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Für Jeannine Gmelin beginnt die Olympiasaison in Sydney

Nach einem sportlich schwierigen Jahr startet die Schweizer Ruderin in Australien die Mission Tokio 2020.

Mit Selbstvertrauen in die Zukunft: Jeannine Gmelin auf dem Sarnersee. Foto: Stephan Rappo
Mit Selbstvertrauen in die Zukunft: Jeannine Gmelin auf dem Sarnersee. Foto: Stephan Rappo

Welcher Mitteleuropäer träumt dieser Tage nicht davon, den kalten Winter gegen hochsommerliches Wetter und Lebensgefühl zu tauschen? Noch besser ist es, wenn er oder sie die Chance hat, dies gleich für sieben Wochen in Australien zu tun. Flipflops und Badekleider waren aber nicht der zentrale Bestandteil ihrer Garderobe, als Jeannine Gmelin vor kurzem die Koffer packte. Denn mit Dolcefarniente oder einem Sprachaufenthalt hat ihr Trip nichts gemein. Vielmehr stehen 50 harte Trainingstage an: in Penrith, knapp 40 Kilometer vom Stadtzentrum Sydneys entfernt und Austragungsort der Ruderwettkämpfe an den Olympischen Spielen von 2000.

Es ist für Gmelin eine wichtige Etappe in der Vorbereitung auf die Spiele von Tokio, die Bedingungen werden gerade bezüglich der Hitze denen im Sommer in Japan ähneln: «Ich werde Sachen ausprobieren können, die man in der Schweiz nicht simulieren kann – beispielsweise das Entwickeln von Kühlstrategien.»

Nicht zum ersten Mal reist sie im Winter auf den fünften Kontinent. Ausschlaggebend für den Entscheid waren die Erfahrungen aus dem Winter 2016: «Jene Zeit ist mir in bester Erinnerung geblieben, die Bedingungen waren sehr gut.» Damals weilte sie noch mit dem gesamten Schweizer Team in Neuseeland, nun ist sie solo mit Trainer Robin Dowell, mit dem sie seit der Trennung vom Verband privat arbeitet.

«Alles muss passen»

Nach Saisonende wurde natürlich noch einmal das vergangene Jahr aufgearbeitet. Zu oft war das Sportliche wegen der Turbulenzen neben dem Wasser in den Hintergrund gerückt, Gmelin deshalb in Bereichen fern ihrer Kernkompetenz gefordert. Die «Ich-AG wider Willen» hat vieles über sich gelernt: «Ich hatte ja ein solches Projekt noch nie gemacht und war in einigen Bereichen eine blutige Anfängerin.» Ein Gespräch gab es auch mit dem Verband. Es sei konstruktiv gewesen, meldet Gmelin: «Wir wollen alle das Beste für mich. Die gemeinsame Evaluation war wichtig und eine Chance auf ein Feedback von aussen.»

War Gmelin bei der EM auf dem Rotsee in Anbetracht der Umstände mit Silber über sich hinausgewachsen, zeigte sich bei der WM in Linz, dass das Jahr doch massive Spuren hinterlassen hat. Statt wie in den Jahren zuvor eine Medaille – Gold 2017, Silber 2018 – gab es bei der Siegerehrung nur Platz 5 und einen warmen Händedruck. Und die Erkenntnis: «Auf diesem Niveau muss einfach alles passen, wenn man ganz vorne mitmischen will.»

Auch ohne interne Probleme wäre die Aufgabe schwierig geworden. Noch nie war ein WM-Teilnehmerfeld so gross, und alle Top-Athletinnen hatten bereits komplett in den Olympia­rhythmus gewechselt. So waren jene am stärksten, von denen vorher schon klar war, dass sie auch in Tokio um Medaillen rudern werden, angefangen bei Weltmeisterin Sanita Purpure aus Irland. Der Rückstand auf die gebürtige Lettin war mit über 9?Sekunden gross. Mit etwas Abstand weiss Gmelin nun aber, dass sie auch mit der veränderten Ausgangslage konkurrenzfähig ist: «Ich bin überzeugt, dass ich in der neuen Konstellation meine Ziele erreichen kann. Und ich musste das Risiko für mich ganz einfach eingehen.»

Zukunftsentscheid vor Tokio

Mit ihrer Seriosität und den gewohnten zwei bis drei Trainingseinheiten pro Tag – sechsmal pro Woche und mit bis zu 50 Kilometer Umfang täglich – versucht sie nun, die Defizite zu reduzieren. Am 18. Januar fliegt sie in die Schweiz zurück und wird sich dann weiter individuell in Europa vorbereiten. Zwei Eckpunkte sind in der Agenda fixiert: Das Ausscheidungsrennen des Verbands vom März und Anfang Mai das zweite Weltcuprennen in Varese, wo es um ein Bestätigungsresultat geht. Es ist eine Hürde, die sie im Normalfall leicht schaffen wird.

Im Vierjahreszyklus eines jeden Ruderers sind die Olympischen Spiele der unbestrittene Höhepunkt. Viele legen danach eine schöpferische Pause ein oder entschliessen sich sogar zum Rücktritt. Die 29 Jahre alte Ustermerin hatte schon vor Rio, wo sie dann schliesslich Rang 5 belegte, Klarheit über die längerfristige Zukunft, und diesmal soll es nicht anders sein: «Für mich muss vor Tokio klar sein, wie die nächsten Schritte aussehen, ich will das auch nicht von einem Resultat abhängig machen. Nur dann kann ich sorgenfrei an die Spiele heran und mich voll ­fokussieren.»

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