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Heinz Frei: Musste sich in nichts mehr beweisen

Der Solothurner Paraplegiker hat in Peking seine 14. Paralympics-Goldmedaille gewonnen: Mit dem Handbike, statt im Rollstuhl.

Er ging das Paralympics-Strassenrennen im Handbike erstaunlich locker an: «Ich habe meine Medaillen bereits und musste mir deshalb nichts mehr beweisen», sagte Heinz Frei. Am Sonntag gewann der erfolgreichste Schweizer Behindertensportler aus dem solothurnischen Etzikon in Peking seine 14. Paralympic-Goldmedaille.

Diese ergänzt eine einzigartige Erfolgsreihe: 102 Triumphe an bedeutenden Städtemarathons, diverse Weltrekorde und WM-Siege realisierte Frei. 1999 wurde er zum Weltrollstuhlsportler gewählt. Weiterer Belege für seine einzigartige Karriere sind die sieben Ernennungen zum Schweizer Behindertensportler zwischen 1990 und 1999. Dieses Jahr dürfte Heinz Frei erneut prädestiniert sein für diesen Titel.

Doch mit dieser Aufzählung wird man dem Ausnahmeathleten, der im Alter von 20 Jahren bei einem Berglauf ausrutschte und eine hohe Paraplegie erlitt, nur bedingt gerecht. Vergangenen Freitag und gestern Sonntag schrieb der unermüdliche Kämpfer zwei neue Kapitel in seiner Karriere. An den Paralympics in Peking gewann er zuerst das Einzelzeitfahren, gestern das Strassenrennen mit dem Handbike. Bemerkenswert ist dies insbesondere darum, weil Frei mit Ausnahme eines Langlauf-Paralympic-Sieges 1988 mit dem Schlitten alle seine Grosserfolge mit dem Rennrollstuhl realisiert hatte.

Dass es zum Pekinger Sieg kommen würde, war vor vier Jahren nicht absehbar. Von den Paralympics in Athen kehrte er 2004 erstmals seit langem ohne Goldmedaille nach Hause zurück. Frei sagt, er habe sich danach mit Rücktrittsgedanken beschäftigt. Zum Ausgleich setzte er sich ins Handbike. Ein Wink des Schicksals war es für ihn, als er beim ersten Rennen mit dem Handbike sogleich erfolgreich abschnitt. Die neue Sportart entfachte neues Feuer.

Und Handbiken eröffnete neue Perspektiven - im wahrsten Sinne des Wortes. Im Vergleich zum Rollstuhltraining entdeckte er eine ganz andere Optik: «Statt Dohlendeckel und vereinzelter Grasbüschel am Strassenrand präsentieren sich mir im Handbike nun Kulissen und Landschaften.» Die ganz andere Sitz-/Liegeposition löste bei Frei einen neuen Motivationsschub aus. Von «einer neuen Challenge» sprach er. Und nach seinem zweiten WM-Rang letztes Jahr in Bordeaux liess sich erahnen, dass mit Frei im Olympiajahr wieder zu rechnen sein würde.

Frei bereitete sich akribisch vor. Er setzte sich mit dem Olympiaparcours in Changping auseinander. Das zahlte sich aus. In den technischen Abschnitten dominierte er die Konkurrenz, wie auch in den Aufstiegen. «Ich habe die Prioritäten verlegt, und das war offensichtlich mehr oder weniger richtig», sagte er. Die Freude über die Paralympics-Titel 13 und 14 war gross. «Diese beiden Goldmedaillen betrachte ich als zwei der wertvollsten», sagte Frei.

Die Wahrnehmung der Spiele in Peking in der Öffentlichkeit stuft er als «höher denn je» ein und verweist etwa auf die Visite von Bundesrat Samuel Schmid. Persönlich geniesst er die Anerkennung durch die Konkurrenz. Er spürt: Ihm wird der Erfolg von allen Seiten gegönnt. «Diese Akzeptanz ist wunderschön», sagt er. Und nicht zuletzt schätzt Frei die Arbeit der Chinesen. «Hier ist es dir als Sportler extrem wohl, ich fühle mich wie im Schlaraffenland.»

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