Erinnerung an 2003

Viel passierte vor 16 Jahren. Und dennoch gibt es einen Sonntag, der in Erinnerung bleibt.

Ein spezieller Tag: 2003 gewann Roger Federer seinen ersten Grand Slam.

Ein spezieller Tag: 2003 gewann Roger Federer seinen ersten Grand Slam. Bild: Anja Niedringhaus/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es war der Sommer, als sich in Züri-West mitten in der Nacht 2000 Leute versammelten, der Verkehr auf den Strassen zusammenbrach, und es beim Empfang einer Fussballmannschaft laut und feuerwerkhell wurde. Und am Sonntagnachmittag kamen noch mehr Leute zum Zürcher Stadthaus an der Limmat, um jetzt offiziell zu feiern; Stadtpräsident Ledergerber konnte seine Rede nicht halten, weil es so laut war.

Die Grasshoppers waren damals Schweizer Fussballmeister geworden, zum 27. Mal, zum letzten Mal bis heute und vielleicht für immer. Marcel Koller war der Trainer, Richard Nuñez der stürmende kleine Prinz, es war das Ende mit den beiden Wirtschaftskapitänen Gut und Gerber, die dem Club Dutzende Millionen Franken zur Verfügung gestellt hatten.

Es war der Sommer 2003, als DJ Bobo mit «Chihuahua» viele Wochen lang die Nummer 1 der Hitparade war und alle über die Gluthitze stöhnten, in Grono im Kanton Graubünden die Rekordtemperatur von 41,5 Grad gemessen wurde.

Es war ein Sonntag in diesem Sommer mit einem der Ereignisse, an die man sich ewig erinnert und immer weiss, wo man an diesem Moment war. Im Juli 1969, als der erste Mensch mit der Apollo 11 auf dem Mond landete (in der Nacht aufgestanden, das Bild am TV bei uns noch schwarz-weiss), im November 1989, als in Berlin die Mauer fiel (vergrippt im Bett, stundenlang zugeschaut), oder eben an diesem Sonntag 6. Juli 2003.

Als es wie an fast jedem Tag in jenem Sommer heiss wurde und ich dachte, ich würde mich zwischen dem nahen See und meiner kleinen Wohnung bewegen, wo es tüppig und schweisstreibend war, doch ich verharrte stundenlang vor dem TV, zitternd, seufzend, verkrampft, jubelnd, gebannt und fasziniert – Roger Federer spielte seinen ersten Final in Wimbledon, gegen den Australier Mark Philippoussis. Und er sank zuletzt auf die Knie, vergrub den Kopf in seinen Händen, und Boris Becker wurde philosophisch: «Die Zukunft ist heute gekommen.»

Es ist jetzt der Sommer 16 Jahre später. GC..., nein, lassen wir das, aber es ist heiss wie damals, und es kann von mir aus am übernächsten Sonntagnachmittag über 50 Grad sein, Meteo Schweiz eine Wetterwarnung herausgeben, bleiben Sie einfach im Wasser, oder sitzen Sie im Schatten einer Alphütte auf mindestens 4500 Meter – ich würde schwitzend vor dem TV sitzen, zitternd, seufzend, verkrampft, gebannt und fasziniert von Federer.

Es ist doch, nicht für den Klimawandel, ein gutes Zeichen, dass 2019 an 2003 erinnert.

Erstellt: 02.07.2019, 09:59 Uhr

Artikel zum Thema

FCZ-Legende Karl Grob ist tot

Am Osterwochenende verstarb der ehemalige Goalie im Alter von 72 Jahren im Zürcher Triemlispital an einem Organversagen. Mehr...

Wenn sie ewig weiterspielen

Kolumne Vorstellen, wie es sein könnte: Die 15. oder 18. Verlängerung, die Spieler kriechen mehr, als dass sie Schlittschuh laufen. Und die Erinnerung an Karl Grob. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Weinlesefest in der französischen Hauptstadt: Drei kostümierte Kinder stehen inmitten von Weinreben im Pariser Stadtbezirk Montmartre. (12. Oktober 2019)
(Bild: Ian Langsdon/EPA) Mehr...