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Ein jähes Ende für den Abenteurer

Ernst Bromeis wollte 900 Kilometer durch den Baikalsee schwimmen. Nun muss er wegen Herz-Rhythmus-Problemen nach 60 Kilometern aufgeben.

Ultraschwimmer Ernst Bromeis hatte einen grossen Plan.
Ultraschwimmer Ernst Bromeis hatte einen grossen Plan.
Raisa Durandi
Für sein Experiment mit dem Durchschwimmen des 900 Kiolometer langen Baikalsees in Sibirien trainierte der Engadiner monatelang im Walensee.
Für sein Experiment mit dem Durchschwimmen des 900 Kiolometer langen Baikalsees in Sibirien trainierte der Engadiner monatelang im Walensee.
Raisa Durandi
Bromeis wollte sein ehrgeiziges Ziel in 60 Tagen erreichen. Nun muss er bereits nach zehn Tagen aufgeben.
Bromeis wollte sein ehrgeiziges Ziel in 60 Tagen erreichen. Nun muss er bereits nach zehn Tagen aufgeben.
Raisa Durandi
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Es war ein Wagnis, ein grosses, selbst für einen wie ihn. Einen wie Ernst Bromeis, den Extremschwimmer, der im Walensee an einem schlechten Tag fünf und an einem guten Tag zwölf Kilometer schwimmt. Einen Sportler, der das Wasser jedoch nicht mehr länger als Sportgerät begreifen wollte, sondern dem See seinen höchsten Respekt entgegenbrachte. Und so mit der Idee aufkam, den ältesten See der Welt zu durchschwimmen, den Mount Everest der Szene, den Baikalsee.

Nach mehr als zwei Jahren der Vorbereitung ist das Projekt nun nach wenigen Tagen gescheitert. Der Engadiner Bromeis musste die Expedition Anfang Woche abbrechen – den 51-Jährigen plagten Herz-Rhythmus-Störungen. 60 von den 900 geplanten Kilometern hat er zurückgelegt, gut war er unterwegs, der Start gelang ihm wunschgemäss.

Nach einigen Tagen aber schlief Bromeis nicht mehr ruhig, «mein Herz raste in den Ruhephasen», erklärt er. An Schlaf war nicht zu denken, tagsüber fehlte es ihm an Energie. Und es blieb ein hinderliches Gefühl der Unsicherheit, denn Herzprobleme alleine im offenen Wasser können sofort verheerend sein.

Und alleine wäre Bromeis viel unterwegs gewesen. Am abgelegenen, einsameren rechten Ufer des Sees wollte er entlangschwimmen, manchmal für Tage allein, nur ausgerüstet mit dem Nötigsten, das er auf einem Floss hinter sich her zog. Bromeis hatte sich bewusst für diese ursprüngliche Form der Expedition entschieden, ohne Begleitung im Wasser, nur mit Beistand an Land. «Das ist für mich eine Frage des Auftritts. Komme ich als Kolonialist und erobere diesen See? Oder gehe ich da hin, rede mit den Leuten, will wissen, wie der See ist – und wage mich dann an ihn heran?», sagte er noch im Mai, bevor er Ende Juni Richtung Sibirien aufbrach.

Jetzt ist Bromeis' Abenteuer jäh zu Ende. Östlich der Stadt Baikalsk musste er die Expedition abbrechen, in diesen Tagen fliegt er zu medizinischen Abklärungen in die Schweiz zurück. In Sibirien war Bromeis auch als Wasserbotschafter unterwegs, Hauptsponsor des Projekts war ein industrieller Hersteller von Wasserfiltern.

Bereits 2012 musste er einmal aufgegeben

Der Baikalsee war nicht das erste Projekt von UItraschwimmer Bromeis. 2012 muss er den Versuch, den Rhein von der Mündung bis zur Quelle zu durchschwimmen, wegen Übermüdung und zu viel Schiffsverkehr aufgeben. 2014 nahm er das Projekt erneut in Angriff – und reüssierte. «Wir haben das Projekt zu keiner Zeit unterschätzt», sagte er damals. Bromeis wies bei seinen Schwimm-Expeditionen stets erstaunliche Zeiten aus, selbst beim gescheiterten Projekt 2012 schwamm er die 100 Meter zum Teil in weniger als 1:30 – bei einem Dutzend Kilometer pro Tag.

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