Im Schweizer Triathlon gibt eine Trennung Rätsel auf

Nationaltrainer Steffen Grosse musste trotz Erfolgs gehen.

Jolanda Annen gewann in diesem Jahr EM-Silber im Sprint. Gut informierte Kreise sagen, sie fühle sich vor den Kopf gestossen.

Jolanda Annen gewann in diesem Jahr EM-Silber im Sprint. Gut informierte Kreise sagen, sie fühle sich vor den Kopf gestossen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Swiss Triathlon hat eines der erfolgreichsten Jahre hinter sich. Und trotzdem kam es am 8. November zum Bruch mit dem Nationaltrainer. An einem Meeting in Wallisellen teilte Marianne Rossi, Leistungssportchefin des Verbandes, Steffen Grosse die Kündigung mit – ordentlich. Und verbunden damit: die sofortige Freistellung. Ohne schriftliche Begründung.

Eine Woche später hatte Grosse sein Büro geräumt. Nach viereinhalb Jahren in der Schweiz kehrte der 54-Jährige nach Deutschland zurück – und meldete sich beim Arbeitsamt. Erledigt ist für ihn die Kündigung aber keinesfalls, er nimmt sie nicht einfach hin. Grosse sagt: «Für mich kam dieses Ende wie ein Blitz aus heiterem Himmel, ich hatte keine Wahl, und finanziell ist das Ganze überhaupt nicht klar.»

Grosse beschäftigt neben der sofortigen Freistellung – «ich habe ja nicht etwa Geld veruntreut, noch kann mir anderweitig Gravierendes vorgeworfen werden» – auch die Frage nach dem Warum der Kündigung. In einem Brief an die fünf Vorstandsmitglieder von Swiss Triathlon hat er Anfang Dezember sein ­Unverständnis ausgedrückt. «Ich bin ohne Abmahnung, ohne Begründung in die Wüste geschickt worden», sagt er.

Lob – aber keine Erklärung

Grosse berief sich in seinem Schreiben auf die Erfolge, gerade in diesem Jahr. ­Jolanda Annen gewann EM-Silber im Sprint, in der WM-Serie arbeitete sich die 25-Jährige auf Platz 9 vor. Das ist die beste Position einer Schweizerin oder eines Schweizers seit 2012. Hinzu kommen ihre Weltcupsiege Nummer zwei und drei sowie jener von Adrien Briffod. Zusätzlich gewann Sylvain Fridelance bei der U 23 EM-Silber. «2017 war die beste Saison seit langem, und das Erbringen von Resultaten und Erfüllen von Zielen ist schliesslich das Kerngeschäft im Leistungssport», sagt Grosse. Eine Reaktion erhalten hat er bis dato nicht.

Leistungssportchefin Rossi tritt dem Unverständnis Grosses entgegen: «Steffen arbeitete sehr seriös und erfolgreich, aber darum geht es hier nicht. Entscheidend ist die langfristige strategische Ausrichtung des gesamten Verbandes.» Um die Stärkung des Trainingszentrums Wallisellen geht es und um die gezielte Förderung der U-23-Athleten. Diese Strategie, sagt sie, sei Grosse bekannt gewesen. Und dessen Abgang habe man auf der Website entsprechend kommuniziert. «Eine unterschiedliche Auffassung bezüglich der operativen Umsetzung der Verbandsstrategie hat zu diesem Schritt geführt.» Weiter will sie nicht Stellung nehmen: «Interna gehören nicht an die Öffentlichkeit.»

Gestützt wird Rossi von ihrem Vorgänger Christoph Mauch, Vorstandsmitglied von Swiss Triathlon. Am 1. März löste sie ihn ab. Mauch sagt: «Das Vorgehen von Swiss Triathlon ist intern breit abgestützt. Die Ansichten von Steffen Grosse und Swiss Triathlon sind in zentralen Punkten je länger, desto stärker auseinandergedriftet.» Näher ins Detail gehen will er auch auf Nachhaken nicht. Dafür hält er fest: «Dass Marianne Rossi in ihrer Funktion entschieden hat, ist richtig und wichtig gewesen – um weiterzukommen, aller guten Arbeit Steffens zum Trotz.»

Vor den Kopf gestossen

Jolanda Annen als Direktbetroffene gibt sich in diesem Fall bedeckt. «Ich kann und will dazu keine Stellung nehmen», sagt sie, die eben erst zur Schweizer Triathletin des Jahres gekürt worden ist. Aus gut informierten Kreisen heisst es, die Saisonaufsteigerin habe sich vor den Kopf gestossen gefühlt. Trotzdem hat sie am Trainingslager von Swiss Triathlon auf den Kanarischen Inseln teilgenommen und trainiert weiterhin am Stützpunkt in Wallisellen, beides nun unter der Leitung von Nachwuchs-Nationaltrainerin Sabine Pöller. Nach wie vor bauen kann sie auf ihren persönlichen Coach.

Der Trainingsbetrieb in Wallisellen liesse nicht vermuten, dass an der sportlichen Spitze ein Vakuum herrscht, er läuft unter Pöller derzeit weiter. Und die Stelle des Nationaltrainers wurde neu ausgeschrieben. Ziel ist es, sie auf Ende Februar 2018 besetzt zu haben.

Erstellt: 14.12.2017, 20:46 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Mamablog Was Eltern über Tik Tok wissen müssen

Geldblog Warum hohe Dividenden nie garantiert sind

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Die Kunst des Überlebens: In der Royal Academy of Arts in London schwimmen 50 Ohrenquallen als Teil einer Kunstinstallation in ihrem Aquarium. Die Meerestiere sind einige der wenigen, die vom Klimawandel profitieren. (20. November 2019)
(Bild: Hollie Adams/Getty Images) Mehr...