Es ist Vettel, der die Fehler macht

Nach der 5-Sekunden-Strafe erwägt Ferrari einen Protest. Dabei könnte sich der Pilot auch selbst hinterfragen.

Dieses Manöver kostete Vettel den Sieg.

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Fünf Sekunden reichen, und die Formel 1 steht kopf. Diese wurden Sebastian Vettel beim Grand Prix von Kanada als Strafe zu seiner Endzeit addiert und verwandelten den Tag des Deutschen von einem herrlichen in einen himmeltraurigen. Nicht er stand erstmals seit Belgien 2018 zuoberst auf dem Podest, nein, es lächelte erneut der Mann in weisser Weste in die Menge: Lewis Hamilton. Er hatte den Sieg von Vettel wegen dessen Zeitstrafe geerbt.

Dem 31-Jährigen war eine Szene in der 48. Runde zum Verhängnis geworden. Hamilton jagte den roten Wagen vor sich her. Bis Vettel aufs Gras rutschte und von dort zurück auf die Strecke – direkt vor den Mercedes. Hamilton bremste und verhinderte einen Unfall. Die Kommissare bewerteten den Vorfall als «unsichere Rückkehr auf die Strecke» und verhängten die Strafe, die die Gemüter der Formel 1 erhitzt.

Und weil Vettel nicht einer ist, der seinen Frust für sich behält, wütete er an vorderster Front. Über Funk sprach er von einem gestohlenen Sieg. Nach dem Rennen liess er seinen Wagen vor dem Parc fermé stehen und verschwand im Motorhome von Ferrari. Und als er sich doch noch zur Siegerehrung aufmachte, hatte er unterwegs einen Geistesblitz. Er schnappte sich die Nummer 2, die vor dem leeren Parkplatz aufgestellt war, wo eigentlich sein Auto hätte stehen sollen, und setzte sie vor Hamiltons Rennwagen. Die 1 kam auf den für ihn reservierten Platz. Das mag kindisch sein. Doch immerhin sorgt Vettel mit seiner Art für Emotionen, die ganz gut sind für die Formel 1, die ab und zu im Tiefschlaf zu versinken droht. Vettel und sein Team nervten sich gar derart, dass sie nun erwägen, Protest einzulegen. Dafür müssen sie bis Donnerstag Beweise finden, die Vettels Unschuld belegen. Das dürfte nicht ganz einfach sein. Dass Vettel wohl nichts anderes tun konnte, als vor das Auto von Hamilton zu rutschen, spielt keine grosse Rolle. Entscheidend ist, dass er ihm den Weg abschnitt und ihn daran hinderte, die Führung zu übernehmen. Ob mit oder ohne Absicht.

Nun kann den Kommissaren Willkür unterstellt werden, weil sie gleiche Situationen nicht immer gleich ahnden. Nur ist das in jedem Sport so, in dem es Schiedsrichter gibt. Auch mangelndes Fingerspitzengefühl kann ihnen vorgehalten werden, weil es um den Sieg ging. Doch sollten die Regel­hüter Szenen nicht aus dieser Perspektive betrachten, wenn sie zu einem fairen Urteil gelangen wollen. Wäre etwa ein Romain Grosjean vor Vettels Auto geschlittert, keiner hätte eine 5-Sekunden-Strafe für unangemessen gehalten. Am wenigsten Vettel und Ferrari. Frei von Emotionen ist die Strafe daher zwar hart, aber nachvollziehbar.

Es muss bei allem Unmut auch festgehalten werden: Es war Vettel – und er ist es immer wieder –, der den Fehler machte. Dieser stand am Ursprung der Verkehrsbehinderung. Würden sie das auch bei Ferrari sehen, würden sie es sich nochmals überlegen mit dem Protest.

Erstellt: 10.06.2019, 22:34 Uhr

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