Houston ist Mittelpunkt der Schweizer Basketballwelt

Erstmals spielen die zwei besten Schweizer, Clint Capela und Thabo Sefolosha, im selben Team. Sie haben mit den Houston Rockets grosse Ziele – trotz Turbulenzen.

Zwei Schweizer vereint: Thabo Sefolosha (l.) und Clint Capela (M.) gehen gemeinsam mit Superstar James Harden (r.) für die Houston Rockets auf Korbjagd. (Bild: Bob Levey/Getty Images)

Zwei Schweizer vereint: Thabo Sefolosha (l.) und Clint Capela (M.) gehen gemeinsam mit Superstar James Harden (r.) für die Houston Rockets auf Korbjagd. (Bild: Bob Levey/Getty Images)

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Die Houston Rockets mit den Schweizern Clint Capela und Thabo Sefolosha stehen für das vielleicht spannendste Projekt in der National Basketball League. Die Texaner wollen mit dem Starduo James Harden und Russell Westbrook wirbeln. Beide sind sie überragende Athleten, und beide – das ist die Krux – spielen am liebsten und am besten mit dem Ball in der Hand.

Doch auch in der NBA steht nur ein Ball zur Verfügung. Die General Manager der Konkurrenz glauben daher nicht, dass die Kombination Harden/Westbrook erfolgversprechend ist. Jedenfalls hat in einer Umfrage der Liga kein einziger Sportchef den Rockets den Titel prognostiziert. Bevor in der Nacht auf morgen die Saison beginnt, haben die Insider Houston im Westen nur auf Platz 5 gesetzt. Die Direktbeteiligten hingegen sind, natürlich, zuversichtlich. Er finde es aufregend, «dass wir so talentiert sind», sagte Sefolosha kürzlich vor Reportern. «Ich glaube, dass wir im Playoff etwas erreichen und den Titel holen können. Das wäre die Kirsche auf der Torte.»

Sefolosha verdient das Mindestsalär für Profis ab zehn Saisons Erfahrung – umgerechnet rund 2,5 Millionen Franken.

Der Waadtländer hatte nach einem Sommer der Unsicherheit in einem inoffiziellen Trainingslager der Rockets, quasi einem Casting für Vertragslose, die Teamverantwortlichen überzeugt. Der Lohn war ein Einjahresvertrag zum Mindestsalär für Profis ab zehn Saisons Erfahrung in der weltbesten Liga: umgerechnet rund 2,5 Millionen Franken. Anfänglich lief nicht alles nach Plan. Zuerst musste er länger als erhofft auf sein Visum warten, und kaum hatte er sich seiner neuen Mannschaft angeschlossen, steckte Sefolosha mit seinen Teamkollegen mitten in sportpolitischen Turbulenzen.

Die Milliarden-Aufregung

Ausgelöst worden waren sie durch die Botschaft «Kämpft für Freiheit, setzt euch für Hongkong ein», welche Houstons General Manager Daryl Morey auf Twitter absetzte. Die Entrüstung über die Unterstützung der Demonstranten in Hongkong war in China gewaltig; alle PR-Aktionen mit den damals im Land weilenden NBA-Teams Los Angeles Lakers und Brooklyn Nets wurden abgesagt, geplante Live-Übertragungen der Testspiele kurzerhand aus dem Programm des Staatsfernsehens CCTV gestrichen – diverse Sponsoren zogen ihre Zusagen zurück.

Mit diesem Tweet des General Manager der Rockets, Daryl Morey, begann der Ärger mit dem chinesischen Staat. (Screenshot: Twitter/dmorey)

Plötzlich ging es um sehr viel Geld, setzt die NBA in China doch jährlich mehrere Milliarden Dollar um. LeBron James mischte sich ein, indem er Morey als «schlecht informiert» bezeichnete. Der Lakers-Topstar, der sich sonst gern als Kämpfer für Gerechtigkeit gibt, löste damit in den USA einen Sturm der Entrüstung aus. Wenn es um das eigene Portemonnaie gehe, so der Tenor, seien James Redefreiheit und Menschenrechte plötzlich nicht mehr so wichtig. Immerhin: Mit etwas Verspätung stellte sich NBA-Boss Adam Silver hinter Morey.

