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Endlich Abschlag

Selbst das Vorgeplänkel zum 40. Ryder-Cup zog die Golfwelt längst in seinen Bann. Ab heute wird nun in Schottland zwischen Titelverteidiger Europa und den USA richtig gespielt.

Zuschauermassen schon im Training – hier um Rory McIlroy. Foto: Reuters
Zuschauermassen schon im Training – hier um Rory McIlroy. Foto: Reuters

Der Wind weht stramm im schottischen Norden. Es ist kalt, nicht sonderlich gemütlich auf diesem Golfplatz, der in der Grafschaft Perthshire, in den Ausläufern der Highlands liegt. Es wird ernst bei diesem 40. Ryder-Cup für Europa mit der Titelverteidigung.

«Ich bin schon seit Wochen bereit, ich bin froh, dass es endlich losgeht», ­sagte Ian Poulter vor seiner letzten Trainingsrunde auf dem Centenary Course. Der Brite ist kein Spieler, der bei einem Ryder-Cup noch zusätzliche ­Anreize benötigt. Aber es gehört zu den Eigenheiten dieses Kontinentalwettkampfs zwischen Europa und den USA, dass Zuschauern wie Teilnehmern emotionales Tamtam aus jeder Ecke entgegenschlägt. Während Poulter also zu Beginn der letzten Proberunde seinen Abschlag vor ­einer Tribüne mit knapp 2000 Menschen die erste Bahn hinunterspielt, dröhnt aus dem Hintergrund der ­Trommelwirbel ­einer schottischen Band, und auf einer Videoleinwand links des ersten Lochs flimmern Bilder ehe­maliger Ryder-Cups.

«Für einen Spieler wie für einen Captain sind es einfach unvergessliche ­Momente, wenn man für sein Team kämpft, für sein Land und für all die Menschen seines Kontinents» – das Zitat des inzwischen verstorbenen Spaniers Seve Ballesteros prangt daneben übergross auf einer Leinwand. Es lässt die Fans wissen, dass der Kampf um die kleine Gold­trophäe, die der britische Samenhändler Samuel Ryder 1927 stiftete, das Erlebnis schlechthin darstellt für Profigolfer, die ansonsten tagein, tagaus bei Einzel­turnieren allein den Erfolg suchen.

Ein Dschungel für Neulinge

Martin Kaymer hat gelernt, sich in diesem Tumult wohlzufühlen. Der 29-jährige Deutsche ist inzwischen wie die meisten seiner elf Mitstreiter mit den Eigenheiten eines Ryder-Cups vertraut. Was Europas Neulinge Victor ­Dubuisson, Stephen Gallacher und Jamie Donaldson erwartet, ist ihm ebenso bewusst. «Beim Ryder-Cup am ersten Abschlag zu stehen – das war für mich 2010 sehr einschüchternd. Das war einfach zu viel. Ich konnte mit der ganzen Situation überhaupt nicht umgehen, sie nicht auf eine positive Art und Weise nützen», sagte er. «Es war für mich eine Ablenkung, erst einmal mit den ganzen Menschen­massen umzugehen. Ich weiss gar nicht, wie ich es erklären soll, aber es war ein bisschen, als wenn man im Dschungel spielen würde, ohne klaren Kopf, ohne dass man weiss, was man wirklich tut.»

Der Dschungel hat sich gelichtet. Die systematische Arbeit des Captains Paul McGinley erzeugt bei Europas Spielern positives Echo: Der Ire gibt sich wie schon in den Monaten vor dem Ryder-Cup als vergleichsweise unaufgeregter Captain, der seine Person der Titelverteidigung Europas unterordnet. «Ich werde unser Team so stark aufstellen wie nur möglich», hat er seine Devise formuliert. «Ich picke mir keinen besonderen Ansatzpunkt im amerikanischen Team heraus. Wir wissen, dass sie von der Eins bis zur Zwölf ein sehr starkes Team bilden.»

Poulter und McIlroy als Ziel

Sein Gegenüber Tom Watson, fünffacher British-Open-Champion, der mit Patrick Reed, Jordan Spieth und Jimmy Walker ebenfalls drei Ryder-Cup-Neulinge im Team führt, hat dagegen die Spieler bereits ausgemacht, die es aus US-Sicht ­zuerst zu knacken gilt: Ian Poulter und Rory McIlroy. «Das betrachte ich als Kompliment», liess Ian Poulter darauf kämpferisch wissen. «Ich kann nicht negativ denken. Ich denke positiv und gehe davon aus, dass wir da hinausgehen und unsere Leistung bringen.»

Fünf gegen drei Vizecaptains

Nach vier Tagen in Gleneagles voller Teambesprechungen, Veranstaltungen und Interviews ist die Stimmung vor dem Start der ersten Vierermatchs heute Morgen eben doch ein wenig angespannt. Die Tatsache, dass McGinley gleich fünf Vizecaptains um sich hat, während Tom Watson mit dreien auskommt, hat ironische US-Seitenhiebe erzeugt. Dabei hat der Ire nur beschlossen, das deutsche System von der Fussball-WM zu nutzen, bei dem «Captain» Löw mehr als 30 Helfer zur Verfügung standen und ihm den Rücken frei hielten.

«Selbst wenn er acht Vizecaptains will und wir gewinnen, ist das egal», ­unterstützt Martin Kaymer diesen Ansatz. «In Brasilien hat das für uns jedenfalls funktioniert.»

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