Der muss halten, sonst bist du tot. Darum schlägst du vorher daran, testest den Stein.

Video – Dani Arnolds Rekordlauf Video: Youtube

Erlebten Sie es angeseilt schon, dass so ein sicherer Griff wegbrach?
Das gibt es recht oft. Sobald du mehr Sicherheit hast, durch ein Seil oder eine Sicherung, wirst du etwas legerer.

Hat es auf einer Free-Solo-Route Platz für Risiko?
Nein. (denkt noch einmal nach) Nein.

Auch nicht in der Nachbetrachtung?
Bisher nicht, nein. Nur einmal merkte ich, dass etwas ein kleines bisschen anders war. Das war letzte Weihnachten, als ich oberhalb von Kandersteg die Eisroute Beta Blocker kletterte. Sie führt über eine grosse Eissäule. Wenn die abbricht, dann kann ich noch so gut sein, dann ist es vorbei. Dieser Gedanke kam mir, als ich mittendrin war. Das liess mich ein bisschen nervös werden.

«Ich schrieb Steck und Siegrist Mails, ob sie Material hätten, das sie nicht mehr bräuchten.»

Ist in diesem Moment so ein Gedanke gut oder gefährlich?
Ich glaube, er ist gut. Du musst davor aber schon einmal in so einer Situation gewesen sein. ­Damit du weisst, du brichst jetzt nicht in Panik aus, kannst es ­managen. Schaust einfach noch einmal mehr, schlägst mit dem Pickel noch etwas feiner ins Eis. Ich finde es nicht hinderlich.

Beta Blocker ist mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad im Eis bewertet. Später sagten Sie, so etwas würden Sie nie wieder machen. War die Route ein Wendepunkt, weil Sie im Nachhinein merkten, dass Sie nicht mehr ganz hinter dem Entscheid stehen konnten, dort Free Solo zu klettern?
Vielleicht geht es in die Richtung.

Ende Juli durchstiegen Sie die grosse Alpennordwand Grandes Jorasses in der Rekordzeit von 2:04 Stunden – ungesichert. Wie erholen Sie sich von so einem Abenteuer?
Ich war müde, vor allem mental. Für Vorträge und so war ich sehr motiviert, das schon. Aber wenn es ums Bergsteigen ging, da fehlte es etwas an der Motivation.

In die Berge gingen Sie aber?
Klar. Ich bin enorm gerne draussen, in den Bergen unterwegs. Einfach auf einem anderen Niveau. Etwa mit Kunden, als Bergführer.

In 2:04 Stunden durchstieg Dani Arnold am 27. Juli die Grandes-Jorasses-Nordwand. Foto: Keystone (PPR)

Wie setzt sich Ihr Einkommen zusammen?
Ich habe drei Einnahmequellen: Als Bergführer, mit Vorträgen und durch Sponsoren. In letzter Zeit nahmen die Vorträge stark zu, das Sponsoring ist ähnlich geblieben. Führen müsste ich wegen des Einkommens nicht mehr unbedingt. Aber es gibt mir recht viel Unabhängigkeit in ­Sachen Sponsoring. Ein reines Marketing-Projekt, das mir nicht passt, kann ich ablehnen – und stattdessen führen gehen.

Hat man als bekannter Bergsportler einen anderen Tarif als ein gewöhnlicher Bergführer?
Ich bin etwas teurer als der Durchschnitt. Aber nicht viel.

Wie viele Touren machen Sie noch mit Kunden?
In diesem Jahr waren es wohl 80 bis 100. Es waren etwas mehr, weil ich auf keiner grossen ­Expedition war, nie sechs bis acht Wochen am Stück weg – weil ich eben auf ideale Bedingungen an der Jorasses wartete.

2011 nahm Sie eine breitere Öffentlichkeit wahr, als Sie die Eigernordwand in 2:28 Stunden durchstiegen, damals ein neuer Rekord. War das Ihr Plan: So bekannt zu werden und Profi-Bergsteiger zu werden?
Nein, wirklich nicht.

