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Er wollte damit die Beckenmuskulatur entspannen

150 Frauen soll er missbraucht haben: So rechtfertigt sich der ehemalige Turnarzt Larry Nassar vor Gericht.

Urteil bekannt: Larry Nassar sitzt für den Rest seines Lebens hinter Gittern. (22. November 2017)
Urteil bekannt: Larry Nassar sitzt für den Rest seines Lebens hinter Gittern. (22. November 2017)
Jeff Kowalsky, AFP
Vor Gericht: Der frühere Turnarzt Larry Nassar (M.).
Vor Gericht: Der frühere Turnarzt Larry Nassar (M.).
Keystone
Gabby Douglas, auch sie mehrfache Gold-Gewinnerin bei Olympischen Spielen, gab zuerst aufreizend gekleideten Frauen eine Mitschuld an sexuellen Übergriffen – und sagte später, auch sie wäre von Nassar missbraucht worden.
Gabby Douglas, auch sie mehrfache Gold-Gewinnerin bei Olympischen Spielen, gab zuerst aufreizend gekleideten Frauen eine Mitschuld an sexuellen Übergriffen – und sagte später, auch sie wäre von Nassar missbraucht worden.
Keystone
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Es war ein Erdbeben im US-Turnsport, als vor rund einem Jahr erstmals Missbrauchsvorwürfe gegen den einst angesehenen Arzt Dr. Larry Nassar publik wurden. Zwischen 1995 und 2015 soll der heute 54-Jährige 150 junge Frauen missbraucht haben, mindestens 130 Turnerinnen aus den USA haben inzwischen Zivilklagen gegen den längst suspendierten Mediziner eingereicht. Nun musste er sich vor einem Gericht in Lansing verantworten.

Olympia-Bronzemedaille-Gewinnerin von 2000, Jamie Danztscher, erklärte Nassars Praktik so: «Ich hatte starke Rückenschmerzen, ging daher zu Larry. Er steckte seine Finger in meine Vagina, bewegte meine Beine und sagte mir, dass es gleich ein Knacken geben würde.» Danztscher war damals 13-jährig, betrachtete Nassar als Vertrauensperson: «Ich hatte keine Ahnung, was er tat.»

Teilgeständnis von Nassar

Gemäss der Zeitung «Indianapolis Star» bekannte sich Nassar in sieben Fällen für schuldig. Das Geständnis sei Teil einer Abmachung mit der Staatsanwaltschaft, damit statt einer lebenslangen Haft «nur» 25 bis 40 Jahren drohen. Im Zuge des Deals mit dem Gericht wurden acht Anklagepunkte gegen den 55-jährigen Nassar fallen gelassen.

Sein Schuldbekenntnis brachte er mit leiser Stimme und einigen Seufzern hervor. Danach richtete er sich mit einer Erklärung an seine Opfer und die Richterin. Seine Taten täten ihm «schrecklich leid», sagte er. «Ich möchte, dass sie heilen. Ich möchte, dass diese Gemeinschaft heilt», fügte er mit Blick auf die Turnerinnen hinzu.

«Vertrauensstellung auf abscheulichste Weise genutzt»

Richterin Rosemarie Aquilina zeigte sich unbeeindruckt. Seine Entschuldigung werde der Schwere der Taten nicht gerecht, sagte sie. «Sie haben diese Vertrauensstellung, die Sie hatten, auf die abscheulichste Weise genutzt - um Kinder zu missbrauchen.» Tatsächlich sei nun die «Zeit für Heilung» gekommen. Diese werde bei den Opfern aber womöglich das ganze Leben lang dauern, «während Sie ihr ganzes Leben hinter Gittern verbringen», sagte die Richterin.

Im Zuge der Ermittlungen versuchte sich Nassar zu rechtfertigen, er habe seine Behandlungen vorgenommen, um «die Beckenmuskulatur der Turnerinnen zu entspannen.»Sein Anwalt Matthew Borgula erkläre, Nassar habe nie abgestritten «medizinische Techniken zu benutzen, die eine vaginale Penetration einschliessen.»

«Nur die Spitze des Eisbergs»

Bill Schuette, der Generalstaatsanwalt von Michigan, sagte: «Die Übergriffe von Nassar sind nur die Spitze des Eisbergs.» Gemäss dem «Indystar» sollen in den letzten 20 Jahren nachweislich 368 Turnerinnen und Turner von ihren Betreuern, Trainern, oder Turnzentrum-Inhabern missbraucht worden sein. Die Taten wurden vertuscht, indem aufgeflogene Offizielle versetzt und nicht entlassen wurden. Weiter berichtete die Zeitung von sexueller Belästigung einer Zwölfjährigen durch ihren Olympiatrainer und von Nacktfotos sechsjähriger Jungen. Ebenfalls kam es regelmässig zu Sex mit Minderjährigen.

Die Urteilsverkündung gegen Nassar wurde auf den 12. Januar angesetzt.

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