Hofbauer kommt nicht aus der Mode

Der 37 Jahre alte Berner prägt das Unihockey seit der Jahrtausendwende. In Prag bestreitet er seine zehnte und wohl letzte Weltmeisterschaft.

Ein Name, eine Marke: Matthias Hofbauer vor dem Eingang seines Geschäfts in Jegenstorf. Foto: Beat Mathys

Ein Name, eine Marke: Matthias Hofbauer vor dem Eingang seines Geschäfts in Jegenstorf. Foto: Beat Mathys

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Auf dem Pult ein Stapel Material, im Gesicht Züge von Müdigkeit, im Kopf Vorfreude. Matthias Hofbauer ist soeben aus Dubai zurückgekehrt. Ein Nachtflug nach fünf Tagen WM-Vorbereitung mit der Schweizer Nationalmannschaft. Aus Dubai, exakt. Sonne, Strand, Trainings, Sitzungen, mentale Arbeit – vereint unter dem Motto: in bekannter Gruppe in unbekanntem Umfeld Reize setzen und Erwartungen wecken. Der Zwischenhalt in der Heimat unmittelbar vor der Weiterreise nach Prag zur WM soll den Spielern zur Erholung dienen. Hofbauer nutzt ihn für Administratives. In der Tür erscheint ein Kurier samt Paket. «Ich bin dann ein Weilchen weg», sagt Hofbauer. Der Kurier reckt den Daumen hoch: «Ich weiss.»

Matthias Hofbauer führt seit vier Jahren ein KMU. Bruder Christoph ist beteiligt. Die Hofbauer GmbH vertreibt Vereinsbekleidung, organisiert Trainings und Anlässe. Hofbauer: Der Name ist längst eine Marke – und mit dem Unihockey fix verbunden. Das Brüderpaar hat den Sport seit der Jahrtausendwende geprägt. 2004 spielten sich Matthias und Christoph bei der Heim-WM im Schluefweg in den Fokus. Durch den Auftritt im Sportpanorama wurde Matthias zum Gesicht der Randsportart.

Er hat Latour abgesagt und den Wandel mitgemacht

Christoph, 35, trat Anfang Jahr ­zurück. Matthias ist noch aktiv. 37 Jahre alt, ein Mann der Rekorde. 9 Meistertitel mit Wiler-Ersigen, als erster Spieler die Marke von 1000 Skorerpunkten in der höchsten Liga überboten, dazu Rekordnationalspieler und -torschütze für die Schweiz, weltweit erfolgreichster Skorer an WM-Turnieren (52 Spiele, 92 Punkte).

Dabei hätte Hofbauer auf höchster Unihockeystufe gar nie gepunktet, wäre es nach Hanspeter Latour gegangen. Der einstige Trainer des FC Solothurn wollte den Jungspund unbedingt in den Club holen. Doch Hofbauer sagte ab. Er setzte auf Unihockey, bestritt im Jahr 2000 seine erste Weltmeisterschaft. Die Titelkämpfe in Prag sind seine zehnten. In der jungen Auswahl von Trainer David Jansson ist er Routinier und Relikt zugleich. Als einer der ganz wenigen Spieler ist es Hofbauer gelungen, sich in der rasant und markant verändernden Sportart über Jahre hinweg an der Spitze zu halten. Er sagt: «Das Spielverständnis erleichtert vieles. Diese Kompetenz kommt nie aus der Mode.»

Noch immer hat Hofbauer in der Nationalmannschaft starken Einfluss. Doch das Team ist nicht mehr auf Gedeih und Verderb vom Center abhängig. Trainer Jansson sagt: «Früher schien es so: Hat Mätthu einen schlechten Tag, ist die Schweiz ohne Chance. Mittlerweile hat er eine andere Rolle. Er kann weiterhin seine Stärken ausspielen, aber es dreht sich nicht mehr alles um ihn.»

Nun gilt an Unihockey-Weltmeisterschaften der Männer gemeinhin: Schweden und Finnland ermitteln den Weltmeister, die Schweiz und Tschechien spielen um Bronze. Seit der ersten WM 1996 gab es nur drei Turniere mit Abweichungen. Und erst einmal vermochte die Schweiz einen Halbfinal zu gewinnen – 5:4 gegen Finnland vor 20 Jahren in, exakt, Prag. Diesen Umstand mögen einige als gutes Omen werten. Doch Aberglaube liegt Hofbauer fern. Und die Fantasie setzt bei ihm nie die rosa Brille auf. Dennoch sagt er: «Ich bin sehr optimistisch. Wir sind nicht der Top-Favorit, aber enorm gefährlich. Wir haben die Mittel dazu, jede Nation zu schlagen. Dieses Wissen zu haben, das fühlt sich sehr gut an.»

Die fixe Vorstellung: Gold holen in der Goldenen Stadt

Hofbauer spricht von der neuen Generation um ihn herum, von den vielen jungen Spielern, «die nicht diesen Rucksack mit sich tragen. Die nicht denken: Wir müssen endlich einen WM-Halbfinal gewinnen. Die einfach Lust darauf haben zu gewinnen. Die locker und voller Selbstvertrauen sind.»

Im Rucksack des Routiniers haben die letzten Titelkämpfe in Prag 2008 viel Gewicht. Die Schweiz, gecoacht von Peter Düggeli, heute US-Korrespondent des SRF, verliert den Halbfinal gegen Schweden in der Verlängerung, holt gegen den Gastgeber vor 14000 Zuschauern in der O2-Arena Bronze. «Die riesige Halle, die Stimmung, die Emotionen: Ich habe an keiner WM eine imposantere Kulisse erlebt», sagt Hofbauer. Den Meisterschaftsalltag hat er längst gesehen. Es sind die Grossanlässe, die ihn im Unihockey halten. Was Hofbauer fehlt, ist die Teilnahme an einem WM-Final. Was ihm vor allem fehlt, ist der Weltmeistertitel. In Prag dürfte sich ihm die letzte Chance dazu bieten.

Der Berner ist vor kurzem Vater geworden. Ins Geschäft ist der Betriebsökonom stark eingebunden. Weshalb er davon ausgeht, nächste Saison nicht mehr Unihockey zu spielen. «Obwohl Unihockey die Welt ist, die ich liebe.» Im Hinblick auf die WM hat er nochmals sehr viel Zeit in den Sport gesteckt, Zusatztrainings absolviert, die Arbeit im mentalen Bereich intensiviert. «Weil ich spüre, dass der Gewinn des WM-Titels für dieses Team mehr Realität denn Traum ist. Es ist eine fixe Vorstellung.»

Matthias Hofbauer hat als Captain in seiner Karriere manchen Pokal nach oben gestemmt. Nie ist er das Szenario im Vorfeld gedanklich durchgegangen. Nun aber hat er im Mentaltraining zum ersten Mal alles visualisiert – alles, bis zum Schluss, samt Übergabe des WM-Pokals. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.12.2018, 05:10 Uhr

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