«Vor diesem Erlebnis hatte ich manchmal noch das Gefühl, ich sei der Siebensiech.»

Aber Sie waren sich bewusst, welche Möglichkeiten Ihnen ein Rekord böte.
Natürlich. Ich dachte bei Ueli Steck oder Stephan Siegrist: Es ist sehr cool, was die machen.

Sie schauten zu den beiden Berner Oberländer Extrembergsteigern auf.
Sehr stark! Ich kann mich erinnern, dass ich beiden Mails schrieb, ob sie Material hätten, das sie nicht mehr bräuchten. Ich schickte sie aber nie ab. Damals am Eiger hätte ich nie erwartet, so schnell zu sein.

Sie hatten davor keine Testläufe unternommen.
Nein. Ich ging nur ein Mal solo durch die Eigernordwand – bei jenem Rekord. Davor und danach nie mehr. Natürlich war der ­Rekord irgendwo im Kopf. Aber nicht aktiv. Gar nicht vorbereitet war ich hingegen auf den medialen Rummel danach. Das war komplett neu. Und brachte mich völlig durcheinander. Ich hatte kein Netzwerk, nichts. Danach änderten sich viele Sachen.

Kann man von einem Leben davor und danach sprechen?
Kann man, ja. Plötzlich hatte ich Möglichkeiten, von denen ich nicht einmal geträumt hatte. Ich war vor meiner Bergsteigerzeit professionell Snowboard gefahren, Boardercross, bis ich 2006 knapp die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Turin verpasste. Ich hatte schon da mal 1000 Franken Material-Sponsoring erhalten. Aber das war alles nichts im Vergleich zur Zeit nach 2011, nach dem Eiger-Rekord: Wenn ich danach meinen Namen sagte, gingen andere Türen auf.

Sie leben von Werbeverträgen mit Bergsportunternehmen. Diese sind an Publizität interessiert, an spektakulären Touren. Wenn Sie als Bergführer unterwegs sind, verkauft Ihr Sponsor nicht 1000 neue Jacken. Wie gehen Sie mit diesem Spannungsfeld um?
(denkt nach)

Die Standardantwort wäre: «Es gibt keinen Druck.»
Natürlich will ich etwas zurückgeben. Aber das ist okay. Der meiste Druck kommt von mir selber.

Gibt es Unternehmen, die mehr Druck machen?
Es gibt schon Partner, die sofort grosse Geschichten sehen wollen, andere sind relaxter. Und es kommt auch darauf an, wie der Vertrag aufgebaut ist. Ein Teil ist das Jahresfixum, ein Teil, wie viel PR du für das Unternehmen ­generierst. Du musst schon schauen, dass die Anteile nicht ungleichmässig verteilt sind. Bei mir ist das recht fair. Und wenn du ein bisschen etwas machst, generierst du auch das erforderliche Videomaterial und die Magazinbeiträge. Es gibt aber auch Sponsoren, die nur ein Projekt unterstützen. Das mache ich nicht gerne, weil es für die dann allein darum geht, dass du es schaffst. Dann verdiene ich lieber etwas weniger.

Verdienen Sie besser, als wenn Sie heute noch als Polymechaniker arbeiten würden?
Vermutlich schon, ja.

Warum hat die Extrembergsteigerei eine solche Anziehungskraft, auch auf Nicht-Bergsteiger?
Wir Menschen klettern auch auf einen Baum – die Höhe hat schon immer ihren Reiz gehabt. Ich kann an einem Vortrag ein Bild zeigen, das für mich völlig lächerlich ist – und die Leute finden: «Wow!»

«Wenn die Leute in meinem Umfeld gesund sind, ist das für mich Glück.»

Warum?
Letztlich ist es die Urgewalt der Berge, die beeindruckt.

Fasziniert uns Ihr Tun vielleicht auch, weil Sie sich existenziellen Gefahren aussetzen, derweil im Leben von uns anderen eigentlich nichts mehr passieren kann?
Möglich. Was sicher auch ein Grund ist: Die Alpinismus-­Geschichte ist schon lang. Mit all ihren Gefahren und Tragödien.

