Favoriten mit Gold-Druck

Die Schweizer Biker haben an der Heim-WM auf der Lenzerheide nur ein Luxusproblem: Siege werden erwartet.

Nino Schurter ist der grosse Favorit bei der Mountainbike-WM auf der Lenzerheide.

Nino Schurter ist der grosse Favorit bei der Mountainbike-WM auf der Lenzerheide. Bild: Keystone

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Da findet mal eine WM vor der Haustür statt, in Nino Schurters Fall gerade mal 20 Minuten von zu Hause entfernt. Und doch verzichtete der Titelverteidiger freiwillig auf Nächte im eigenen Bett. Bereits am vergangenen Montag, direkt nach dem Weltcupfinale in La Bresse, reiste er zur Akklimatisierung auf die Lenzerheide. Die Höhendifferenz zwischen Schurters Heimatort Chur und der WM-Strecke beträgt doch knapp 900 Meter.

Schurter ist bekannt als Athlet, der kein Detail vernachlässigt. Das ist nötiger denn je. Nach der makellosen Saison 2017, in der er im Weltcup und an der WM ungeschlagen blieb, hatte er 2018 deutlich mehr zu kämpfen. Einen dominanten Jahrgang gab es trotzdem erneut: Schurter gewann immer noch vier von sieben Weltcups, zweimal wurde er Zweiter. Aber die Gegner glauben mittlerweile daran, den Bündner besiegen zu können, was wohl der wichtigste Unterschied zu früher ist.

Schurter spürt den Gold-Druck

Dass Schurter trotz kürzestem Weg früher an den WM-Ort reiste als alle anderen, zeigt auch, wie gross der Druck ist, den er verspürt: WM vor der Haustür – ein anderes Szenario als jenes mit dem siegenden Schurter ist für die Öffentlichkeit unvorstellbar. Wer von Chur hinauffährt auf die Lenzerheide und für einen kurzen Moment vergessen haben sollte, was am Samstag ansteht, wird auf jeder zweiten Plakatwand von einem lässig durch die Luft fliegenden Schurter erinnert.


Video: Neff und Schurter in Hochform

Die beiden Schweizer siegen in Albstadt. Video: Tamedia/SDA


Sechs WM-Titel ändern nichts daran: Schurter spürt in der Heimat den Gold-Druck. Er spürt ihn auch, weil es ein historisch gewachsener ist: Die Schweiz ist zwar seit je eine Mountainbike-Nation. Aber gemessen daran tat sie sich schwer, die oberste Stufe zu erklimmen. Abgesehen von Schurters sechs Titeln holten bei 28 WM-Austragungen nur noch zwei Schweizer Gold: Christoph Sauser 2008 und Thomas Frischknecht 1996 (nachgerutscht nach einem Dopingvergehen des Siegers).

Vor allem aber taten sich die Swiss-Cycling-Biker bislang bei WM-Heimauftritten stets schwer: Weder in Château-d’Œx 1997 noch in Rivera 2003 reichte es für eine Medaille. Und auch Schurter vermochte bei seiner ersten Chance nicht zu reüssieren, musste sich in Champéry 2011 Jaroslav Kulhavy geschlagen geben. Er sei damals im Wallis nicht der Favorit gewesen, sagt er heute. Das mag stimmen, er klammert aber aus, dass er schon da sehr wohl den Sieg angestrebt hatte.

Neff wird noch lockerer

Die Favoritenrolle weist er nun nicht mehr von sich. Und steht damit nicht alleine da: Jolanda Neff ist ebenso Titelverteidigerin und Topfavoritin, gewann drei Weltcups und stand nur einmal nicht auf dem Podest. Sie wirkt seit dem WM-Titel vor einem Jahr noch lockerer. Und ist sich auch bewusst: Wenn sie derzeit ihre Leistung abruft, ist sie für die Konkurrenz eigentlich unbezwingbar.

Auch in den unteren Kategorien sind Schweizer Medaillen möglich, bei der U-23 der Frauen gar Pflicht: Sina Frei tritt als Titelverteidigerin an – und nach einer fast perfekten Weltcupsaison (6-mal Erste/ 1-mal Zweite), dazu kommt Alessandra Keller, die bereits in der Elite vorne fährt, an der WM aber noch einmal im Nachwuchs antritt. In den übrigen Nachwuchskategorien ist die Situation offener.

Vielleicht lassen sich diese Athletinnen und Athleten vom Auftaktrennen heute Abend inspirieren, der Staffel. Als Titelverteidiger treten die Schweizer auch hier an – in Bestbesetzung, vier der fünf Staffel-Gold-Gewinner von Cairns 2017 starten erneut, darunter Neff und Schurter. Sie haben ein grosses Ziel: Diese Heim-WM perfekt zu lancieren – und schon einmal zu üben, wie es ist, beim Heimspiel zuoberst auf dem Treppchen zu stehen.

Erstellt: 05.09.2018, 14:27 Uhr

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