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Über zehn Millionen Dollar für Schweizer Basketballer

Thabo Sefolosha kann auf den lukrativsten Vertrag seiner Karriere hoffen – die Gründe.

Mit Schwung und Zug sucht Thabo Sefolosha den Korb. Als NBA-Veteran mit viel Wissen und Spielverständnis bezeichnet er sich selbst. Foto: Vaughn Ridley (Getty Images)
Mit Schwung und Zug sucht Thabo Sefolosha den Korb. Als NBA-Veteran mit viel Wissen und Spielverständnis bezeichnet er sich selbst. Foto: Vaughn Ridley (Getty Images)

Thabo Sefolosha fällt nicht besonders auf. Weder hat er überdimensional muskuläre Schultern wie Center Dwight ­Howard, noch einen solch schnellen ersten Schritt wie Spielmacher Dennis Schröder. Auch mit seinen Massen von 2,01 Meter und 99 Kilogramm ist er eher Durchschnitt. Wer sich jedoch im Team umhört, merkt schnell, wie wichtig, ja fast schon unverzichtbar, der Schweizer für sein Team, die Atlanta Hawks, ist.

«Um in dieser Liga zu gewinnen, musst du verteidigen können. Und er ist in den vergangenen zehn Jahren einer der besten Verteidiger gewesen», lobt Howard. Auch Schröder hebt Sefoloshas «unglaublich wichtige Arbeit» in der ­Defensive hervor, während Trainer Mike Budenholzer darauf verweist, wie sehr jeder den 32-Jährigen respektiere und wisse, dass er in jedem Spiel alles gebe.

Nun gilt Anfang März in Nordamerikas Basketball-Liga NBA nicht als die Zeit, in der viele Vertragsgespräche geführt werden. Dennoch wissen sie bei den Hawks, dass Sefoloshas Kontrakt am 30. Juni dieses Jahres endet. Wie geht es mit ihm weiter? Bleibt er? Verlässt er die Hawks nach drei Saisons?

Er versuche, sagt Sefolosha, «nicht allzu sehr daran zu denken». Jeden Tag seine Arbeit verrichten, im Jetzt leben und nicht zu weit nach vorne schauen – so habe er es in den vergangenen elf Jahren auch gemacht und sei gut damit gefahren. Warum sollte der Flügelspieler also ausgerechnet jetzt etwas daran ändern? Ausserdem gehe es darum, mit den Hawks eine gute Ausgangsposition für das Mitte April beginnende Playoff zu erreichen. Und deshalb überlässt ­Sefolosha Gespräche und Verhandlungen seinem Agenten, Guy Zucker.

12 Milliarden für die Spieler

Doch egal, ob Zahlen und Zukunft ihm nun gleichgültig sind oder schlaflose Nächte bereiten, der Waadtländer wird im Sommer den lukrativsten Vertrag seiner Karriere unterschreiben. Das liegt weniger an ihm als an einem fulminanten Fernsehkontrakt. Die TV-Sender ESPN und TNT sicherten sich für neun Jahre die Übertragungsrechte, zahlen der NBA dafür 24 Milliarden Dollar. Gemäss des Arbeitstarifvertrags fliessen zwischen 49 und 51 Prozent dieser ausufernden Summe auf die Spielerkonten.

«Rollenspieler werden mehr als 10 Millionen Dollar pro Jahr verdienen», hatte «CBS Sports» bereits im Sommer prognostiziert. Sefolosha ist einer der Rollenspieler: Er bekommt nicht den Ball, wenn sein Team in der Schlussphase unbedingt treffen muss, um ein Spiel zu gewinnen. Vielmehr als wuchtig zum Korb zu ziehen, wird von ihm erwartet, einen Rebound unter dem eigenen Korb zu pflücken oder den Gegner in der Defensive zu stoppen.

Sefolosha spielt seine elfte NBA-Saison, hat bislang knapp 34 Millionen Dollar verdient. Diese Summe könnte er nun mit seinem neuen Kontrakt einstreichen. Er strebt einen «Vertrag über drei bis vier Jahre an», wie er selbst sagt. Eine derartige Laufzeit garantiere Stabilität und sei auch eine Art Absicherung. Sefolosha spricht von «vielen verschiedenen Faktoren», die seine Entscheidung beeinflussen. Basketball stehe natürlich an erster Stelle. Aber in seinem Alter geht es eben auch um die Familie – und dabei gar nicht mal so sehr um die finanzielle, sondern die soziale Komponente.

Zusammen mit Ehefrau Bertille hat Sefolosha zwei Töchter. Lesedi ist 8, ­Naledi 7. Es ist kein Geheimnis, dass Vereinswechsel komplizierter werden, ­sobald Kinder involviert sind. Mit jedem Umzug werden sie aus ihrer vertrauten Umgebung geholt, verlieren Freunde, müssen sich an eine neue Schule und Nachbarschaft gewöhnen. Die Sefolo­shas leben in Buckhead, jenem Stadtteil Atlantas, der bekannt ist für seine hügeligen Strassenzüge, für grosse, schöne Häuser mit klassischem Südstaaten-Charme. Seine Familie sei dort sehr glücklich, betont Sefolosha und sagt, man werde sich «als Familie zusammensetzen und gucken, was möglich ist».

Mike Budenholzer würde «gerne mit Thabo weiterarbeiten». Und wenn der Trainer über seinen Schweizer Small Forward spricht, hebt er vor allem dessen Playoff-Erfahrung hervor. Sefolosha hat 88 K.-o.-Runden-Partien absolviert, von allen Hawks-Profis kommt lediglich Dwight Howard (89) auf mehr.

Sefolosha räumt mit einem Lächeln ein, dass er nicht jünger werde, allerdings ist ihm auch klar, was er trotz seiner bald 33 Jahre noch zu bieten hat: «Ich bin ein Veteran, bringe viel Basketball-Wissen und Spielverständnis mit, kann junge Spieler anleiten. Und ich habe immer noch die Athletik und die Energie, die ich in meiner gesamten Karriere hatte.»

«Noch jede Menge in mir»

Sefolosha weiss, dass er jetzt anders agieren muss als noch vor zehn Jahren. Er kennt das Spiel, und er kennt vor ­allem seinen Körper, ist sich bewusst, wann dieser eine Pause braucht. Er bezeichnet sich als «sehr glücklich», denn er könne immer noch den täglichen NBA-Belastungen standhalten. Und dann fügt er noch einen Satz an, der so typisch ist für diese Liga der Muskelprotze und Selbstdarsteller – und der als Fingerzeig Richtung Atlanta oder aller anderen Teams gedeutet werden kann. «Ich fühle, dass ich noch jede Menge in mir habe.»

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