Es geht stets um Leben und Tod.
Die Formel 1 wäre auch nicht ­interessant, wenn es nie knallte.

Was ist für Sie Glück?
Wenn die Leute in meinem ­Umfeld gesund sind. Es ist mir sehr wichtig, diesen Anker zu ­haben.

Wann haben Sie in den Bergen Glücksgefühle?
Immer erst nach der Tour. Gäste sind da anders: Die schwärmen auch einmal unterwegs, bei einer Pause, wie schön das alles sei. Das ist es für mich nicht. Ich denke dann bereits an eine blöde Stelle oder eine Schwierigkeit, die noch folgt.

Sie können die unglaubliche Bergwelt, in der Sie sich bewegen, nicht mehr so geniessen.
Finde ich, ja. Ich habe schon so viel erlebt und weiss: Es ist erst fertig, wenn du wieder daheim bist.

Sie erwähnten, dass Sie zweimal richtig Glück hatten in den Bergen. Wann war das?
Das eine Mal in Pakistan: Wir ­biwakierten oben auf einem Gletscherplateau. In der Nacht brach ein grösseres Stück eines Séracs ab, eines Gletscher-Eisturms ­etwas weiter drüben – und dann kam die Druckwelle: Sie hätte unsere Zelte beinahe weggefegt. Wir waren noch fünf, sechs Meter von der Kante entfernt, wo es 500, 600 Meter runterging. Brutal.

Hat Sie das geprägt?
Vor diesem Erlebnis hatte ich manchmal noch das Gefühl, ich sei der Siebensiech. Seither schaue ich die Dinge noch einmal ganz anders an. Das zweite Mal war in Kanada: Ich wollte einen Eisfall Free Solo klettern. Beim Zustieg löste sich eine grosse ­Lawine. Sie riss mich mit, doch am Ende kam ich wieder raus. Aber auf den 200 Metern, während denen ich drin war, wusste ich: Da komme ich selber niemals raus. Keine Chance. Als die Lawine langsamer wurde, wollte ich mit den Händen einen Hohlraum vor dem Mund schaffen: unmöglich, das ist nur schöne Theorie.

Im Laufschritt: Dani Arnold kurz vor der Ankunft am Gipfel des Matterhorns. Foto: Christian Gisi (Photopress)

Nun haben wir fast eine Stunde miteinander gesprochen, ohne dass Ueli Steck zum Thema geworden wäre.
Gut gemacht, das ist eine Seltenheit! (grinst)

Nach dem Rekord an der Grandes Jorasses titelte eine Zeitung: «Schweizer Bergsteiger bricht den Rekord von Ueli Steck». Ist es Ihr Ziel, dass einmal von Dani Arnold und nicht mehr von Ueli Steck gesprochen wird?
Ich glaube schon, doch, ja. Aber nicht um jeden Preis.

Nerven Sie Fragen zu Steck?
Nein. Wir haben nun mal fast dasselbe gemacht. Wobei unsere Ausrichtung schon nicht ganz dieselbe war und ist.

Er war Spitzensportler und Extrembergsteiger, Sie sind mehr der klassische Bergsteiger, der auch Bergführer ist.
Ueli hat das, was wir machen, in der Öffentlichkeit bekannt ­gemacht. Nur dank ihm kann ich auch ein wenig diesen Weg gehen. Das hat er sehr, sehr gut gemacht.

Für die ganz grosse Publizität müssten Sie wie erwähnt zum Mount Everest – oder zumindest auf einen 8000er im Himalaja. Schliessen Sie das kategorisch aus?
Bislang reizte es mich wirklich nicht. Aber es könnte sein, dass ich nächstes Jahr mal auf einen 8000er gehe. Aber nicht etwas Abnormales.

Welches Ihrer Projekt bedeutet Ihnen am meisten?
Auf die Jorasses bin ich sehr, sehr stolz. Weil ich glaube, dass meine Zeit verdammt schnell ist.

