Hand in Hand den Sieg verloren

Die Triathletinnen Jessica Learmonth und Georgia Taylor-Brown überqueren gemeinsam die Ziellinie. Anstatt den Sieg teilen zu können, werden sie disqualifiziert.

Die Engländerinnen Jessica Learmonth (rechts) und Georgia Taylor-Brown teilen den Sieg in Tokio. (Video: The Guardian)

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Ein Sieg der Freundschaft sollte es werden. Die englischen Triathletinnen Jessica Learmonth und Georgia Taylor-Brown duellieren sich beim Rennen auf der Olympia-Strecke in Tokio bis auf die letzten Meter, Seite an Seite laufen sie Richtung Ziel. Da streckt Taylor-Brown die Hand aus – und Learmonth nimmt die spontane Geste an. Hand in Hand überqueren die beiden gleichzeitig die Ziellinie, sie teilen den vermeintlichen Moment des Triumphes miteinander.

Doch nach dem Zieleinlauf folgt die grosse Ernüchterung. Zuerst wurde der Sieg nach Konsultation des Zielfotos Learmonth zugesprochen. Danach wurden beide Athletinnen disqualifiziert. Der Grund dafür war, dass sie gegen eine Regel des Triathlon-Dachverbandes verstossen hatten. Diese besagt, dass Athleten, die keine Bemühungen unternehmen, ihre Zielzeiten voneinander abzugrenzen, disqualifiziert werden. Somit wird ein künstlich herbeigeführtes Unentschieden verboten. Die Regelhüter hatten keine andere Wahl, als den Sieg abzuerkennen.

Die Regel wurde wegen zwei anderen englischen Triathleten eingeführt: Alistair und Jonny Brownlee. Beim World Triathlon Grand Final 2016 in Mexiko taumelte Jonny als Führender kurz vor der Ziellinie, er war einem Zusammenbruch nahe. Anstatt um den Sieg zu rennen, hielt der an dritter Stelle liegende Alistair an, stützte seinen Bruder Jonny und lief mit ihm zusammen ins Ziel. Im Anschluss daran wurde es den Athleten untersagt, einen Konkurrenten während des Rennens zu unterstützen. Ansonsten drohe die Disqualifikation.

Die Freundschaft ist das Wichtigste

Profiteurin der Disqualifikationen in Tokio war Flora Duffy aus Bermuda, die vom dritten auf den ersten Rang rückte. Taylor-Browns und Learmonths Landsfrau Vicky Holland stiess auf Platz drei vor. Nach dem Rennen sagte sie aber: «Jess und Georgia tun mir leid, weil sie aussergewöhnlich gut auf die Bedingungen reagiert haben. Sie waren fantastisch und hätten den ersten und zweiten Platz verdient gehabt!» In Tokio war es am Renntag über 30 Grad warm und die Luftfeuchtigkeit höher als 80%. Deshalb wurde die Laufdistanz von zehn auf fünf Kilometer halbiert.

In den sozialen Medien äusserten sich schliesslich auch die zwei Athletinnen. Learmonth schrieb: «Ich denke, wir haben unseren Sport im richtigen Licht dargestellt. Hoffentlich können wir jüngeren Athleten zeigen dass es nicht immer nur darum geht, einander zu besiegen.» Taylor-Brown schrieb: «Wir sind alle unglaublich ehrgeizig und arbeiten hart.» Und kam zum Kern der Botschaft: «Aber wir sind dort draussen auch Freundinnnen und unterstützen einander. Das ist für mich das Wichtigste.»

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Sometimes you win, sometimes you learn’ . Firstly I want to say WELL DONE to all the girls for yesterday: a change in distance and some hot conditions was going to be challenging but we all accepted the situation, wore big smiles and pushed to the end ???? . Secondly, Thank you to @brittri for their time and efforts to get us to the start line fully prepared ???? and to all 4 British girls: 5 in the top 11, that’s kinda cool ???? . Lastly, about the race. I have read everyone’s messages and they mean an awful lot to us, so thank you! Yesterday was a test of the course, conditions, procedures, techniques and our bodies & it was always going to be a team effort to get to the finish line safely! We are all extremely competitive and we work hard, but we are also friends out there and look out for each other and that matters more to me than anything else! But I would like to apologise for the upset we caused, it was never our intension. We are simple humans, enjoying what we do & who we do it with ???? . ???? @tzaferes . #TokoyTestEvent #Triathlon #Tokyo

Ein Beitrag geteilt von Georgia Taylor-Brown (@georgiatb) am

(va)

Erstellt: 17.08.2019, 11:58 Uhr

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