Ein alter Fuchs bringt neue Ideen

Kein Springreiter hat sich je so gut vermarktet wie Markus Fuchs. Sein Know-how bringt er zum richtigen Zeitpunkt beim CSIO St. Gallen ein.

Italien, Katar, Ukraine, St. Gallen: Markus Fuchs (62) ist ein Weltreisender in Sachen Pferdesport und schmiedet für den CSIO Allianzen. (Bild: Katja Stuppia)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Rummel war gross. Es schien, als sei halb St. Gallen auf den Beinen, um Markus Fuchs zu verabschieden. 2009 beendete er seine eindrückliche Karriere im Springsattel. Zuvor reihte er 40 Jahre lang Sieg an Sieg; verdiente dabei über 10 Millionen Franken und ist gemessen am Preisgeld bis heute der erfolgreichste Springreiter des Landes. Vor seinem Rücktritt war der fünfmalige Olympiateilnehmer ein Jahrzehnt in den Top Ten der Weltrangliste und führte diese mehrere Monate an.

Das Publikum, das ihn nach seinem letzten Ritt auf dem Gründenmoos mit Freibier feierte, liebte ihn für seinen Kampfgeist, den Siegeswillen und den Mut zum Risiko. Für die St. Galler ist der Zürcher Oberländer einer der ihren, seit er 22-jährig einen Reitstall in St. Josefen, in der Nähe des Turniergeländes, übernahm. Peter Stössel, der umtriebige CSIO-Präsident, holte den Kaufmann schon während dessen Aktivzeit als Berater ins OK. «Doch ich konnte mich nie so einbringen, wie ich das gerne getan hätte, ich war immer unterwegs», erinnert sich Fuchs.

Das galt auch für die ersten Jahre nach seiner Sportkarriere. Als Nationalcoach führte er die Italiener zu EM-Silber. Dann half er, den Springsport in Katar voranzubringen, trainierte die Reiter der Vereinigten Arabischen Emirate und für kurze Zeit die ukrainische Equipe. Sein jüngerer Bruder Thomas coacht die Schweizer Springreiter, doch er selbst liess sich seit letztem Sommer nicht mehr verpflichten. Obwohl es Angebote von Nationen wie Belgien gab. «So bin ich nun ab und zu ein Wochenende zu Hause», sagt der 62-Jährige, zückt sein Handy und zeigt stolz Fotos seiner drei Enkel. «Ich geniesse die Zeit mit ihnen und möchte nachholen, was ich bei meinen Söhnen verpasste.»

Ein schlagkräftiger Springstall für Prinzessin Haya

Heute berät Markus Fuchs noch einige Einzelreiter, wie die Italiener Luca Moneta und Piergiorgio Bucci oder den Aargauer Walter Gabathuler. Er handelt nach wie vor mit Pferden, und die jordanische Prinzessin Haya, eine der Ehefrauen des Herrschers von Dubai, hat ihn unlängst damit beauftragt, einen schlagkräftigen Springstall aufzubauen. Doch seine Zeit kann er nun freier einteilen. Und auch seine Funktion als Sportchef des CSIO wahrnehmen: «Nun kann ich endlich meine Erfahrung und Ideen einzubringen.» Dazu fühle er sich moralisch verpflichtet: «Ich bin dem Turnier stark verbunden.»

Der Zeitpunkt für das Engagement des profunden Kenners der Reitsportszene ist optimal. Dem CSIO weht ein rauerer Wind entgegen. Die Konkurrenz ist gross geworden, immer mehr Turniere teilen sich die Reiter, die Zuschauer und die Sponsorengelder. Das hat Folgen: Allein in der Schweiz hat sich die Anzahl der Fünfsternturniere in diesem Jahr wieder halbiert: Der CSI Zürich fand zum letzten Mal statt, und die Turniere in St. Moritz und Lausanne mussten abgesagt werden.

«Der CSIO hat in St. Gallen einen ­guten Rückhalt und als Nationenpreis-Turnier eine Sonderstellung, aber wir müssen für die Teilnehmer und Zuschauer attraktiv bleiben», sagt Fuchs. Für viele Reiter ist die Nationenpreis-Serie nicht mehr gleich anziehend wie das grosse Geld, das es woanders zu gewinnen gibt. Beim Turnier der Global Champions Tour in Saint-Tropez, das ­parallel stattfindet, sind 28 Reiter aus den Top 50 der Weltrangliste am Start – in St. Gallen sind es nur acht.

Gratisplätze für mehr Nichtrösseler auf dem Gründenmoos

Der Sportchef regte deshalb Verbesserungen im sportlichen Programm an: Vielseitiger, um ein Springen gekürzt, und neu gibt es in 7 von 9 Prüfungen Rankingpunkte zu gewinnen. Schon als Reiter konnte sich der geschäftstüchtige Fuchs optimal vermarkten: Er schloss Sponsorenverträge über 5 Millionen Franken ab – eine Summe, die selbst heute von kaum einem Pferdesportler erreicht wird. Ähnlich erfolgreich weibelte er nun für das Turnier. Als neuer Präsident der Gönnervereinigung gelang es ihm in kurzer Zeit über 40 neue Mitglieder zu gewinnen, darunter die Tennisspielerin und Amateur-Springreiterin Martina Hingis.

Für eine CSIO-Allianz überzeugte er ein halbes Dutzend Privatpersonen, das Turnier während dreier Jahre mit einer namhaften Summe zu unterstützten. Das wiederum ermöglichte eine andere Aktion, die Fuchs am Herzen lag: Gestern waren die Stehplätze erstmals gratis. «Es sollen wieder mehr Nichtrösseler und Familien mit Kindern auf das Gründenmoos kommen und sich für den Springsport begeistern», sagt Markus Fuchs und wünscht sich künftig an jedem Turniertag eine Volksfeststimmung wie bei seinem Rücktritt.

Erstellt: 03.06.2018, 08:29 Uhr

Artikel zum Thema

Willi Melliger ist tot

Der frühere Weltklasse-Springreiter verliert seinen letzten Kampf. Er stirbt im Alter von 64 Jahren. Mehr...

Ausnahmekönner im Pferdesattel

Springreiter Willi Melliger ist nach einem Hirnschlag verstorben. Ein Nachruf. Mehr...

Steve Guerdat muss sich neuen Stall mit altem Mieter teilen

Nächste Woche will Springreiter Steve Guerdat mit seinen Pferden von Herrliberg nach Elgg ziehen. Doch in seinem neuen Stall besetzt der alte Pächter Stall und Wohnhaus. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Geldblog Bleibt meine Hypothek im Alter tragbar?

Mamablog Was Neu-Eltern nie mehr hören wollen

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Im Wiederaufbau: Das Sonnenlicht am frühen Morgen scheint auf die Kathedrale Notre-Dame in Paris. (16. September 2019)
(Bild: Ian Langsdon) Mehr...