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Egan Bernal schreibt Tour-Geschichte

Erster Kolumbianer auf dem Tour-Thron, dazu jüngster Gesamtsieger seit Jahrzehnten – Egan Bernal steht für die Zukunft im Radsport.

28. Juli, 21. und letzte Etappe, Rambouillet - Paris, 128 km Ein Schlückchen auf den Sieg: Gesamtleader Egan Bernal gönnte sich den obligaten Schluck Champagner auf dem letzten Teilstück der Frankreich-Rundfahrt.
28. Juli, 21. und letzte Etappe, Rambouillet - Paris, 128 km Ein Schlückchen auf den Sieg: Gesamtleader Egan Bernal gönnte sich den obligaten Schluck Champagner auf dem letzten Teilstück der Frankreich-Rundfahrt.
Thibault Camus, Keystone
Der Kolumbianer krönte sich in Paris zum ersten kolumbianischen Tour-de-France-Sieger. Zudem ist er der jüngste Gesamtsieger in der Nachkriegszeit.
Der Kolumbianer krönte sich in Paris zum ersten kolumbianischen Tour-de-France-Sieger. Zudem ist er der jüngste Gesamtsieger in der Nachkriegszeit.
Justin Setterfield/Getty Images
Michael Schär fährt beim polnischen CCC-Team.
Michael Schär fährt beim polnischen CCC-Team.
Keystone
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Direkt hinter dem Zielstrich auf den prachtvollen Champs Élysées fiel Egan Bernal seiner Verlobten Xiomy in die Arme, dann vergoss der Tour-de-France-Sieger Tränen der Freude. «Für Kolumbien ist das ein grosser Tag. Wir haben so viel Tradition. Viele haben versucht, die Tour zu gewinnen. Jetzt bin ich der Erste. Das ist ein unbeschreibliches Glücksgefühl», sagte Bernal, als die kolumbianische Radsport-Party im Schatten des Arc de Triomphe ihren Höhepunkt erreicht hatte. Als erster Südamerikaner und noch dazu als jüngster Radprofi der Nachkriegsgeschichte gewann das Jahrhunderttalent am Sonntag die Frankreich-Rundfahrt.

Schon auf seiner Tour d'Honneur hatte sich Bernal vor lauter Glück gleich mal zwei Gläschen Champagner genehmigt. «Ich werde ein paar Tage brauchen, um das zu realisieren», ergänzte Bernal. Grössen wie Bernard Hinault sprechen bereits von einer neuen Zeitrechnung.

Die Schlussetappe über 128 Kilometer von Rambouillet nach Paris entschied am Sonntag der Australier Caleb Ewan im Sprint für sich.

Bernals Meisterstück auf 2365 Metern über Meer

Das Gesamtklassement war da schon längst zementiert. Auf dem 2365 Meter hohen Gipfel in Val Thorens vollendete Bernal am Samstag sein Meisterstück. Mit 22 Jahren und 196 Tagen ist der Mann aus Zipaquira der jüngste Tour-Champion seit 1935 – und nicht wenige Experten glauben, dass noch einige Siege folgen werden. «Wenn man einmal die Tour gewonnen hat, will man immer mehr. Das ist wie eine Droge», sagte Bernal, der seinen zweitplatzierten Teamkollegen Geraint Thomas entthronte und damit die Ineos-Dominanz mit dem siebten Sieg der britischen Mannschaft in acht Jahren bei der Tour fortsetzte.

So ertönte auf dem Prachtboulevard erstmals die kolumbianische Nationalhymne bei der 106. Auflage der Frankreich-Rundfahrt. «Ich bin sehr stolz darauf, das geschafft zu haben. Ich kann es kaum erwarten, das Trikot nach Kolumbien zu bringen», sagte Bernal, der die Tradition der exzellenten kolumbianischen Bergspezialisten fortsetzte. Bei fünf Bergankünften war die Tour wie gemacht für das 60-Kilogramm-Leichtgewicht, das in 2650 Metern Höhe aufgewachsen ist.

Passenderweise hatte Bernal am Freitag auf dem fast gleich hohen Col de l'Iseran das Gelbe Trikot erobert. Gerade noch rechtzeitig, ehe an einem denkwürdigen Tag heftige Wetterkapriolen und eine riesige Schlammlawine zum Abbruch der Etappe führten. An diesem Tag wurde die Grande Nation aus allen Tour-Träumen gerissen. Nicht nur dass Julian Alaphilippes Triumphfahrt in Gelb nach 14 Tagen endete, auch Bergspezialist Thibaut Pinot musste mit einer Muskelverletzung aufgeben.

Frankreich wartet weiter

So muss Frankreich auch 34 Jahre nach dem letzten Hinault-Sieg weiter auf einen Triumph beim Nationalheiligtum warten. Und der letzte französische Champion macht seinen Landsleuten wenig Hoffnung auf Besserung. Bernal könnte es weiter bringen als alle Fünffach-Sieger, meinte Hinault. Ähnlich sieht es Thomas: «Er ist dazu geboren, um schnell zu fahren.»

Ob der Generationenwechsel tatsächlich eingeleitet ist, wird sicher auch davon abhängen, ob Vierfach-Champion Chris Froome nach seinem schlimmen Sturz im Vorfeld der Tour noch einmal zurückkommen kann.

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