High in Hawaii

Kaum ist Luca verreist, erfährt Bruno eine märchenhafte Geschichte rund um den Ironman in Hawaii – und eine überglückliche Teilnehmerin.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Luca ist weg, verreist in die Berge, und so sitzt Bruno an diesem Morgen für einmal in einem anderen Bistro im Seefeld, es ist ein spezielles, schöne und teure Bikes sind vor einer Wand aufgestellt, eine Ampel davor, sie zeigt, was manche sich für Zürich wünschen, immer Grün für die ­Velofahrer. Entspannende Musik kommt aus den Lautsprechern, ­zwischendurch brasilianische Klänge, und der Espresso macchiato schmeckt köstlich.

Am Nebentisch hat eine Frau mit einer Kollegin Platz genommen, im mittleren Alter ist sie, sie ist Bruno sofort aufgefallen. Sie erzählt auf­geregt, und irgendwie scheint sie alles noch immer nicht zu fassen, sie strahlt, überglücklich wirkt sie, ihre Wangen sind leicht gerötet, wie nach einer grossen Anstrengung. «Einfach ­unglaublich» sei alles, und sie spricht über diese grosse Hitze, wie sie gelitten und gekämpft habe, sie habe gespürt, dass sie diesmal nicht so schnell ­unterwegs sei, «bei dieser Hitze», und nie hätte sie geglaubt, dass so etwas möglich wäre, «nie, nie», sie sagt es laut lachend. Ihre Laune ist ­ansteckend. Sie schwebt.

Dann das Wort: Hawaii! «Stell dir vor», sagt die Frau zu ihrer ­Kollegin, «ich darf dabei sein, in Hawaii, beim Ironman, diesem Mekka für Triathleten, als eine von 2000, einfach unfassbar.»

Seegang, Lavafelder, Wüstenwind

Und Bruno hört zu, wie sie ihre märchenhafte Geschichte erzählt. Es war im Verpflegungszelt, eine Stunde nach der Zielankunft am Zürcher Ironman, sie war völlig erschöpft, aber glücklich, es wieder geschafft zu ­haben, ihren 6. Ironman, und da sah sie eine Whatsapp-Nachricht eines Kollegen: «Du bist Erste!» Erste in ihrer Alterskategorie, und ihr Freund, der auch ihr Coach ist, machte ihr klar, was dies bedeutet: «Du hast dich für Hawaii qualifiziert!» Schon bei der Preis­verleihung musste sie entscheiden, ob sie teilnehmen wolle, die 900 Dollar für die Anmeldung gleich dort ­entrichten – natürlich will sie gehen.

«Es ist eine once in a lifetime ­experience», sagt sie jetzt im Bistro zu ihrer Kollegin, und sie spricht, als wäre sie schon in Hawaii, am 10. Oktober, die Bilder seien im Kopf, bisher sei sie immer nachts aufgestanden, um im Internet das Rennen zu verfolgen, habe mit den Triathleten mitgefiebert und mitgelitten. Und jetzt: sie selber dabei! Schwimmen im offenen Meer bei rauem Seegang, das müsse sie über­stehen, davor habe sie am meisten Respekt. «Und dann jagen sie dich auf dem Velo durch die Lavafelder, durch den sengendheissen Wüstenwind», sie müsse sich noch ein Triathlonvelo besorgen, um diese ungewohnte Sitzposition zu trainieren, und einen dieser aerodynamischen Rennhelme, sie hält die Hand über den Kopf, als würde sie einen tragen, und krümmt sich ­zusammen, als würde sie schon auf dem Velo den Elementen trotzen, sie lacht dazu. Zuletzt der Marathon, das sei kein Problem, laufen sei ihre Stärke.

Ansteckende Energie

Sie erzählt noch viel, mit warmer Stimme, sie ist durchtrainiert, muskulös, aber nicht der drahtige, hagere Typ wie viele Triathleten, sie wolle einfach nur ankommen auf dem Ali’i Drive in Kona, irgendwie, einfach dieses einmalige Gefühl erleben, «völlig high» sein danach. Die beiden Frauen stehen jetzt auf, sie sagt: «Gäll, du seisch mer, wänns zvil wird mit Hawaii . . .»

Etwas später geht auch Bruno. Normalerweise hinkt er, wenn er längere Zeit sitzt, das Knie, die Hüfte, aber jetzt kommt es ihm vor, als würde er ­schweben. Es ist ansteckend, dieses Glücksgefühl, diese Energie, dieser rauschhafte Zustand, er stellt sich vor, was er sich nie vorstellen kann, ­stundenlang ­schwimmen, Velo fahren, rennen.

Erstellt: 27.07.2015, 18:41 Uhr

Artikel zum Thema

Flip-Flops for President

Kolumne Bruno und Luca diskutieren die neuesten Transfergerüchte – auf und neben dem Platz. Mehr...

Blättern und streicheln

Kolumne Beim Espresso liest einer Papier und ein anderer auf einem kleinen Gerät. Mehr...

Vitus und Messi

Kolumne Beim Espresso stellt Bruno Luca eine wichtige Frage. Mehr...

Dossiers

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Geldblog Sie trauen der Börsen-Hausse nicht? So gewinnen Sie beim Crash

Von Kopf bis Fuss Hausmittel gegen Husten und Halsweh

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Warten auf den Papst: Ein Mann schaut aus seinem Papst-Kostüm hervor. Der echte Papst verweilt momentan in Bangkok und die Bevölkerung feiert seine Ankunft. (20. November 2019)
(Bild: Ann Wang) Mehr...