Gary Woodland hatte, was es braucht

Der 35-Jährige aus Kansas verhindert am US Open Brooks Koepkas Titel-Hattrick.

Es ist geschafft: Gary Woodland posiert als US-Open-Champion.

Es ist geschafft: Gary Woodland posiert als US-Open-Champion. Bild: David J. Phillip/Keystone

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Amy Bockerstette, eine 20-jährige Frau mit Downsyndrom, hatte es gewusst. Sie hatte am Phoenix Open in Scottsdale im Februar mit Gary Woodland ein berühmtes Par-3-Hindernis spielen dürfen, vor 20 000 Zuschauern. Die Golferin, die schon an den Special Olympics teilnahm, absolvierte den grossen Auftritt mutig und bravourös mit nur drei Schlägen. Das Video wurde über 300 000-mal angeschaut, und seither blieb sie in Kontakt mit dem neuen US-Open-Sieger.

Als Woodland vor der Finalrunde in Pebble Beach am Sonntag mit zwei Schlägen führte, unterstützte sie ihn über Twitter: «Du hast, was es braucht!» Sie hatte sich nicht getäuscht. Jubelnd konnte sie mit ihrer Familie vor dem Fernseher verfolgen, wie der 35-Jährige zum Überraschungssieger des US Open wurde und so verhinderte, dass Brooks Koepka als zweiter Spieler der Geschichte an diesem Major den Titel-Hattrick schaffte.

«Ich spielte hervorragend, jeder Schlag passte», sagte Koepka, der mit drei und mehr Schlägen Vorsprung alleiniger Zweiter wurde. «Deshalb schmerzt es auch nicht, dass ich nicht gewonnen habe. Manchmal soll es einfach nicht sein.» Der 26-Jährige wurde zum ersten Spieler, der das US Open trotz vier Runden mit weniger als 70 Schlägen (69, 69, 68, 68) nicht gewann. Denn auch Woodland schaffte dieses Top-Ergebnis (68, 65, 69, 69), und obwohl Koepka mehrmals bis auf einen Schlag an ihn herankam, zeigte dieser auch am Sonntag keine Schwächen und gewann dank eines Birdies am letzten Loch mit drei Schlägen Vorsprung.

«Amy ist für mich eine riesige Inspiration», sagte Woodland, der sich noch am Sonntagabend mit der College-Studentin über Video unterhielt. Ihre Begeisterungsfähigkeit und ihre Art, an sich zu glauben, seien ansteckend. Woodlands Familie wurde selber von einem Schicksalsschlag getroffen. Seine Frau Gabby erwartete vor zwei Jahren Zwillinge, verlor aber bei einer Fehlgeburt das Mädchen. Sohn Jaxson kam vorzeitig zur Welt, ist aber gesund.

In neuen Gefilden

Weil sie erneut mit Zwillingen schwanger ist - die Niederkunft ist für August vorgesehen -, fehlte Gabby Woodland beim grössten Triumph ihres Mannes. Dieser war als Nummer 25 der Welt ins Turnier gegangen und stiess nun auf Rang 12 vor. Er hatte noch keines der fünf Turniere gewonnen, an denen er als Leader in die Schlussrunde gegangen war. In elf Jahren hatte er an drei PGA-Turnieren triumphiert, zuletzt 2018 am Phoenix Open. Diesem Titel hatte er das bewegende Treffen mit Amy zu verdanken.

Woodland begeisterte die Experten am Sonntag mit seiner draufgängerischen Art. Vor allem zwei Aktionen ernteten Lob: wie er am 14. Loch aus 240 Metern das Grün attackierte und mit einem Birdie belohnt wurde - und wie er auf der 17. Spielbahn auf dem Grün mit einem riskanten Chip das Par rettete. «Ich und mein Caddie sagten uns: Wir sind ja hier, um zu gewinnen», so Woodland, der noch an keinem Major einen Top-5-Rang aufwies.

Am Ende hatte er sogar das Rekordergebnis in Pebble Beach von Tiger Woods um einen Schlag verbessert, der 2001 mit 15 Schlägen Vorsprung gewonnen hatte. Amy durfte stolz sein.

Erstellt: 18.06.2019, 08:16 Uhr

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