2017 noch Gegner: Capela, bereits bei Houston, gegen Sefolosha, der damals für Utah Jazz spielte. (Bild: Bob Levey/Getty Images)

Die nahende Saison war also schnell zur Nebensache verkommen. Die kurz darauf gelöschte Twitter-Nachricht Moreys hatte auch deshalb so grosse Wirkung, weil die Rockets in China wohl das populärste Team sind. Das hat einen historischen Grund: Houston draftete 2002 Yao Ming als Nummer 1. Der 2,29-Meter-Mann spielte während seiner ganzen NBA-Karriere für die Texaner. Heute ist er in seiner Heimat eine Sportlegende und Vorsitzender der chinesischen Liga. Der Verursacher der Aufregung krebste letztlich halbherzig zurück, und Harden sprach auf einem Japan-Trip die kurzen Sätze «Wir entschuldigen uns. Wir lieben China» in die Mikrofone der Reporter.

Capela soll dominieren

Seither umdribbeln die Rockets-Akteure jedes potenzielle Fettnäpfchen weiträumig. Nicht einmal Sefolosha, der sich gewöhnlich nicht vor politischen Aussagen scheut, hat bisher zum Thema etwas Substanzielles gesagt. Harden wich zuletzt der Frage aus, indem er antwortete: «Derzeit konzentriere ich mich darauf, was in unserer Garderobe passiert – und darauf, dass wir jeden Tag besser werden.» Das ist insofern die richtige Einstellung, als die Rockets mit Aussagen zum Konflikt mit China fast nur verlieren können und es ihnen nicht an Arbeit mangelt.

«Thabo ist ein Routinier, der mir Ratschläge gibt – etwa, wie ich mich in der Defensive verbessern kann.»Clint Capela über Thabo Sefolosha

Speziell gefordert ist Harden, weil der NBA-Topskorer der letzten beiden Saisons auf den Tausch Westbrook für Chris Paul gedrängt hatte. Nun muss er mit seinem Kumpel auf dem Feld eine Lösung finden. Die beiden Schweizer sind dabei durchaus wichtige Teile in Houstons Erfolgspuzzle. Für Sefolosha ist zwar nicht allzu viel Einsatzzeit vorgesehen, aber der 35-Jährige soll seine Qualitäten in der Defensive sowie seine Erfahrung einbringen, besonders im Playoff. Der zehn Jahre jüngere Capela, der diese Saison fast 15 Millionen Dollar verdient, hat den Job, unter dem Korb zu dominieren und die Pässe von Westbrook und Harden zu verwerten. «Ohne ihn klappt es nicht», wird Cheftrainer Mike D’Antoni in der Lokalzeitung «Houston Chronicle» zitiert. «Nur ganz wenige können tun, wozu er in der Lage ist. Und er wird jedes Jahr besser.»

Sich nähergekommen

Capela äusserte sich in der Vorbereitung so optimistisch wie selbstbewusst: «Ich bin glücklich, mit zwei Superstars zu spielen. Wir sind motiviert; von uns wird man einiges zu sehen bekommen, speziell von mir. Ich denke, ich kann der Schlüssel sein.» Er wolle noch dominanter werden, so der Genfer. Die beiden Schweizer hatten auch aufgrund des Altersunterschieds kein enges Verhältnis gehabt. Sefolosha sagte im Sommer, er kenne Clints älteren Bruder Landry besser. Das dürfte sich geändert haben. «Mit Thabo spreche ich Französisch. Und er ist ein Routinier, der mir Ratschläge gibt – etwa, wie ich mich in der Defensive verbessern kann», erzählt nun Capela enthusiastisch.

Es sind aufregende Zeiten in Houston – gerade auch aus Schweizer Sicht.

Erstellt: 23.10.2019, 15:29 Uhr

Zwei Titelaspiranten aus L.A.

Im Frühsommer gewannen die Toronto Raptors gegen die favorisierten, aber von Verletzungspech geplagten Golden State Warriors den Titel. Diesmal hat die beiden Teams aufgrund der Abgänge von Kawhi Leonard (Los Angeles Clippers) respektive Kevin Durant (Brooklyn Nets) kaum noch jemand auf der Rechnung. Im Vordergrund stehen die beiden Teams aus Los Angeles, die Clippers mit dem Starduo Leonard/Paul George sowie die Lakers mit dem Star-Tandem LeBron James und Anthony Davis plus die Milwaukee Bucks mit Giannis Antetokounmpo, dem MVP der vergangenen Saison. Für die Clippers, die fast die Hälfte der NBA-Sportchefs als nächsten Champion sehen, wäre es der erste Titel in der Clubgeschichte. Doch selten war die Ausgangslage so offen wie diesmal. Houston, Denver und Philadelphia etwa zählen zu den aussichtsreichen Aussenseitern. (ädu)

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