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Ein Schweizer Multitalent überrascht die Squashszene

Dimitri Steinmann träumte als Kind von Olympia – und entschied sich trotzdem für eine Squashkarriere. Dabei helfen ihm auch die Erfahrungen seiner Eltern.

Durchbruch in Australien: Dimitri Steinmann, 20. Foto: PD
Durchbruch in Australien: Dimitri Steinmann, 20. Foto: PD

n der hiesigen Squashszene: Die Profivereinigung PSA kürte einen Schweizer zum Spieler des Monats September. Und nicht den auf Platz 24 der Weltrangliste klassierten elffachen nationalen Meister Nicolas Müller, sondern den 20-jährigen Dimitri Steinmann. Gewöhnlich geht diese Auszeichnung an die grossen Stars der Szene, doch dass einer wie Steinmann gleich zwei Turniere am Stück ­gewinnt, kommt nicht alle Tage vor in dieser physisch und koordinativ so fordernden Sportart.

Steinmann – da war doch was? Richtig: Dimitris Vater Peter nahm an drei Olympischen Spielen teil, gewann zweimal WM-Silber und einmal den Weltcup der Modernen Fünfkämpfer. Mutter Claudia schaffte es als Synchronschwimmerin ebenfalls auf die olympische Bühne. Der Sohn ist mehrfach begabt, versuchte sich mit Erfolg beim Fechten und Schwimmen – geblieben ist er aber beim Squash. Ausgerechnet: Die World Squash Federation scheiterte in den letzten zwanzig Jahren wiederholt mit ihren Bemühungen um Aufnahme ins Olympiaprogramm.

Überglücklich im Nationalkader

Dass Squash nicht olympisch ist, habe seine Entscheidung nicht beeinflusst, sagt Dimitri Steinmann. Obwohl es schon als Kind sein Ziel gewesen sei, einmal an Olympischen Spielen dabei zu sein. «Nachdem ich mit zwölf ins Junioren-Nationalkader von Swiss Squash aufgenommen wurde, war ich überglücklich. Noch ein halbes Jahr bin ich nebenher zum Fechten gegangen, habe dann aber nur noch auf eine Karte gesetzt.»

Mit 15 absolvierte er sein erstes Spiel in der Nationalliga A, mit 18 – als Dritter der Schweizer Meisterschaften – folgte der Sprung ins Profilager. «Ich dachte immer, dass der Übergang zu den Profis enorm schwierig sein würde, bis ich an zwei internationalen Turnieren in Kriens gegen deutlich ­höher klassierte Kontrahenten gewann und merkte: Da geht etwas», erinnert sich Steinmann.

Eine ärgerliche 2:3-Niederlage gegen den deutschen Top-50-Profi Raphael Kandra in diesem Frühjahr habe ihm dann endgültig gezeigt, dass er gute Perspektiven besitze. Ab der kommenden Woche ist der NLA-Spieler des SC Sihltal in Australien im Einsatz. Dort, wo er im September seine ersten beiden PSA-­Titel gewann. Steinmanns Trainer, der frühere Top-15-Spieler John Williams, hofft, dass sein Schützling gleich noch einmal eine Trophäe heimbringen wird. Oder besser gleich zwei.

Der Australier, 2001 mit seinem Land Team-Weltmeister, traut der Nummer 102 der Weltrangliste bis Ende Jahr eine Platzierung um Position 75 zu, die Top 50 hält er bis kommenden Sommer für realistisch. «Die Physis ist seine grösste Stärke – und der Lohn für die enorme Trainingsdisziplin, die er seit Jahren beweist», erklärt Williams. «Er kann aus der T-Position in der Mitte des Courts ein enormes Tempo diktieren.» Ironischerweise habe die heraus­ragende Fitness aber auch eine Kehrseite. «Wenn er sich zu sicher ist, dass er jeden Ball holt, kann er in Schwierigkeiten geraten. Vor allem, wenn er gegen Topspieler zu früh angreift.»

Steinmann bezeichnet den im Schlieremer Vitis-Center tätigen Williams als Glücksfall und seinen Mentor als einen, der ihn auch auf menschlicher Ebene bestens verstehe. Die erste Ansprechperson in sportlichen Dingen sei aber seit jeher sein Vater Peter. «Er kennt mich wie kein Zweiter und kann auch nachvollziehen, wie man sich als Athlet fühlt. Seine Ratschläge sorgen dafür, dass ich mich selber nicht zu sehr unter Druck setze.» Ein guter Punkt: Eltern, die selber keine Sportler waren, versuchen oft, über ihre Kinder Versäumtes nachzuholen. In der Olympionikenfamilie Steinmann ist solch falscher Ehrgeiz kein Thema.

Müller ist nicht der Fokus

Er habe deshalb den acht Jahre älteren, schon zu Juniorenzeiten enorm erfolgreichen Nicolas Müller nie als direkten Orientierungspunkt angesehen, sagt ­Dimitri Steinmann. Von dessen Verbindungen profitiere er aber gleichwohl sehr. «Wir haben den ganzen Sommer über in Paderborn, dem Zentrum des deutschen Squashsports, trainiert. Dort hatte ich mit Kandra und dem Weltranglistenzwölften Simon Rösner zwei weitere exzellente Trainingspartner.»

John Williams hofft, dass Steinmann bald weitere grosse Fortschritte macht. «Auch, weil Nicolas Müllers Position als Nummer 1 der Schweiz dann erstmals in Gefahr geraten würde und er dann noch härter trainieren müsste. Es wäre also doppelt gut für das Schweizer Squash.»

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