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«Durchschnaufen, runterfahren, neu planen»

Ralph Stöckli, Missonschef von Swiss Olympic, ist erleichtert – weiss aber, dass einige Sportler vor existenziellen Problemen stehen.

Marco Keller
Der Entscheid bringt ihm nicht weniger sondern mehr Arbeit: Ralph Stöckli. Bild: Keystone.
Der Entscheid bringt ihm nicht weniger sondern mehr Arbeit: Ralph Stöckli. Bild: Keystone.

Noch am Sonntag hatte das IOK angekündigt, sich innert vier Wochen zu entscheiden. Nun fiel die Entscheidung deutlich schneller. Überrascht war man im inneren Kreis von Swiss Olympic nicht, als sich die Nachricht von der Verschiebung der Olympischen Spiele immer schneller verbreitete. Zuletzt hatte der Druck auf das IOK und Japan stetig zugenommen. Und noch am Montag hatte auch Swiss Olympic in einem Brief nachdrücklich gefordert, ein neues Datum festzulegen.

Ganz so schnell hatte Ralph Stöckli dann aber doch nicht mit einem Grundsatzentscheid gerechnet. «Ich bin erleichtert und positiv überrascht. Das nimmt auch Druck von den Athleten», sagt der Chef de Mission, «für einen Anlass dieser Grösse und ein solch komplexes System sind zwei Tage enorm schnell.»

Olympischer Geist nicht mehr gegeben

Seit einiger Zeit hatte Stöckli sich mit einer möglichen Verschiebung beschäftigt. Immer mehr war der Entscheid gereift, dass es nur diese Variante gibt, weil die Chancengleichheit überhaupt nicht mehr gegeben war. Stöckli sagt es so: «Faire Spiele im Sinne des olympischen Geistes wären im Juli und August nicht mehr möglich gewesen.»

Mehr Klarheit haben nun die Athleten, auch wenn das neue Datum wohl erst im nächsten Monat bekannt wird. Sie alle waren im Ungewissen, mussten aber weiter trainieren, obwohl das grosse Fernziel in immer weitere Ferne rückte und sich die Sinnfrage stellte. Stöckli hat eine klare Botschaft an sie: «Sie sollen durchschnaufen, runterfahren und sich dann mit einer klaren Planung neue Ziele setzen.»

Fechter Steffen macht weiter

Für fast alle Athleten ist das Rendez-vous unter den fünf Ringen klarer Karriere-Höhepunkt, am Ende jedes Vierjahreszyklus gibt es Rücktrittswellen. Stöckli wünscht sich, dass nun niemand vorschnell aufgibt: «Hoffentlich warten alle den endgültigen Entscheid ab. Die Tatsache, dass die Spiele innerhalb eines Jahres nachgeholt werden, dürfte viel Energie geben.» Ein erster Spitzenathlet wird weitermachen: Fechter Benjamin Steffen gab in den sozialen Medien bekannt, dass er sein Karriereende hinauszögert.

Corona verlängert seine Karriere um ein Jahr: Benjamin Steffen (links) macht weiter. Bild: Keystone.
Corona verlängert seine Karriere um ein Jahr: Benjamin Steffen (links) macht weiter. Bild: Keystone.

Für viele Schweizer, die in ihren Disziplinen auch in guten Jahren kaum Geld verdienen, dürften sich in nächster Zeit existenzielle Probleme stellen. Stöckli weiss um diese Problematik: «Wie die anderen Branchen werden auch die Sportler leiden.» Gefordert seien vor allem die einzelnen Verbände, bei Härtefällen wolle aber auch Swiss Olympic helfen, sagt Stöckli: «Wir machen alles, was möglich ist.»

Die Sache mit der Qualifikation

Eine neue Situation ergibt sich auch punkto Selektionen. Einige Athleten hatten ihr Ticket bereits auf sicher, andere einen Quotenplatz geholt, dritte noch nicht einmal ihre Qualifikationswettkämpfe bestritten. Stöckli steht wie alle anderen noch vor Fragezeichen: «Vieles muss neu beurteilt werden, es wird auch viele Gespräche mit den internationalen Verbänden geben.»

Für den Ostschweizer und die Mitarbeiter von Swiss Olympic bedeutet dieser Entscheid auch, dass sie vor einer enorm anspruchsvollen Zeit stehen. Mit Tokio 2021 und Peking 2022 stehen innert weniger Monate zweimal Olympische Spiele an, das gab es seit 1992 nicht mehr. «Beide Grossanlässe binden viele Ressourcen, und das ist eine Herausforderung, aber die werden wir stemmen.»

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