Glasgow zelebriert die Spiele – und die TV-Anstalten freuts

Die European Championships sind Olympische Spiele im familiären Rahmen. Ausser vielleicht für die Sportler.

Fanfreuden in Glasgow, egal wie das Wetter gerade ist. Foto: Alan Oliver (Alamy Live News)

Fanfreuden in Glasgow, egal wie das Wetter gerade ist. Foto: Alan Oliver (Alamy Live News)

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Schottischer könnte der Nachmittag kaum sein. Auf den grossen Bildschirmen läuft Golf, und vorwiegend ältere Menschen haben es sich in den Liegestühlen davor bequem gemacht. Milde scheint über dem George Square die Sonne, ehe wieder kurz Nieselregen einsetzt.

Mitten in Glasgow befindet sich die Fanzone dieses ersten EM-Festivals, und sie ist gut besetzt für einen Freitagnachmittag. Es gibt: Essensstände, einen Coffee Shop, einen Spielplatz für die Jüngeren und Biergarten für die Älteren. Und natürlich den Fanshop mit vielen Shirts, mit Schirmen und Tassen und der Stoffrobbe Bonnie in allen möglichen Grössen.

Spirig nimmt EM kaum wahr

Sechs Sportverbände führten seit neun Tagen und noch bis morgen in Schottland ihre Europameisterschaften in total zwölf Bereichen durch, unter dem ­Label der European Championships läuft zudem die Leichtathletik-EM in Berlin. Mit 4500 Athleten und ebenso vielen Helfern in ihren violetten Uniformen ist das ein Grossanlass. Zum Vergleich: Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeonchang waren knapp 3000 Athleten im Einsatz gestanden.

Als Grossanlass nimmt man die EC jedoch nur auf dem George Square wahr. In den Sportstätten dagegen sind es schlicht Europameisterschaften in einzelnen Sportarten. Geturnt wird im Hallenstadion SEE Hydro, Bahnrad gefahren im Sir Chris Hoy Velodrome und geschwommen im Royal Commonwealth Pool. Gegolft wird draussen auf den legendären Bahnen von Gleneagles und ins Wasser gesprungen im benachbarten Edinburgh.

«Dass auch andere Sportarten ihre EM austragen, bekommen wir kaum mit», gesteht Nicola Spirig, am Donnerstag zum sechsten Mal Triathlon-Europameisterin geworden.  Auch Felix Stingelin, Chef Leistungssport des Schweizerischen Turnverbandes (STV), sagt: «Im Unterschied zu Olympia gibt es keine gemeinsame Schweizer Delegation und deshalb keinen Teamspirit.» Die Athleten leben nicht in einem Olympischen Dorf, sondern getrennt voneinander in den verschiedensten Hotels.

Und doch: Glasgow zelebriert die Spiele familiär. Es gibt Pubs, die damit werben, wegen der EC länger geöffnet zu haben. 140'000 Zuschauer haben sich bis gestern die Wettkämpfe angesehen und 220'000 Menschen die öffentlichen Zonen auf dem George Square und im Park Glasgow Green besucht. Ein Spektakel wird morgen zum Abschluss erwartet: das Rad-Strassenrennen mit Zehntausenden Zuschauern.

Starke Quote dank Wilson

Ein Glücksfall sind die Championships für die Fernsehanstalten. In der fussballarmen Zeit können sie mit Livesport das Programm füllen. Und das Publikum honoriert den Aufwand, zum Beispiel die rund 90 Übertragungsstunden beim Schweizer Fernsehen: Er sei mit den Zahlen sehr zufrieden, bilanziert Roland Mägerle, Abteilungsleiter Sport. Den Spitzenwert erzielte der Bronzelauf von Alex Wilson am Donnerstag mit über 400'000 Zuschauern. Im Durchschnitt erzielten die Liveübertragungen bislang einen Marktanteil von knapp 18 Prozent.

Dass in vier Jahren wieder eine kombinierte EM organisiert wird, scheint deshalb sehr wahrscheinlich. Mägerle würde das so begrüssen wie Stingelin vom Turnverband. Indem alle Wettkämpfe in bestehenden Stadien ausgetragen werden, sind die EC auch von Ländern zu stemmen, die sich nicht an Olympische Spiele herantrauen. «Warum nicht auch die Schweiz?», wirft Mägerle ein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2018, 00:23 Uhr

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