Nicht wie an der Eigernordwand, wo Sie nur einen Rekord auf Zeit aufgestellt hatten.
Genau. Und es geht auch nicht mehr lange, bis meine Zeit in der Matterhorn-Nordwand fällt – unterbotene Rekorde gehören zum Spitzensport. Bei der Jorasses wird es aber dauern. Weil da so viel zusammenpassen muss. Das zweite Projekt, auf das ich stolz bin, ist die Route Anubis in Schottland, im 12. schottischen Schwierigkeitsgrad. Ich bin der Einzige, der sie nach der Erst­begehung geschafft hat. Das war recht frech. Zugleich kann man das überhaupt nicht vermarkten, keine Sau kennt die Route. Und sie ist nur lächerliche 40 Meter hoch. Aber es hat keinen Bohrhaken, nichts. Alles ist verschneit, du siehst nichts, kannst in jedem ­Moment zurück auf den Boden fallen. Zur Einordnung: Im Sommer hat die Route Schwierigkeitsgrad 8a+ – und im Winter 12. Das ­erzähle ich gerne in meinen Vorträgen. Alle kennen die grossen Berge, die Zeiten. Doch das Bergsteigen definiert sich für mich immer noch über den Schwierigkeitsgrad und nicht über die Zeit. Auch wenn ich das fast nicht sagen darf, schliesslich ­waren Rekorde sehr wichtig in meiner Karriere.

Erstellt: 26.12.2018, 21:13 Uhr

Eine Antwort auf die grosse Frage hat er selber nicht

Dani Arnold liegt auf einer Wiese und grinst in die Kamera. Rund um ihn ist seine Ausrüstung ausgelegt. Hochalpin wirkt diese nicht, eher für eine ausgedehntere Wanderung geeignet. Doch der Urner brauchte tatsächlich nur diese Hilfsmittel, um die Grandes-Jorasses-Nordwand mit ihren 1200 Höhenmetern zu erklimmen. Zur Einordnung seiner Leistung: Die Grandes Jorasses ist auch für sehr gute Alpinisten eine grosse Herausforderung. Für die fast senkrechte Nordwand benötigen sie meist rund 15 Kletterstunden, in der Regel mit einer Nacht im Biwak. Arnold war nach 2:04 Stunden oben.

Der 34-Jährige erfüllte dabei die Definition von Free Solo, führte nur mit, was absolut nötig war. Bei seinen Rekorden an Eiger und Matterhorn muss man eine Einschränkung machen: Dort kletterte er zwar ebenfalls ungesichert, doch nicht im Free-Solo-Stil. Dieser erlaubt keine Hilfsmittel wie Pickel und Steigeisen, kein Sicherungsmaterial wie Gestältli und Seil, wie Arnold sie dort dabei hatte – aber nicht brauchte.

Letztlich sind das aber eher spitzfindige Definitionsfragen, wie es sie in jeder Fachszene gibt. Entscheidender ist, dass er die Wände ohne Absicherung durchstieg, ein Sturz fatal gewesen wäre.

Diesem Thema widmet sich Arnold auch in seinem biografischen Buch «Warum das alles?» Er beschreibt darin spannend seine Kletterprojekte. Die Antwort auf die grosse Frage bleibt er aber schuldig – er hat selber keine. (ebi.)

Warum das alles? Rekorde und Reflexionen von Extremalpinist Dani Arnold. – 39 Fr. – Bezug via www.daniarnold.ch

Artikel zum Thema

Tod eines Unsterblichen

Ueli Steck war mehr als ein Bergsteiger – ein Forscher im Grenzbereich zwischen Leben und Tod. Ein Nachruf. Mehr...

Ab 40 lauert der Tod

Extrembergsteigen wird mit zunehmendem Alter schwieriger. Diese fünf Alpinisten ereilte dasselbe Schicksal wie Ueli Steck. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Die Kunst des Überlebens: In der Royal Academy of Arts in London schwimmen 50 Ohrenquallen als Teil einer Kunstinstallation in ihrem Aquarium. Die Meerestiere sind einige der wenigen, die vom Klimawandel profitieren. (20. November 2019)
(Bild: Hollie Adams/Getty Images) Mehr...